Algerien – 58. Jahrestag der Unabhängigkeit und Ehrung für 24 Freiheitskämpfer.

Algerischer Präsident fordert Entschuldigung von Frankreich.

1402
Freiheitskämpfer
Algerien feiert Unabhängigkeit - Staatsakt für 24 Freiheitskämpfer.

Große Feierlichkeiten in Algier im Rahmen der Beisetzung von kürzlich aus Frankreich rückgeführte Algerier.

Algier – Der heutige 5. Juli 2020 markiert den 58. Jahrestag der algerischen Unabhängigkeit von der französischen Kolonialherrschaft. Afrikas größtes Flächenland gedenkt jeweils am 5. Juli eines Jahres an eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Landes. Nach 132 Jahren der französischen Kolonialherrschaft, nach mehr als einem Jahrhundert der Unterdrückung, der Ausbeutung, der Erniedrigung und der Gewalt, erlangte man, nach Jahren des bewaffneten Kampfes, die Unabhängigkeit von Frankreich. Nach der Unabhängigkeit entwickelte sich das Land in Richtung einer sozialistischen Volksrepublik und endete in der heute bekannten Autokratie aus Wirtschaftselite und Militär, gegen die seit dem 20. Februar 2019 große Teile der Bevölkerung protestieren.

Nach 170 Jahren Beisetzung von 24 Freiheitskämpfern.

Die diesjährigen Feierlichkeiten standen unter dem Fokus einer Beisetzung als Staatsakt. Die sterblichen Überreste von 24 algerischen Widerstandskämpfern wurden nach 170 Jahren aus Frankreich nach Algerien überführt. Die Gebeine der Enthaupteten wurden 2011 in einem Pariser Museum entdeckt, in dem sie seit Jahrzehnten eingelagert waren. Über Jahre verhandelten Frankreich und Algerien über eine Rückführung, die nun stattfinden konnte. Mit allen militärischen Ehren wurden die Toten nach Algier eingeflogen. Nach mehreren feierlichen Zeremonien wurden sie im Beisein des algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune auf dem Friedhof El Alia beigesetzt. Dort, in der „Märtyrer-Zone“, fanden auch andere Opfer des Unabhängigkeitskriegs gegen Frankreich ihre letzte Ruhe.

Algerischer Präsident fordert Entschuldigung von Frankreich.

Im Vorfeld der heutigen Feierlichkeiten und im Kontext der Rückführung von 24 Gebeinen ehemaliger algerischer Freiheitskämpfer gab der algerische Präsident Tebboune dem französischen Fernsehsender France24 ein Interview. Dabei ging er auf die schweren Ereignisse während der Kolonialzeit ein und diskutierte das schwierige Verhältnis zu Frankreich. Zu gleich gab es Signale für die Bereitschaft den Annäherungsprozess fortzuführen. Der algerische Präsident nannte seinen französischen Amtskollegen Macron einen ehrlichen Mann, der sich um die Aufarbeitung der kolonialen Geschichte seines Landes bemühe und einiges bewegen konnte. Zugleich forderte Präsident Tebboune eine vollständige Entschuldigung für die Gewalt während der Herrschaft Frankreichs in Algerien. Es habe zwar erste und halbe Entschuldigungen gegeben, aber es fehle eine vollständige und deutliche Bitte um Vergebung. Darauf warte Algerien schon lange.

Empfohlener Artikel