Marokko – Allg. Teilhabe am Finanzsystem wird mit weiteren 400 Mio. US-Dollar gefördert.

Digitalisierung ein möglicher Treiber für Wachstum.

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marokkanische Dirham

Aufbau eines allgemein zugänglichen Finanzsystems erhält erneut Unterstützung vom IWF und der Weltbank.

Washington – Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds, IWF, werden bis zum März nächsten Jahres (2024) insgesamt 1,35 Milliarden US-Dollar freigeben, um in drei Phasen das 2020 aufgelegte Programm für finanzielle Eingliederung (Inklusion) und digitale Transformation zu finanzieren. Immer mehr Menschen sollen Zugang zum allgemeinen Finanzsystem erhalten. Dies beginnt z.B. mit der Einrichtung eines Bankkontos und der Nutzung des digitalen Zahlungsverkehrs, es betrifft aber auch den Zugang zu Krediten und Förderungen.

Das Königreich habe nach Medienberichten bereits im Jahr 2019 ca. 700 Mio. US-Dollar von der Weltbank erhalten, um „Maßnahmen zur Entwicklung der finanziellen und digitalen Inklusion zu unterstützen“. Heute, vier Jahre später, engagiere sich Marokko weiterhin für neue positive Initiativen für bessere Finanzströme und Digitalisierung des Finanzsystems.

Digitalisierung ein möglicher Treiber für Wachstum.

Ein Bericht vom Mai 2022 (mit dem Titel „The benefits of digital for Middle East and North African countries: adopting digital technologies can accelerate growth and create jobs“ Die Vorteile der Digitalisierung für die Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas: Die Einführung digitaler Technologien kann das Wachstum beschleunigen und Arbeitsplätze schaffen) zeige, dass ca. 60% der marokkanischen Bevölkerung das Internet nutzen, während die Behörden schätzen, dass 67% diese Technologie verwenden.

Marokko investiert kreditfinanziert ca. 1,35 Mrd. Dollar in die Digitalisierung.

Die bisher guten Ergebnisse bei der Entwicklung neuer Technologien und ihrer Zugänglichkeit für die gesamte Bevölkerung veranlassten Rabat, einen neuen Finanzierungsplan für die digitale bzw. finanzielle Eingliederung aufzustellen. Die Finanzierung dieses Projekts bestand aus drei separaten Phasen. Das erste Darlehen der Weltbank belief sich auf 500 Mio. US-Dollar, das zweite auf 450 Mio. US-Dollar und das dritte, das im März gewährt wird, betrage 400 Mio. US-Dollar.

Die Mittel in Höhe von 1,35 Milliarden Dollar werden zusätzlich zu denen für das Projekt 2019 bereitgestellt. Laut der marokkanischen Tageszeitung Le Matin wird dieser Betrag zwischen 2019 und 2023 auf 2,05 Milliarden USD (über 1,905 Milliarden Euro oder 21 Milliarden marokkanische Dirham MAD) ansteigen. Die Beträge werden von den Bretton-Woods-Institutionen (Weltbank und Internationaler Währungsfonds, IWF) bereitgestellt werden. Der Verwaltungsrat der Weltbank müsse die neuesten Zahlen noch formell genehmigen.

Zentralbank und Regulierungsbehörde wollen eigene Projekte und Mittel vorantreiben.

Zusätzlich zu diesen Summen werden die Bank AI-Maghrib (Marokkos Zentralbank) und die Nationale Regulierungsbehörde für Telekommunikation (ANRT) ggf. mit dem öffentlichen und privaten Sektor zusammenarbeiten, um die technologische Integration und den digitalen Wandel voranzutreiben. Dies solle die Wirtschaft des Landes ankurbeln und benachteiligte Bevölkerungsgruppen (wie in ländliche Gemeinden, Frauen und Jugendliche) in den Digitalisierungsprozess einbinden.

Zu diesem Zweck verfolge Rabat vier Aktionslinien: Verbesserung der finanziellen Eingliederung von Einzelpersonen, Mikrounternehmen und KMU, Diversifizierung der Finanzinstrumente und Förderung der Mikrofinanzierung, Unterstützung der Entwicklung digitaler Finanzierungsplattformen und -infrastrukturen sowie stärkere Unterstützung für digitale Unternehmerinnen und Unternehmer. Daher wird das Projekt als eine Initiative vorgestellt, die Familien und Unternehmen, einschließlich Neugründungen und Jungunternehmern, zugutekommen soll.

Gemeinsam mit König Mohammed VI. arbeite die Regierung z. Zt. an einer Initiative, die sich auf digitale Finanzdienstleistungen und die Resilienz der Haushalte richte. Darüber hinaus soll die Vernetzung in ländlichen und städtischen Gebieten, in denen sie noch nicht vorhanden sei, verbessert bzw. vorangetrieben werden.

Hindernisse auf dem Weg zur Digitalisierung von Finanzsystem und Verwaltung.

Den Umbau einer Volkswirtschaft und ihrer Bürokratie, um die Vorteile der Digitalisierung nutzen zu können, muss zahlreiche Aspekte beachten. Eine moderne und effiziente Digitalisierung des Finanzsystems aber auch der Verwaltung kann Abläufe beschleunigen, Transaktionskosten senken und Kontakte objektivieren und damit Korruption verringern.

Aber eine umfassende Digitalisierung bedarf nicht nur Investitionen und Gelder durch und für den Staat, sondern macht auch Investitionen der Unternehmen sowie der Privatpersonen nötig. Es bedarf Geräte, Netze und Netzzugänge. All dies löst Kosten aus, die vielleicht nicht jeder tragen kann. Auch das Bildungsniveau kann ein Hindernis sein. Das Bildungsniveau ist innerhalb der Gesellschaft unterschiedlich. Noch immer gibt es einen signifikanten Teil der Bevölkerung, der die Kriterien des „funktionalen Analphabetismus“ erfüllt. D.h., neben denen, die weiterhin weder lesen noch schreiben können, gibt es viele Menschen, die ohne Abschluss die Schule verlassen haben, teils sehr früh, und daher Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben und sich vor allem mit dem Erfassen und Interpretieren von Inhalten schwertun.

All diese Punkte können eine Gesellschaft weiter Teilen und dazu führen, dass viele auf der Strecke bleiben. Dies in einem Land, in dem die gesellschaftlichen Unterschiede bereits jetzt groß sind.

Marokko – Weltbank stellt 450 Mio. US-Dollar Kredit für Finanzwesen und Digitalisierung bereit.

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