Marokko – IWF räumt Liquiditätsrahmen von 2,97 Mrd. USD ein.

Hohe Subventionen belasten marokkanischen Staatshaushalt.

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IWF
Internationaler Währungsfond IWF

Liquiditätsrahmen gilt für zwei Jahre und soll Marokko mehr Flexibilität verschaffen.

Washington D.C. – Der Internationale Währungsfonds (IWF) genehmigte einen Liquiditätsrahmen in Höhe von 2,97 Mrd. USD (27,8 Mrd. marokkanische Dirham MAD) für Marokko, um dem nordafrikanischen Land zu helfen, sein Haushaltsdefizit weiter zu senken und das Risiko externer Schocks für seine Wirtschaft zu mindern. Dies teilte der IWF in der Nacht auf seiner Website mit. Dieser Finanz- bzw. Liquiditätsrahmen wird zunächst auf zwei Jahre begrenzt zur Verfügung gestellt. Nach Angaben des IWFs teilt sich die Summe auf. Im ersten Finanzjahr 2019 stehen 1,73 Mrd. US – Dollar bzw. 16,6 Mrd. MAD* zur Verfügung. Im darauf folgenden Jahr 2020 stehen dann nochmals 1,24 Mrd. US – Dollar bzw. 11,9 Mrd. MAD* bereit. Marokko kann auf diese Beträge zugreifen, welche dann zu Krediten werden, ist aber nicht gezwungen die Finanzmittel abzurufen.

Marokko sichert sich wiederholt Liquiditätsrahmen.

Marokko hatte sich bereits zuvor drei Kreditlinien des IWFs in Höhe von 6,2 Mrd. US – Dollar im Jahr 2012 gesichert, ca. 5 Mrd. US – Dollar im Jahr 2014 sowie 3,5 Mrd. US – Dollar im Jahr 2016. Die Kreditlinie ist für Länder mit relativ guter Wirtschaftspolitik bestimmt, die aufgrund externer Faktoren, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen, wie z.B. ein Anstieg des Ölpreises, mit Zahlungsbilanzdefiziten konfrontiert sind. Bis März 2018 hatten nur die Republik Mazedonien und Marokko diese Art von IWF-Programm genutzt.

Der Anstieg der globalen Öl- und Gaspreise in diesem Jahr belastete den marokkanischen Haushalt, aber die Regierung hat es geschafft, ihre fiskalischen und externen Schwachstellen zu reduzieren, so der IWF.

Finanz- und Wirtschaftsminister
Mohamed Benchaaboun – Marokkanischer Finanz- und Wirtschaftsminister

Hohe Subventionen belasten marokkanischen Staatshaushalt.

Die Ausgaben Marokkos für Subventionen werden 2019 steigen, da die Regierung weiterhin Kochgas, Zucker und Weizen subventioniert. Das Finanz- und Wirtschaftsministerium erwartet für 2019 ein Haushaltsdefizit von 3,3 Prozent. Für das Laufende Jahr geht man in Rabat von einem Defizit von 3,8 Prozent aus. Im nächsten Jahr kann das Defizit nur dann auf 3,3 Prozent gesenkt werden, wenn die marokkanische Regierung Staatseigentum privatisiert. Falls dies nicht gelingt, wird man auf den Kreditrahmen angewiesen sein. „Die neue Liquiditätsregelung wird eine Versicherung gegen externe Schocks bieten und die Bemühungen der Behörden unterstützen, die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft weiter zu stärken und ein höheres und integrativeres Wachstum zu fördern“, sagte der IWF. Marokko habe „erhebliche Fortschritte“ bei der Haushaltskonsolidierung gemacht, indem es die externen Ungleichgewichte abgebaut, ein flexibleres Wechselkurssystem eingeführt und ein verbessertes Unternehmensumfeld geschaffen habe, so der IWF in seiner Erklärung weiter

IWF stellt Anforderungen an Marokko.

Der IWF forderte eine weitere Haushaltskonsolidierung von Marokko. Die Schuldenquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) muss sich verbessern. Marokko sollte sich auf Reformen im Steuerrecht und öffentlichen Dienst konzentrieren sowie die Aufsicht über staatliche Unternehmen stärken. Aus Sicht des IWF wird ein flexiblerer Wechselkurs dazu beitragen, dass die Wirtschaft externe Schocks auffangen und wettbewerbsfähiger werden kann.

Reformen in den Bereichen Bildung, Regierungsführung, Arbeitsmarkt und weitere Verbesserung des Unternehmensumfelds werden „wesentlich“ für das Wachstum, den Abbau der hohen Arbeitslosigkeit und die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen sein, erklärt der IWF weiter.

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