Marokko – Banq Al Maghrib glaubt an Mobile Payment.

Marokkanische Regierung will Bargeldumlauf verringern.

Mobile Payment
Zentralbank erwartet Durchbruch für Mobile Payment in Marokko

Marokkanische Zentralbank geht von Durchbruch in 2018 aus.

Rabat – Digitale Zahlungssysteme sind überall auf der Welt ein Zukunftsthema. Bei der letzten Quartalspressekonferenz der marokkanischen Zentralbank „Banq Al Maghrib“ äußerte sich Zentralbank Chef Abdellatif Jouahri zu seinen Erwartungen. Aus seiner Sicht könnte das kommende Jahr 2018 einen Durchbruch für Mobile Payment (mobile Zahlungssysteme) in Marokko bringen.

Zentralbankchef
Marokkanischer Zentralbankchef Abdellatif Jouahri zum besten Zentralbankpräsidenten der Welt gekürt.

Voraussetzungen für erfolgreichen Durchbruch gegeben.

Der Zentralbankchef zeigte sich optimistisch, weil die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten intensiv und erfolgreich läuft. Eingebunden sind die Geschäftsbanken, die Telekommunikationsanbieter und die Netzagentur für Telekommunikation „ANRT“. Verstärkend kommt hinzu, dass nicht nur auf eine Form der Bezahlung per Handy gesetzt wird. Die Marokkanerinnen und Marokkaner werden die Wahl unter mindesten drei Formen des Mobile Payments haben.

Zahlen per NFC, App oder SMS

Da ist zum ersten die Bezahlung an Kassensystemen per sog. NFC Chip im Handy. Darunter versteht man, dass ein Handy einen sog. Near Field Communication (NFC) Chip besitzt. Dazu legt man das Handy auf das Lesegerät einer Kasse. Dieser Chip wird bei einer geeigneten Kasse ausgelesen und entsprechende Zahlungen ausgelöst. Das ist aktuell die modernste Form der Zahlung per Handy, setzt aber auch ein modernes Handy und ein modernes Kassensystem voraus.

Zum zweiten soll man per SMS zahlen können. Hier autorisiert man per SMS eine Blitzzahlung von einem Handy zum Nächsten. Als gegenseitige Identifikation kann die Handynummer dienen oder die Eingabe eines Bankkontos.

Als dritte Form sollen bankeigene Apps Zahlungen per Blitzüberweisungen erlauben. Dazu muss man sich die App seiner Bank herunterladen und entsprechende Kontoverbindungen des Gegenübers nutzen.

Zahlungssysteme müssen mit Transferpartnern verbunden sein.

Verbunden werden diese Zahlungssystemen wiederum mit alternativen Transferpartnern. Das gezahlte Geld wird entweder auf dem Bankkonto, auf der Kreditkarte oder per Mobilfunkrechnung belastet bzw. abgebucht. Noch ist unklar, ob auch an einer virtuellen Brieftasche gearbeitet wird, die man z.B. per Guthabenkarte auffüllen kann und dann das Guthaben entsprechend nutzt. Dies wäre eine wichtige Entwicklung für alle Menschen, die nicht unbedingt Zugang zu Banken haben oder keinen Vertrag bei einem Mobilfunkanbieter besitzen.

Marokkanische Regierung will Bargeldumlauf verringern.

Die marokkanische Regierung will den Bargeldumlauf im Land besser kontrollieren und bestenfalls reduzieren. Die Regierung möchte Schwarzgeldzahlungen verringern und die Zahlungsflüsse, sowohl aus steuerrechtlichen wie auch sicherheitspolitischen Gründen, kontrollieren können. Bei Zahlungen mit Bargeld ist dies nur eingeschränkt möglich. Gerade in Marokko und den anderen maghrebinischen Ländern ist der Bereich der Schattenwirtschaft groß.

Gleichzeitig sinken die sog. Transaktionskosten der Banken, wenn weniger Bargeld im Umlauf ist. Jeden Monat muss die Zentralbank alte und beschädigte Geldscheine aus dem Verkehr ziehen und durch neue Scheine ersetzten. Das verursacht Druckkosten, die die „Bank Al Maghrib“ gerne reduzieren möchte. Insbesondere bei Münzgeld übersteigen die Material- und Produktionskosten teilweise den Nennwert.

Mobile Payment eigentlich nichts Neues in Marokko

Mobile Payment ist den marokkanischen Banken und Telekommunikationsanbietern nicht unbekannt. Die „Attijariwafa“ Bank und die „CIH“ Bank hatten sich bereits mit der Entwicklung mobiler kontaktloser Zahlungslösungen in Marokko beschäftigt. Auch der Telekomkonzern „Maroc Telecom“ hatte vor einigen Jahren die „Jawal-App“ für mobiles Bezahlen auf den Markt gebracht. Bereits im Januar 2017 startete „Fast Payment“, der erste sog. „Level-1-zertifizierte Online-Zahlungsanbieter“ in Marokko. Doch weil nicht alle Wirtschaftsteilnehmer an einem Strang gezogen haben, hat sich Mobile Payment noch nicht durchsetzen können. Dies könnte nun anders werden.

Mobile Payment und Kartenzahlung konkurrieren miteinander.

Auch die Nutzung von Kartenzahlung ist im letzten und in diesem Jahr sprunghaft angestiegen – maghreb-post berichtete. Alleine im ersten Halbjahr 2017 stieg die Kreditkartennutzung um 85% gegenüber dem Vorjahr. Neue Kreditkarten besitzen ebenfalls einen NFC – Chip, der Kontaktloses Zahlen an geeigneten Kassensystem erlaubt. Doch solche Kreditkarten von „Visa/MasterCard“, „Amex“ oder „Diners Club“ sind nicht allen Marokkanerinnen und Marokkanern zugänglich. Auch besitzen nur Ketten geeignete Kassensysteme.

Kreditkarte
Zahlen per Kreditkarte stieg um 85% im ersten Halbjahr 2017.

Bargeldloses Zahlen weltweit immer beliebter.

Weltweit geht das Bezahlen mit Bargeld zurück. Zahlungen per Kreditkarte oder Mobile Payment erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Es ist einfach und fast schon spielerisch, es geht schnell und hat Prestige. Daher wird auch Weltweit an Zahlungssystemen gearbeitet. Bei Zahlungen per Kreditkarte sind die USA sicherlich weit vorne. Nicht weil sie ein modernes Zahlungssystem haben, dem ist nämlich nicht der Fall, sondern hinsichtlich der Akzeptanz und Verbreitung. Gleichzeitig arbeiten Unternehmen wie Google, Paypal und Apple an Mobile Paymentsystemen.

Bzgl. nur dem reinen Mobile Payment liegt China vorne. Dort haben die chinesischen Internetkonzerne „Tencent“ mit „Wechat Pay“ und „Alibaba“ mit „Alipay“ Systeme entwickelt, die 2018 mehr Zahlungen abwickeln werden, als alle Kreditkartenfirmen weltweit zusammen. In Afrika gilt Kenia als afrikanisches Silicon Valley (Savannah Valley). Die Entwicklung des Mobile Paymentsystems „M-Pesa“ (ist Swahili und bedeuten mobiles Geld) der Firma „SafariCom Kenia“ ist die Basis für zahlreiche Innovationen im Land.

M-Pesa
M-Pesa von SafariCom Vodafone Group

Infrastruktur und Bildung müssen mithalten. Digitale Währungen werden sich einschleichen.

Damit diese Systeme erfolgreich sein können, muss weiter an der Infrastruktur und an der Bildung der Menschen in Marokko gearbeitet werden. Fast alle diese Systeme setzen voraus, dass der Nutzer keine Probleme im Umgang mit modernen Handys hat. Gleichzeitig ist es notwendig, dass eine Datenverbindung aufgebaut werden kann. Dazu muss es ausreichend Bandbreiten im Mobilfunknetz geben. Ebenso wird sich zeigen, ob Marokko Insellösungen entwickeln wird, oder man auch externe Systeme zulässt. Das beginnt schon bei den im Ausland lebenden Marokkanern (MRE) oder Touristen, die solche Systeme in Marokko wahrscheinlich schnell nutzen möchten und mit Transfersystemen aus dem Ausland einreisen. Obwohl Marokko erst vor wenigen Wochen sog, virtuelle bzw. Krypto – Währungen (z.B. Bitcoin) verboten hatte, werden diese sich wieder einschleichen können – maghreb-post berichtete.

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