Freigabe des Wechselkurses in Marokko kurzfristig verschoben.

Ministerrat hat offene Fragen und sieht Optimierungsbedarf.

Wechselkurses
Unsicherheit im Markt zu groß. Ministerrat hat offene Fragen.

Die Freigabe des Wechselkurses der Marokkanischen Währung kurzfristig verschoben – Unsicherheit im Markt zu groß.

Rabat – Der Ministerrat Marokkos hat auch am heutigen Donnerstag getagt. Ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung war die Freigabe des Wechselkurses, die für den heutigen Tag geplant war. Insgesamt herrschte seit gestern eine gewisse Unruhe im Finanzmarkt und im politischen Betrieb in Casablanca und Rabat.

Wie maghreb-post berichtete, steht die Freigabe des Wechselkurses unmittelbar bevor. Tatsächlich war die Freigabe direkt nach Ende des für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan geplant. Bereits seit der letzten Pressekonferenz des Chefs der marokkanischen Nationalbank – Bank Al Maghrib – wurde klar, dass im Finanzmarkt doch eine große Unsicherheit herrscht. Die Geschäftsbanken spekulieren darauf bzw. gehen davon aus, dass der Wert des Dirhams, nach Freigabe des Wechselkurses, fallen wird. Entsprechend haben sie in den letzten Wochen die eigenen Devisenreserven aufgestockt und damit erhebliche Anteile der Devisenreserven der Zentralbank abgezogen. Darüber hatte sich der mächtige Chef der Zentralbank Abdellatif Jouahri heftig beschwert. Eine wesentliche Strategie der Zentralbank ist es, den Fall des Dirhams zu vermeiden, in dem man hohe Bestände an Devisen (Euro und Dollar) aufbaut bzw. hält und damit die heimische Währung absichert. Aber nicht nur die Geschäftsbanken agierten. Auch zahlreiche Unternehmen zogen ihre Warenimporte für den Rest des Jahres vor, was ebenfalls zu erheblichen Abflüssen von Devisen ins Ausland führte.

Turbulenter Tag für die Zentralbank – Ministerrat hat offene Fragen und sieht Optimierungsbedarf.

Der gestrige Abend und der heutige Tag verliefen für die Presseabteilung der Zentralbank und für den Zentralbankchef turbulent. Alle Beobachter und Finanzakteure erwarteten eine Pressekonferenz und die offizielle Bestätigung bzw. Verkündung, dass der Wechselkurs nun innerhalb einer eingeschränkten Bandbreite freigegeben ist. Doch dazu kam es nicht.

Im Laufe des Vormittags wurde bekannt, dass die Presseabteilung, am späten Abend des Vortags, die Pressekonferenz per Email abgesagt hatte. Dies ohne Nennung von Gründen oder eines Ersatztermins. Wie Medias24 und das Wirtschaftsmagazin telquel berichten, war weder der Zentralbankchef noch der Wirtschaftsminister Mohamed Boussaid für eine Stellungnahme zu erreichen. Über die Hintergründe der de facto Verschiebung der Freigabe des Wechselkurses war daher nichts zu erfahren. Wie die Wirtschaftsmedien meinen aus inoffiziellen Quellen in Erfahrung gebracht zu haben, scheint der Ministerrat Einfluss genommen zu haben. Die Unsicherheiten im Finanzmarkt und der öffentlich ausgetragene Disput zwischen der Zentralbank und den Geschäftsbanken, könnte die Minister verunsichert haben. Auch scheint es noch offene Fragen der Minister zu geben, die während der Sitzung nicht zufriedenstellend geklärt werden konnten. Nicht zuletzt scheinen einige Minister die Erfahrungen in Ägypten vor Augen gehabt zu haben. Dort hat man ebenfalls den Wechselkurs des Ägyptischen Pfunds freigegeben, was zu einem Wertverlust von ca. 45% geführt hat. Ein Szenario, dass man für Marokko unbedingt vermeiden möchte. Es scheint daher so zu sein, dass man sich nochmals ein wenig Zeit nehmen möchte um die aktuelle Situation zu beruhigen. Wie viel Zeit benötigt wird kann nicht abgeschätzt werden. Es kann auch sehr schnell gehen, da sicherlich der IWF und die Weltbank die Situation beobachten. Darüber hinaus stellt sich grundsätzlich die Frage, ob es sich gerade jetzt um einen wirtschaftlich und politisch günstigen Zeitpunkt handelt.

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