Marokko – Zentralbank meldet gestiegene Devisenreserven.

Devisenreserven steigen, um 19,9% gegenüber dem Vorjahr.

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Devisenreserven
Devisenreserven Marokko

Leitzins bleibt konstant bei 2%. Aussichten auf das weitere Jahr eher negativ.

Rabat – Die marokkanische Zentralbank, Bank Al Maghrib, hat aktuelle Daten zum nationalen Bestand an Devisenreserven und zum Leitzins veröffentlicht. Zugleich hat die Bank Al Maghrib bestätigt, dem Bankensektor vom 7. – 13 Mai Finanzmittel in Höhe von 91 Milliarden marokkanische Dirham MAD zur Verfügung gestellt zu haben.

Keine Leitzinssenkung.

Trotz der drohenden Rezession, in Folge der Coronavirus – Pandemie in Marokko, hat die Zentralbank darauf verzichtet, den Leitzins anzupassen. In Rabat setzt man auf Kontinuität als Treiber für eine angestrebte positive wirtschaftliche Entwicklung, nach Ende der Seuche. Die marokkanische Zentralbank hat den Leitzins bei 2% belassen. Sicherlich auch, um die Inflation nicht anzuregen.

Zentralbank
Marokkanische Zentralbank Banq Al Maghrib

Devisenreserven steigen, um 19,9% gegenüber dem Vorjahr.

Marokkos internationale netto Devisenreserven beliefen sich am 8. Mai auf 278,6 Mrd. MAD (28,33 Mrd. USD), was einem Anstieg um 19,9% gegenüber dem gleichen Zeitraum 2019 und gegenüber Anfang dieses Jahres entspricht. Die nach der Einführung der neuen Wechselkursschwankungsbandbreite registrierte Abwertung der Landeswährung hat sich nicht wesentlich fortgeführt. Im oben genannten Zeitraum vom 7. Bis 13 Mai wertete der MAD gegenüber dem Euro um 0,23% und gegenüber dem Dollar um 0,89% auf.

Nur 50% des Anstiegs der Devisenreserven geht auf gestiegene Devisenzuflüsse zurück.

Das deutliche und teils überraschende Wachstum bei den Devisenreserven muss kritisch hinterfragt werden und ist durch die Definition der Reserven beeinflusst. Internationale Reserven sind ausländische Vermögenswerte, die den Währungsbehörden eines Landes leicht zugänglich sind und von ihnen kontrolliert werden. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestehen sie aus Fremdwährungen, anderen auf Fremdwährungen lautenden Vermögenswerten, Goldreserven, Sonderziehungsrechten (SZR) und IWF-Reservepositionen.

Der Sprung um 19,9% erfolgte, nachdem Marokko zum ersten Mal eine Kreditlinie des IWF in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar in Anspruch genommen hat. Die marokkanische Regierung hat dazu eigens das Haushaltsgesetz geändert, um die Folgen der Coronavirus – Pandemie und der Ausfälle bei der Getreideernte durch die Dürre bewältigen zu können. Die drei Milliarden US-Dollar entsprechen nahezu 50% dem verbuchten Anstieg der netto Devisenreserven.

Negative Prognose für das weitere Jahr.

Unter anderem prognostizierte die marokkanische Investitionsbank CDG Capital, dass die Devisenreserven Marokkos negativ Beeinflusst werden, da in Folge der weltweiten Corona-Krise und durch die Maßnahmen des Gesundheitsnotstands Einahmen für die Wirtschaft und den Staat wegfallen. So ist jetzt schon klar, dass wesentliche Teile der Deviseneinnahmen aus dem Tourismus in 2020 ausfallen werden, die auch nicht kompensiert werden können. Die wirtschaftliche Lage in Europa wird Auswirkungen auf den Export und die Überweisungen durch MREs haben. „Auf der Grundlage eines Rückgangs der Reisebilanz um 50%, der Überweisungen von im Ausland ansässigen Marokkanern (MREs) um 30% und der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) um 42% dürfte der Gesamtnettofluss von 87,3 Mrd. MAD auf 54,5 Mrd. MAD im Jahr 2020 sinken“, prognostizierte CDG Capital.

Finanz- und Wirtschaftsminister nennt erste Folgen des Gesundheitsnotstands für die Wirtschaft.

Erst in dieser Woche nannte der marokkanische Finanz- und Wirtschaftsminister Benchaaboun erste Zahlen. Danach kostet der ausgerufene Gesundheitsnotstand das Land jeden Tag ca. eine Milliarde MAD. Der Export ist über die Hälfte eingebrochen und einzelne Sektoren müssen einen nahezu vollständigen Stopp ihrer Leistung verkraften.

Marokko – Gesundheitsnotstand kosten Wirtschaft 1 Mrd. MAD pro Tag.

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