Marokko – Schwankungsbreite des Wechselkurses erweitert.

Sorge vor Spekulationen gegen den Dirham

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Dirham
Marokkanischer Dirham

Finanzministerium und Zentralbank kündigen Verdopplung der Schwankungsbreite des Wechselkurses ab Montag an.

Rabat – Der Wechselkurs des marokkanischen Dirham MAD zu Fremdwährungen wird täglich durch die Zentralbank vorgegeben. Der Wert des marokkanischen Dirhams ist durch Devisenbestände abgesichert. Dabei stützt sich Marokko auf ein Verhältnis von ca. 60% in EURO und ca. 40% in US-Dollar. In die Berechnung der Wechselkurse floss bisher nur die Entwicklung der Devisen am internationalen Währungsmarkt ein. Der Dirham selbst wird international nicht gehandelt. In den Wechselkurs flossen bis 2018 keine Erwartungen oder Vertrauenswerte in Politik und Wirtschaft ein. Der Internationale Währungsfond fordert von Marokko, dass die Landeswährung sich von der Abhängigkeit der Devisenentwicklung schrittweise löst, um zu einem „vom Markt beeinflussten“ Wechselkurs für den Dirham zu kommen, der Angebot und Nachfrage nach der Landeswährung des Königreichs berücksichtigt. Marokko geht diesen Weg mit und erweitert die Schwankungsbreite, um den berechneten Wechselkurs schrittweise.

Finanz- und Wirtschaftsminister
Mohamed Benchaaboun – Marokkanischer Finanz- und Wirtschaftsminister

Ab 9. März beträgt die Schwankungsbreite ±5%

Das marokkanische Finanzministerium hat nach Beratung mit der Zentralbank, Bank Al Maghrib (BAM), beschlossen, ab dem 9. März 2020 die Schwankungsbreite des MAD von ±2,5% auf ±5% gegenüber einem Leitkurs zu erweitern, der von der Zentralbank auf der Grundlage eines Währungskorbes festgelegt wird.

Die Pressemitteilung des Ministeriums, die mit Bedacht am gestrigen Freitag veröffentlicht wurde, gibt an, dass diese vergrößerte Bandbreite Teil der Fortsetzung des im Januar 2018 eingeleiteten Prozesses der Wechselkursreform ist. Damit können in den zukünftigen Wechselkurs die Marktindikatoren bis zu 5% einfließen.

Marokko erachtet wirtschaftliche Rahmenbedingungen für geeignet.

„Die zweite Phase findet in einem günstigen inländischen makroökonomischen und finanziellen Umfeld statt, das insbesondere durch ein angemessenes Niveau der Devisenreserven, eine kontrollierte Inflation, eine tragfähige Staatsverschuldung und einem soliden Finanzsektor gekennzeichnet ist“, stellt das Finanzministerium in seiner Erklärung fest, die über die marokkanische – staatliche Nachrichtenagentur MAP verbreitet wurde.

Das Ministerium betont, „dass die Reform des Wechselkurssystems, welche eine freiwillige, schrittweise und geordnete Reform ist, die sich über mehrere Stufen erstreckt, es ermöglichen wird, die Fähigkeiten der marokkanischen Wirtschaft, zur Abwehr externer Schocks zu verbessern, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen und so zur Verbesserung ihres Wachstums beizutragen.“

Die Bank Al Maghrib will weiterhin und in Übereinstimmung mit ihrer Satzung das ordnungsgemäße Funktionieren des Devisenmarktes gewährleistet und wird, falls erforderlich, in diesen Markt eingreifen, um seine Liquidität zu gewährleisten, so die Pressemeldung abschließend.

Marokkanischen Zentralbank
Abdellatif Jouahri Chef der marokkanischen Zentralbank

Sorge vor Spekulationen gegen den Dirham

Dass die Ankündigung erst am Ende der letzten Woche veröffentlicht wurde, spiegelt die Sorge der Regierung und der Zentralbank wider, dass mit zunehmender Freigabe des Wechselkurses mit der Währung spekuliert wird. Nicht wenige Beobachter der wirtschaftlichen Lage halten den aktuellen Wechselkurs für zu hoch. Damit droht die Gefahr, dass die Finanzmärkte in Marokko auf einen fallenden Kurs setzen und daher Dirhams gegen Devisen bei der Zentralbank eintauchen, was den Devisenbestand sinken lassen würde. Ein sinkender Devisenbestand hat aber sofort Auswirkungen auf den Wechselkurs durch die Zentralbank. So könnte sich eine Abwärtsspirale aufbauen. Schlechte Erfahrungen hatte Marokko schon machen müssen, als man 2017 erstmalig die Schwankungsbreite erhöhen wollte. Daraufhin spekulierten die marokkanischen Banken ebenfalls auf fallende Kurse und entzogen so der Zentralbank hohe Devisenmengen. Entsprechend vorsichtig geht man bei der Zentralbank und im Finanzministerium vor. Über das Wochenende können die Banken nicht reagieren.

Währungsspekulation gegen den Dirham kosteten 15-24 Mrd. MDH.

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