Marokko – Bankensektor soll durchleuchtet werden.

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Bankensektor
Kooperationsabkommen zwischen dem nationalen Wettbewerbsrat und der marokkanischen Zentralbank - Banq Al Magrib

Zentralbank Bank Al Maghrib und der marokkanische Wettbewerbsrat vereinbaren Informationsaustausch.

Rabat – Die marokkanische Zentralbank, Banq Al Maghrib, und der von König Mohammed VI. und der Regierung eingesetzte Wettbewerbsrat haben am Donnerstag, den 16. Januar 2020, ein Kooperationsabkommen unterzeichnet. Das Abkommen soll einen ständigen Informationsaustausch über Wettbewerbsfragen, im Zusammenhang mit dem Bankensektor ermöglichen. Die Vereinbarung wird den regelmäßigen Austausch von Informationen und Fachwissen zwischen den beiden Institutionen zu Themen von gemeinsamem Interesse fördern, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung.

Die beiden Institutionen werden auch Maßnahmen zur Sensibilisierung und Unterstützung der Finanzinstitute einleiten, um die Einhaltung der höchsten Wettbewerbsstandards und Arbeitsweisen zu fördern, so die Erklärung weiter, die auf der Website der Zentralbank veröffentlicht wurde.

Zweite Kammer des Parlaments reagiert auf Rede von König Mohammed VI.

Diese Vereinbarung kommt weniger als zwei Wochen, nach der Durchführung einer Analyse des Bankensektors, die vom Finanzausschuss des Repräsentantenhauses initiiert wurde. Der Finanzausschuss der zweiten Kammer des marokkanischen Parlaments steht nach der letzten Rede von König Mohammed VI. in der Pflicht. Der König forderte im vergangen Oktober, bei seiner Ansprache vor beiden Kammern des Parlaments, dass die Banken eine höhere Bereitschaft und Verantwortung zeigen sollen, wenn es um die Unterstützung des Unternehmertum und von Existenzgründungen in Marokko geht. Dazu will man sicherstellen, dass das inländische Finanzsystem verlässlich funktioniert und sich die Institute nicht, durch fragwürdige oder rechtswidrige Vorgehensweisen, dem Wettbewerb untereinander entziehen und so keine Vorteile für Kunden und Unternehmen entstehen können.

Parlament will Geschäftspraktiken der Banken durchleuchten und rechtswidrige Handlungen aufdecken lassen.

Der Finanzsektor im Königreich steht national unter Verdacht untereinander Absprachen zu treffen, gegen die Geldwäsche zu wenig Engagement an den Tag zu legen und zu hohe Marktzinsen bei Krediten zu verlangen. Die zukünftigen gemeinsamen Ausschüsse zwischen dem Wettbewerbsrat und der Banq Al Maghrib müssen die Tarife und ggf. wettbewerbswidrigen Praktiken der marokkanischen Banken prüfen. Es geht also unter anderem darum aufzuklären, ob „die von den Banken angewandten Margen, unter Berücksichtigung des Vergleichs zwischen dem Leitzins und dem für die Kunden geltenden Zinssatz, unverhältnismäßig sind“.

Ziel der Kommission ist es auch, herauszufinden, ob ein Kartell zwischen marokkanischen Banken besteht und ob der freie Wettbewerb gewahrt wird. Dieses Abkommen könnte sowohl die Konditionen als auch die Art der Dienstleistungen marokkanischer Banken beeinflussen.

Marokko will Vertrauen in den Finanzsektor stärken.

Die marokkanischen Banken werden durch die Politik unter Druck gesetzt. Neben der Aufforderung des Königs, sich stärker für Unternehmensgründer und den Mittelstand einzusetzen, beobachtet der IWF die Entwicklungen in Marokko. Das Vertrauen in den Finanzsektor muss steigen, da sich das Land weiter für internationale Investoren öffnen will. Zugleich stehen die marokkanischen Banken, neben der OCP Group und der Maroc Telecom, an der Spitze der nach Afrika expandierenden Unternehmen. Hinzu kommt, dass Marokko seine Landeswährung einem flexiblen Wechselkursregime aussetzen soll. Neben der Wirtschaftskraft und der sozialen sowie politischen Stabilität im Königreich wird für den Wert und die Stabilität der Landeswährung auch das Vertrauen in das Finanzsystem Bedeutung haben.

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