Marokko – Wechselkurs soll weiter flexibilisiert werden.

Schwankungsbreite soll auf 2,5% steigen.

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Wechselkursflexibilität
Wechselkursflexibilität des marokkanischen Dirham MAD soll ausgeweitet werden.

IWF, Finanzminister und Zentralbankchef kündigen den nächsten Schritt in Richtung eines flexiblen Wechselkurses der Landeswährung Dirham MAD an.

Rabat – Das Nordafrikanische Königreich gehört zu den Ländern, die den Wert ihrer Landeswährung nicht völlig den Marktbewertungen aussetzen. Der Wechselkurs zu Fremdwährungen wird durch die Zentralbank täglich neu festgelegt und ergibt sich aus den Marktentwicklungen der Leitwährungen EURO und US-Dollar. Der marokkanische Dirham wird durch Devisenreserven abgesichert, die zu 60% auf EURO und zu 40% auf den US-Dollar basieren. Die Devisenreserven genügen in der Regel für die Abdeckung alle Importe für einen Zeitraum von 6-9 Monaten. Seit längerem drängen die Weltbank und der IWF das Land, das Wechselkurssystem zu flexibilisieren. D.h. es sollen in die Bewertung des Dirhams weitere Indikatoren einfließen, so dass der Wechselkurs stärker um den Wert auf Basis der Devisensicherung schwanken kann. Das soll Marokko vor externen Schocks schützen, zwingt aber das Land einen Teil der Kontrolle abzugeben.

Schwankungsbreite soll auf 2,5% steigen.

Die Weltbank und der IWF sehen in der Anpassung des Wechselkurssystems ein Instrument, um dem Dirham eine höhere Glaubwürdigkeit für internationale Investoren einzuimpfen. In dem Wert der Landeswährung soll sich das Vertrauen in die Politik und Wirtschaft stärker widerspiegeln. Der Devisenbestand alleine bietet zu viele Möglichkeiten, den Wert der Landeswährung von den tatsächlichen Gegebenheiten abzukoppeln. Im Jahr 2018 hatte Marokko bereits die Schwankungsbandbreite des Wechselkurses, um den Referenzwert auf 0,3% erhöht. Für das letzte Jahr hat man weitere Anpassungen ausgesetzt. Nun soll der nächste Schritt umgesetzt werden und die Schwankungsbreite nach oben oder unten auf 2,5% erhöht werden. Sollten die volkswirtschaftlichen Indikatoren das Land stärker erscheinen lassen, kann die Zentralbank gezwungen sein, den Preis (Wechselkurs) für den Dirham über den Referenzkurs hinaus anzuheben. Im umgekehrten Fall, also bei schlechten Indikatoren, müsste die Zentralbank den Wert des Dirhams unten den Referenzkurs auf Basis des Devisenbestands absenken.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen seinen günstig.

Zwei Jahre später, mit einem stabilen Dirham und positiven makroökonomischen Indikatoren, sei Marokko bereit, seinen „souveränen und schrittweisen Ansatz“ zur Dirham-Flexibilität voranzutreiben, sagte der Finanzminister Mohamed Benchaaboun auf einer Pressekonferenz, die am Rande des Besuch der IWF-Chefin Kristalina Georgieva in Marokko abgehalten wurde. „Es ist Sache des Finanzministeriums und der Zentralbank, sich darauf zu einigen, wann der zweite Schritt vollzogen werden soll“, erklärte der marokkanische Finanzminister. Dies sei immer noch „der zweite Schritt in einer ersten Phase“ des Prozesses, zur Erreichung einer größeren Wechselkursflexibilität, sagte Zentralbankgouverneur Abdellatif Jouahri und schloss jede Möglichkeit für einen plötzlichen Wechsel zum vollen Dirham-Floating aus. Das Königreich geht sehr vorsichtig vor, weil man Spekulationen gegen die Landeswährung befürchtet. Im Jahr 2018 hat man bereits solche Erfahrungen gemacht, als die marokkanischen Banken auf einen fallenden Dirham – Wert spekulierten. Die Unsicherheiten gegen das neue System wurden ausgenutzt.

IWF unterstützt vorgehen Marokkos bei der Einführung eines flexiblen Wechselkurses.

Der IWF unterstützt den „vorsichtigen und maßvollen“ Ansatz Marokkos, um mit der Dirham-Flexibilität voranzukommen, sagte die geschäftsführende Direktorin Kristalina Georgieva, die in Rabat weilte, um die Vorbereitungen für die Sitzungen des IWF und der Weltbankgruppe zu erörtern, die im Oktober 2021 in Marrakesch stattfinden werden.

Sie lobte die von dem Land durchgeführten Reformen, die, wie sie sagte, „in der Region und auf dem afrikanischen Kontinent wegweisend“ seien. Das Wirtschaftswachstum Marokkos wird laut IWF von 2,4% im Jahr 2019 auf 3,7% im Jahr 2020 und 4% im Jahr 2021 ansteigen.

Marokko sieht sich für den internationalen Finanzmarkt gut aufgestellt.

Im Jahr 2018 bewilligte der IWF eine Finanzierung in Höhe von etwa 2,97 Milliarden US-Dollar in Form einer Vorsorge- und Liquiditätslinie (PLL) (Dispokredit), um Marokko bei der Abwehr potenzieller externer wirtschaftlicher Schocks zu unterstützen. Marokko hat den PLL-Kreditrahmen nicht in Anspruch genommen und wird diesen wohl bis zum Auslaufen im Dezember 2020 weiterhin als Vorsichtsmaßnahme betrachten, sagte der Finanzminister. Marokko werde im Jahr 2020, wenn die Zeit reif sei, ebenfalls eine internationale Anleihe emittieren,kündigte Benchaaboun an, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

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