Marokko – Zentralbank hält Leitzins konstant und passt BIP-Wachstumsprognose 2021 an.

Zentralbank aktualisiert BIP-Wachstumsprognose für 2021 nach oben.

799
Zentralbank
Marokkanische Zentralbank Banq Al Maghrib

Erste Sitzung des Zentralbankvorstands in 2021 mit positiven Signalen für die marokkanische Wirtschaft, trotz steigender Staatsverschuldung und hohem Haushaltsdefizit.

Rabat – Der Vorstand der marokkanischen Zentralbank, Bank Al-Maghrib, hielt am 23. März 2021 seine erste reguläre Quartalssitzung des laufenden Jahres ab, welche der Analyse der wirtschaftlichen Lage und weiteren Entwicklung diente.

Am Ende dieser Sitzung beschloss der Vorstand der Bank Al-Maghrib, den Leitzins unverändert bei 1,5% zu belassen, da er die bisher verfolgte Geldpolitik als „akkommodierend“ (passend) ansieht, um die Finanzierung der nationalen Wirtschaft zu unterstützen. Ein wichtiges Signal der Stabilität an den Finanzsektor und an die Investoren. Zugleich erläuterte die Zentralbank ihre Einschätzung zu weiteren Indikatoren.

Marokkanischen Zentralbank
Abdellatif Jouahri Chef der marokkanischen Zentralbank

Zentralbank aktualisiert BIP-Wachstumsprognose für 2021 nach oben.

Das Coronavirus – Pandemiejahr 2020 hat in Marokko deutliche Spuren in der Wirtschaft hinterlassen und eine Rezession von ca. 5,4% (laut HCP) verursacht. Nach Ansicht der Zentralbank sollte sich die Erholung der nationalen Wirtschaftstätigkeit fortsetzen, insbesondere unterstützt durch „das Konjunkturprogramm in Höhe von 120 Milliarden marokkanische Dirham MAD (ca. 11,26 Mrd. EURO*), einer teilweisen Wiederbelebung des Vertrauens angesichts des Fortschritts der COVID-19 Impfkampagne und die günstigen klimatischen Bedingungen, die die aktuelle landwirtschaftliche Saison kennzeichnen“.

Die Zentralbank hat ihre bisherige BIP-Prognose von 4,7% Wachstum für das laufende Jahr überprüft und nach oben korrigiert. Nach den aktualisierten Prognosen der Bank Al-Maghrib soll die Wertschöpfung der nicht-landwirtschaftlichen Aktivitäten im Jahr 2021 um 3,5% steigen, und unter Berücksichtigung einer geschätzten Getreideproduktion von 95 Millionen Doppelzentnern soll die des landwirtschaftlichen Sektors um 17,6% ansteigen, was das Wachstum der Volkswirtschaft auf 5,3% steigen lassen soll.

Im Folgejahr 2022 würde sich dieses Wachstum bei 3,2% konsolidieren, was auf einem angenommenen Wachstum für die nicht-landwirtschaftliche Sektoren von 3,8% und einem Rückgang der landwirtschaftlichen Wertschöpfung um 2%, unter der Annahme einer Rückkehr zu einer durchschnittlichen Getreideproduktion von 75 Millionen Doppelzentnern, beruht.

Haushaltsdefizit bleibt relativ hoch, bei steigender Staatsverschuldung.

Für das Gesamtjahr wird das Haushaltsdefizit des Staates ohne Privatisierungen von der Bank Al-Maghrib auf 7,2% des BIP geschätzt. Mittelfristig, unter Berücksichtigung der Vorgaben des Finanzgesetzes 2021 (Haushaltsgesetzes 2021) und der wirtschaftlichen Wachstumsaussichten, würde das Defizit ohne Privatisierung auf 6,7% des BIP im Jahr 2022 sinken.

Die Schuldenquote des Staates soll jedoch weiter ansteigen, von 77,4% des BIP im Jahr 2020 auf 79% im Jahr 2021 und 81,3% im Jahr 2022.

Inflation steigt nur gering an.

Der Zentralbankvorstand erläutert, dass die Inflation, aufgrund des „disinflationären“ Drucks von der Nachfrageseite her, im Jahr 2020 niedrig blieb. Mit der Erholung der Wirtschaftstätigkeit und dem Anstieg der internationalen Öl- und einiger Lebensmittelpreise wird ein moderater Anstieg der Inflation von 0,7% im Jahr 2020, von 0,9% im Jahr 2021 und 1,2% im Jahr 2022 erwartet.

Lebensmittel
Lebenshaltung, Erzeugerpreise, Preisindex

Rahmenbedingungen am Finanzmarkt.

Für die Bank Al-Maghrib waren die Rahmenbedingungen am Finanzmarkt im Jahr 2020 durch einen Rückgang der Kreditzinsen, um durchschnittlich 49 Basispunkte infolge der Leitzinssenkungen im März und Juni desselben Jahres sowie durch einen deutlichen Anstieg der Risikokosten, gekennzeichnet.

Die Kreditvergabe an den Nicht-Finanzsektor stieg um 3,9%, trotz des starken Rückgangs der wirtschaftlichen Aktivität und des Anstiegs der Zahlungsrückstände, gestützt durch die eingeleiteten Unterstützungs- und Konjunkturmaßnahmen. Für den Prognosehorizont wird ein weiteres Wachstum von etwa 3,6% erwartet.

Der reale effektive Wechselkurs wertete 2020 um 0,8% auf, dürfte aber 2021 um die gleiche Rate und 2022 um 0,6% abwerten, was auf eine im Vergleich zu Handelspartnern und Konkurrenten niedrigere inländische Inflation zurückzuführen ist.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

*Wechselkurs Stand 23. März 2021

Marokko – HCP prognostiziert 5,8% Rezession und 14,8% Arbeitslosenquote im Jahr 2020.

Empfohlener Artikel