Tunesien – Zentralbankchef tritt zurück.

Tunesien steht finanziell unter Druck.

Zentralbankchef
Tunesiens Zentralbankchef tritt zurück.

Chedly Ayari hat seinen Rücktritt beim Premierminister eingereicht.

Tunis – Der tunesische Zentralbankchef Chedly Ayri tritt von seinem Posten zurück. Nach Medienangaben hat er am gestrigen Mittwoch offiziell sein Rücktrittsgesuch beim Premierminister Youssef Chahed eingereicht. Der Rücktritt ist nicht ganz freiwillig. Der tunesische Zentralbankchef ist politisch unter Druck geraten, als Tunesien auf einer schwarzen Liste der Europäischen Union aufgeführt wurde. Die EU wirft Tunesien vor, als Steueroase und Ort für Geldwäsche attraktiv zu sein. Trotz umgehendem Dementi aus der Zentralbank entflammte im tunesischen Parlament eine hitzige Diskussion um die Position Chedly Ayri. In einer Erklärung zu seinem Rücktritt sagte Ayari: „Ich habe meinen Rücktritt eingereicht (beim Regierungschef Youssef Chahed), um den Weg für eine neue Generation von Zentralbankchefs zu ebnen.“ Der Regierungschef seinerseits begrüßte „die wichtige Rolle, die Chedly Ayari in der tunesischen Wirtschaft gespielt hat“.

Zentralbankchef tritt unmittelbar vor Abstimmung im Parlament zurück.

Der Rücktritt von Herrn Ayari erfolgt am Vorabend einer Plenarsitzung des tunesischen Parlaments, in der die Parlamentarier über seine Entlassung als Zentralbankchef abstimmen sollten. Nach der tunesischen Verfassung muss das Parlament einer Ernennung oder Absetzung des Zentralbankchefs zustimmen.

Die Regierung selbst hatte den Prozess in Gang gesetzt, nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung der „Schwarzen Liste“ der EU. Die politische Diskussion ist aktuell hitzig, weil Tunesien versucht Kredite, unter anderem bei der Europäischen Union, zu erhalten. Da ist eine Einstufung als Geldwäsche- oder Steuerparadies keine gute Werbung für den Staat bzw. Finanzplatz Tunesien.

Tunesien steht finanziell unter Druck.

Die tunesische Zentralbank steht bereits jetzt unter Druck. Die Zentralbank verfügt nur noch über geringe Devisenreserven, die am 12. Februar 2018 ca. 11,903 Milliarden tunesische Dinar (fünf Milliarden US-Dollar) betragen haben sollen. Die Reserven genügen um 84 Tage alle Importe gegen zu finanzieren. Das ist der niedrigste Stand seit 14 Jahren. Gleichzeitig stehen Vorwürfe wegen Korruption gegen hochrangige Mitarbeiter der Zentralbank im Raum.

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