Algerien – Demonstranten rufen erstmalig zu zivilem Ungehorsam auf.

Rückgang der Teilnehmerzahlen

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Demonstrationen
Demonstrationen und Proteste in der algerischen Hauptstadt Algier

Großes Polizeiaufgebot bei Freitagsdemonstrationen in Algerien.

Algier – In Algerien halten die Proteste, gegen die politische Elite und das noch immer an der Macht befindliche Regime, an. Auch am gestrigen Freitag fanden wieder landesweit Demonstrationen statt. Das sind jetzt die 24. Freitagsdemonstrationen in Folge gewesen. Seit dem 20. Februar protestieren die Menschen für besser soziale und wirtschaftliche Bedingungen im Land sowie für einen Machtverlust der herrschenden politischen Elite. Langzeitpräsident Bouteflika haben die Proteste bereits zum Rücktritt gezwungen und zahlreiche seiner Weggefährten müssen sich auf Druck des Militärs vor Gerichten verantworten. Aber die aktuellen Machthaber sind ebenfalls Teil der Ära Bouteflika gewesen und das Mistrauen der Menschen ist entsprechend groß. Die angesetzten Präsidentschaftswahlen wurden bereits auf unbestimmte Zeit verschoben, so dass sich die aktuelle Regierung unter Präsident Bensalah in einem von der Verfassung nicht mehr legitimierten Rechtsrahmen befindet.

Präsenz der Sicherheitskräfte bei Demonstrationen verstärkt.

An diesem Freitag hat sich die Qualität der politischen Auseinandersetzung spürbar verändert. Die Demonstranten in zahlreichen Städten des Landes und vor allem in der algerischen Hauptstadt Algier achteten überwiegend darauf, friedlich für Veränderungen einzutreten. Man hat weder die Sicherheitskräfte angegriffen noch zu Streiks und Blockaden des öffentlichen Lebens aufgerufen. Dies änderte sich an diesem Wochenende. Erstmalig haben verschiedene Gruppen zu einem zivilen Ungehorsam aufgerufen. Sie fordern den Rücktritt von Übergangspräsidenten Bensalah und einen Abtritt des mächtigen Armeechefs Ahmed Gaïd Salah. Dieser wies bereits jede Vorbedingung für Gespräche, mit den analog zu Marokko als „Hirak“ (Bewegung) bezeichneten Demonstranten, ab. An den letzten Wochenenden kam es, laut der Nachrichtenagentur APF, zu Verhaftungen von Demonstranten und zu einem verstärkten Aufgebot der Sicherheitskräfte.

Rückgang der Teilnehmerzahlen

Offizielle Zahlen zu den Teilnehmern an den letzten Freitagsdemonstrationen gibt es nicht. Medien und Beobachter berichten, dass die Teilnehmerzahlen geringer waren, als in den letzten Wochen. Es nimmt aber weiterhin eine ausreichend hohe Anzahl von Aktivisten an den Protesten teil, um den Druck auf die Politik im Land aufrecht zu halten.

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