Algier – Schön, schräg, schonungslos

Die Algerische Hauptstadt und Ihre Menschen in einem Porträt

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Algier, die algerischen Hauptstadt des nordafrikanischen Landes, das dem Maghreb zugerechnet wird, hat seinen eigenen Charme. Sie trägt auch den Beinamen „die weiße Perle am Mittelmeer“.

In dieser Reportage wird der Zuhauscher von der Konzeptkünstlerin Amina Menia und dem Schriftsteller Boualem Sansal an die Hand genommen und nicht nur durch die Stadt geführt, sondern auch mit den Themen der Maghrebinischen Welt in Berührung gebracht.

Der Autor Sansal ist auch in Deutschland kein unbekannter. Nach zahlreichen Romanen erhielt er im Jahr 2011 den „Deutschen Friedenpreis des Buchhandels“. Algerien war über Jahrzehnte französische Kolonie. Das hatte großen Einfluss auf das Gesicht Algiers. Die Hauptstadt ist geprägt von prächtige Kolonialarchitektur, eine zum Weltkulturerbe gehörende Kasbah, arabischen Märkte, pulsierendes und kompliziertes Leben, arabisch-französische Bäckereien, Verkehrschaos, Palmenalleen, langen Strände, Öl- und Gasreichtum. Dies alles ist Algerien und die Hauptstadt des größten und reichsten Landes Nordafrikas, in der mehr als sechs Millionen Menschen leben sollen.

Algier platzt aus allen Nähten, und steckt voller Widersprüche, Kopftuchträgerinnen und westlich gekleideter Frauen. Obwohl das Land sehr reich ist, sind die meisten Bewohner Algiers arm, gleichzeitig fährt fast jeder und jede ein eigenes Auto. Es herrscht die Pressefreiheit und zugleich eine Unfreiheit durch die Macht einer politischen Elite. Obwohl Algerien am Mittelmeer liegt kennt Algier keinen Tourismus. Die Reportage geht auch auf den fast 12 Jahre andauernden Bürgerkrieg gegen den sog. Islamismus ein und findet darin eine Ursache für die relative Beibehaltung des Status Quo, während des Arabischen Frühlings. Der Chefredakteur Adléne Meddi der Tageszeitung „El Watan“ (die Nation) geht mit Hilfe von Karikaturen auf die Politik und Ihrer teils sehr umstrittenen Bauprojekte ein. Gleichzeitig scheint die Sehnsucht der Bevölkerung nach Frieden und Stabilität, und weniger nach Revolution, ihre Ursache in den Erfahrungen aus dem Bürgerkrieg zu haben. Die angesprochenen Autoren, Künstler Journalisten und einfachen Bürger in dieser Reportage bring trotzdem ihre große Verbundenheit mit der Stadt und ihren Menschen zu Ausdruck. Algier und Algerien, eine Stadt voller Sinneseindrücke, Widersprüche und Magie, wie so viele Städte und Länder des Maghrebs.

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