Algerien – Demonstrationen in Algerien weiten sich aus.

Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein.

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Sicherheitskräfte
Algerische Sicherheitskräfte setzen Wasserwerfer gegen Demonstranten ein.

Menschen demonstrieren gegen eine fünfte Amtszeit von Präsident Bouteflika und das Regime.

Algier – Seit Bekanntgabe einer erneuten Kandidatur des amtierenden Präsidenten Abdelaziz Bouteflika, um seine dann fünfte Amtszeit als Staatsoberhaupt, wächst der Widerstand im nordafrikanischen Land. Die Menschen im ganzen Land und vor allem in den Großstädten sowie der Hauptstadt Algier gehen offen auf die Straße. Sie bekunden ihre Ablehnung gegenüber einer möglichen Wiederwahl von Bouteflika. Der amtierende Präsident regiert seit nun 19 Jahren und mit ihm eine undurchsichtige Elite. Seit einem Schlaganfall im Jahr 2013 sitzt der mittlerweile 81 Jährige im Rollstuhl, spricht nicht mehr selbst zu seinen Bürgerinnen und Bürgern und tritt praktisch nicht mehr öffentlich auf. Viele zweifeln daran, dass er selbst die Regierungsgeschäfte führt. Viele vermuten einen Machtzirkel bestehend aus Militärs, der Wirtschaftselite und dem jüngsten Bruder des Präsidenten Said Bouteflika als tatsächliche Machthaber. Die Gesamtsituation droht sich auszuweiten, da bei den neuesten Protesten auch das Regime als solches ins Visier geraten ist.

Aufruf zu Protesten über soziale Medien

Bereits in der letzten Woche riefen Aktivisten über soziale Medien zu Protesten auf. Nach dem für Muslime wichtigen Freitagsgebet sollten sich die Bürgerinnen und Bürger zu Demonstrationen zusammenfinden und das taten sie auch. Seit einer Woche gehen vor allem junge Menschen auf die Straße und fordern einen Verzicht von Bouteflika auf seine erneute Kandidatur. Binnen einer Woche haben sich nun die Proteste ausgeweitet und erinnern an den Beginn des arabischen Frühlings in Tunesien. Am gestrigen Freitag versammelten sich vor allem in Algier zehntausende von Demonstranten und die Sprechchöre machen deutlich, dass es ihnen um mehr geht. Wie Reporter vor Ort melden, rufen die Demonstranten Parolen wie „Mörderregime“ oder „Das Volk fordert den Sturz des Regimes“.

Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein.

Insbesondere in der algerischen Hauptstadt Algier kam es gestern zu ersten größeren Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und den Sicherheitskräften. An mehren Stellen in der Hauptstadt setzten die Polizeieinheiten Tränengas ein, um die Bürgerinnen und Bürger auf ihren Märchen zu stoppen. Zahlreiche Straßenzüge wurden mit Sonderfahrzeugen vollständig blockiert und abgeriegelt. Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz. Insbesondere die Zufahrtswege ins Regierungsviertel und zum Parlament wurden bewacht. Laut den Behörden wollte man damit eine Erstürmung des Regierungssitzes und des Parlaments verhindern. Als größere Demonstrationsgruppen sich auf den Weg zum Präsidentenpalast machten, kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen. Nach Angaben der Behörden wurden mehrere Autos und Schaufenster beschädigt. Ein Demonstrant soll sich vor ein anrollendes gepanzertes Fahrzeug der Polizei gelegt haben, um es an der Weiterfahrt zu hindern. Erstmalig seit Beginn der Proteste berichtete auch das algerische Staatsfernsehen über die Ereignisse.

Algerien – Bürger protestieren gegen Kandidatur von Bouteflika.

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