Marokko – Zentralbank gibt Prognosen für die kommenden Jahre ab.

Außenhandelsbilanz bleibt besten, bei leichten Verbesserungen.

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Zentralbank
Marokkanische Zentralbank Banq Al Maghrib

Aufsichtsgremium der Bank Al Magrib belässt Leitzins bei 1,5%.

Rabat – Am Ende ihrer letzten geldpolitischen Ratssitzung des Jahres 2020, die am Dienstag, den 15. Dezember 2020 stattfand, beließ die Bank Al Maghrib den Leitzins unverändert bei 1,5%. Für ihre Entscheidung in die Wirtschaftsentwicklung geldpolitisch derzeit nicht weiter einzugreifen, bezieht sich die marokkanische Zentralbank auf die folgenden Analysen:

Inflation

Der Rat stellte fest, dass sich die Inflation nach einer Abschwächung im zweiten Quartal ab August stark beschleunigte, was vor allem auf den Anstieg der schwankenden Lebensmittelpreise zurückzuführen war. Es wird jedoch erwartet, dass sie zum Jahresende bei durchschnittlich 0,7 % liegt und 2021 nahezu stabil bleibt, bevor sie 2022 1,3 % erreicht, insbesondere im Einklang mit der erwarteten Verbesserung der Binnennachfrage.

Inflation in Algerien
Inflation

Wirtschaftswachstum

Die Erholung nach dem Ende der Pandemie erfolgt schleppend und nur teilweise, insbesondere aufgrund lokaler und sektoraler Beschränkungen, die eingeführt wurden, um das erneute Aufflammen der Coronavirus – Epidemie einzudämmen, sowie aufgrund der Ungewissheit über die Entwicklung der Pandemie auf nationaler und internationaler Ebene.

Für das Jahr 2020 insgesamt würde die Volkswirtschaft demnach eine negative Entwicklung von 6,6 % aufweisen, wobei die landwirtschaftliche Wertschöpfung um 5,3% und die nicht-landwirtschaftliche Wertschöpfung um 6,6% sinken würde.

Mittelfristig dürfte das Wachstum der nicht-landwirtschaftlichen Aktivitäten vor allem dank der Verbesserung der Haushaltseinkommen und der Maßnahmen zur Investitionsförderung im Jahr 2021 3,3% erreichen und sich 2022 bei 3,6% stabilisieren. Bei einer jährlichen Getreideernte von 75 Mio. Doppelzentnern würde die landwirtschaftliche Wertschöpfung 2021 um 13,8% und 2022 um 2% steigen.

Insgesamt prognostiziert die Bank Al Maghrib eine Erholung des Wachstums auf 4,7% im Jahr 2021 und eine Stabilisierung auf 3,5% im Jahr 2022. Dieses Szenario ist nach wie vor mit einem hohen Maß an Unsicherheit behaftet, aber die jüngsten Entwicklungen, darunter vor allem die groß angelegte Covid-19-Immunisierungsinitiative auf nationaler Ebene, aber auch in mehreren Partnerländern, und die Einrichtung eines strategischen Investitionsfonds, deuten darauf hin, dass sich die Risikobilanz verbessern kann.

Außenhandelsbilanz bleibt besten, bei leichten Verbesserungen.

Das Leistungsbilanzdefizit oder das Außenhandelsbilanzdefizit wird den Projektionen zufolge mit 4,2% des BIP im Jahr 2020 nahezu stabil bleiben. Über den Prognosehorizont hinweg sollte sich die jüngste Exporterholung stabilisieren, insbesondere getrieben durch den Absatz im Automobilsektor nach dem angekündigten Produktionsanstieg des PSA-Werks. Gleichzeitig dürfte sich das Tempo der Importe beschleunigen, mit einer Zunahme der Käufe von Investitionsgütern und einem Anstieg der Energierechnung infolge des erwarteten Anstiegs der internationalen Ölpreise.

Außenhandelsdefizit
Marokkos Importe steigen schneller als die Exporte.

Die Tourismuseinnahmen dürften sich allmählich erholen, aber unter dem Niveau von 78,8 Mrd. MAD des Jahres 2019 bleiben. Sie sollen damit von 29 Milliarden im Jahr 2020 auf 49,9 Milliarden im Jahr 2021 und dann auf 72 Milliarden im Jahr 2022 steigen.

Was die Transfers von MREs (im Ausland lebende Marokkanerinnen und Marokkaner) betrifft, könnten sie, nachdem sie im Jahr 2020 bei 65,8 Mrd. MAD nahezu stabil bleiben, auf 70 Mrd. MAD und dann auf 71,4 Mrd. MAD ansteigen.

Unter diesen Voraussetzungen würde das Leistungsbilanzdefizit auf 3,3% des BIP im Jahr 2021 und 3,9% im Jahr 2022 zurückgeführt oder reduziert werden können.

Auf der finanzwirtschaftlichen Basis wird nach einem Rückgang auf umgerechnet 2,3% des BIP in diesem Jahr eine Erholung der FDI-Zuflüsse auf jährlich 3,1% des BIP erwartet.

Insgesamt und insbesondere unter Berücksichtigung der vom Schatzamt in diesem Jahr auf dem internationalen Markt durchgeführten und der für 2021 und 2022 geplanten Emissionen würden sich die offiziellen Währungsreserven Ende 2020 auf 321,9 Mrd. belaufen und sich in den nächsten zwei Jahren in etwa auf diesem Niveau entwickeln, wodurch eine Deckung von etwas mehr als 7 Monaten der Importe von Waren und Dienstleistungen gewährleistet wäre.

Geldpolitische Bedingungen

Was die Bankkredite anbelangt, so würden sie trotz des starken Rückgangs der Wirtschaftstätigkeit mit Hilfe fiskalischer und monetärer Maßnahmen ein anhaltendes Tempo beibehalten, mit einem Anstieg ihrer für den nicht-finanziellen Sektor bestimmten Komponente von 4,3% in diesem Jahr und 2021 und 4,5% im Jahr 2022.

Dirham
Marokkanischer Dirham

Der reale effektive Wechselkurs wird in diesem Jahr voraussichtlich um 0,4% aufwerten. Im Jahr 2021 würde der Dirham unter dem Effekt eines nominalen Wertverlusts von 0,9 % und einer inländischen Inflationsrate, die niedriger ist als die der Partnerländer und Handelskonkurrenten, um 1,2 % abwerten und sollte sich im Jahr 2022 stabilisieren.

Öffentliche Finanzen

Für das Jahr 2020 dürfte das Haushaltsdefizit ohne Privatisierungen nach den Prognosen der Bank Al Maghrib bei 7,7% des BIP liegen. Mittelfristig sollte unter Berücksichtigung der Rahmendaten des Haushaltsgesetzes 2021 und unter der Annahme, dass weiterhin Sonderfinanzierungen mobilisiert werden, die Haushaltskonsolidierung allmählich wieder aufgenommen werden und das Defizit ohne Privatisierungen auf 6,5% des BIP im Jahr 2021 und 6,4% im Jahr 2022 sinken.

Auf der anderen Seite soll die direkte Verschuldung des Staates um 11 BIP-Punkte auf 76% am Ende dieses Jahres steigen und bis Ende 2022 79,3% des BIP erreichen.

Rohstoffe und Vorprodukte

An den Rohstoffmärkten hat der Ölpreis in den letzten Wochen einen Aufwärtstrend gezeigt, für das Gesamtjahr wird jedoch ein deutlicher Rückgang erwartet. Insbesondere wird erwartet, dass der Preis für Rohöl der Sorte Brent im Vergleich zu 2019 um 34,5 % auf durchschnittlich 41,9 Dollar pro Barrel fallen wird, bevor er 2021 auf 52,4 Dollar und 2022 auf 58,1 Dollar steigt.

OCP
Marokkanische OCP – Group – weltweit größter Anbieter für Phosphat

Bei Phosphat und seinen Derivaten waren die Preise in den ersten elf Monaten des Jahres rückläufig, und zwar um 15,6% auf durchschnittlich 75,4 US$ pro Tonne für Rohphosphat, um 2,3% auf 305,5 US$ für DAP und um 13,1% auf 260 US$ für TSP. Für die nächsten zwei Jahre rechnet die Weltbank in ihrer Oktober-Prognose mit einem leichten Anstieg.

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