Freigabe des Wechselkurses der marokkanischen Währung steht bevor – Sorge vor Abwertung

Stellungnahme des Vorsitzenden der marokkanischen Zentralbank – „Es droht keine Abwertung“.

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Freigabe des Wechselkurses
Spekulationen stellen ein hohes Risiko für die gesamte marokkanische Wirtschaft da.

Marokkanische Geschäftsbanken spekulieren gegen eigene Währung und decken sich mit Devisen ein.

Casablanca – Die Freigabe des Wechselkurses der marokkanischen Währung ist nicht mehr fern. Nach bisher bekannten Informationen ist die Freigabe für den Beginn der zweiten Jahreshälfte geplant maghreb-post berichtete. Das wäre in wenigen Wochen. Erste Stimmen gehen von einer Freigabe unmittelbar nach Ende des für Muslime heiligen Fastenmonats Ramadan aus.

Stellungnahme des Vorsitzenden der marokkanischen Zentralbank – „Es droht keine Abwertung“.

Je näher der Zeitpunkt für die Freigabe des Wechselkurses heranrückt, desto größer scheint im Finanzsektor die Sorge vor einer Abwertung des Marokkanischen Dirhams zu sein. In der monatlichen Pressekonferenz am gestrigen Mittwoch, beschwerte sich der Chef der Zentralbank (Banq Al Maghrib) über das Verhalten der Geschäftsbanken in Marokko. Nach eigener Aussage von Herrn Abdellatif Jouahri hat sich die Nachfrage nach Devisen durch die Geschäftsbanken deutlich erhöht. Das nachgefragte Devisenvolumen hat die Grenze von einer Milliarde Dirham pro Tag überschritten. Offensichtlich glauben die Geschäftsbanken, dass die begrenzte Freigabe des Wechselkurses zu einer spürbaren Abwertung der Landeswährung führen wird. Nach einer Abwertung würde es für die Geschäftsbanken deutlich teurer werden Devisen einzukaufen, weil sie dann mehr Dirhams für die gleiche Menge Devisen (Euro oder US-Dollar) aufbringen müssten. Im Umkehrschluss scheinen auch einige Banken gegen die eigene Währung zu spekulieren. Durch den Devisenkauf und unter der Annahme einer Abwertung würde man, nach der Freigabe des Wechselkurses, mehr Dirhams pro Deviseneinheit haben bzw. bekommen. Damit könnten die Banken Gewinne aus Devisengeschäften erzielen oder ihre stillen Reserven erhöhen. Problem an dieser Systematik ist, dass die Spekulation selbst für eine Abwertung der Landeswährung führen könnte, weil die Banken ein kurzfristiges Interesse an einem fallenden Wechselkurs haben. Entsprechend verärgert reagierte der Vorsitzende der Zentralbank bei der Pressekonferenz.

Alle Berechnungen zeigen, dass es keine Abwertung der Landeswährung geben wird. Risiko für Geschäftsbanken und Finanzspekulanten gegeben.

Der Vorsitzende der Zentralbank beschwerte sich darüber, dass die Geschäftsbanken und Devisenhändler offensichtlich den Analysen und Aussagen der Bank Al Maghrib nicht vertrauen würden. Er wiederholte, dass alle Berechnungen zeigen würden, dass es keine Abwertung geben wird. Er prophezeite den Geschäftsbanken, dass ihre „Sicherungsgeschäfte“ unnötig sind, und dass die Spekulanten keinen Nutzen aus ihren Aktionen ziehen werden.

Spekulationen stellen ein hohes Risiko für die gesamte marokkanische Wirtschaft da.

Was der oberste Bankangestellte Marokkos nicht aussprach, ist dass das Risiko, dass die Geschäftsbanken eingehen, eine Gefahr für den gesamten Bankensektor darstellt.

Sollte der Wechselkurs entgegen ihrer Erwartungen tatsächlich nicht fallen und sollten auch nur wenige Banken signifikante Verluste erleiden sowie unter Umständen sogar in Zahlungsschwierigkeiten geraten, wäre eine hausgemachte Finanzkrise ausgelöst. Die Banken würden versuchen ihre unnötig hohen Devisenbestände abzustoßen um wieder mehr Liquidität zu haben. Damit würden sie sogar zu einer Aufwertung des Dirham beitragen. Bereits heute wissen die Banken nicht, welches Risiko der Konkurrent eingeht und wie die Bilanz nach der Freigabe aussehen könnte. Das könnte den Interbankenhandel belastet und die Kreditvergabe, die für öffentliche und private Investitionen benötigt wird, beeinflussen. Hier könnte die Bank Al Maghrib selbst unter Druck geraten und als Feuerwehr gegebenenfalls agieren und damit der Staat Banken retten müssen. Das würde die gesamte marokkanische Wirtschaft und den Staatshaushalt belasten. Die Europäer und die EZB können ein Lied davon singen. Abdellatif Jouahri hat daher allen Grund das beobachtete Verhalten zu kritisieren.

Internationaler Währungsfond (IWF) und Weltbank machen die Freigabe des Wechselkurses zur Bedingung für weitere Kredite.

Marokko geht den Weg nicht ganz freiwillig. Der internationale Währungsfond und die Weltbank machten die Liberalisierung der marokkanischen Wirtschaft und die Flexibilisierung des Wechselkurses zu einer Bedingung für weitere Kredite. Der Wechselkurs wird aber in der ersten Phase nicht vollständig freigegeben. Schrittweise wird die Schwankungsbreite des Wechselkurses erhöht. Die vollständige Freigabe kann bis zu 15 Jahren dauern –maghreb-post berichtete. Ein fallender Wechselkurs würde alle Waren, die in Marokko produziert und rein in Dirham gehandelt werden für das Ausland verbilligen. Gleichzeitig würden die Preise für Importwaren steigen. Bei einem steigenden Wechselkurs wäre entsprechend ein gegenläufiger Effekt zu beobachten.

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