Algerien – Demonstrationen gehen in die 9. Woche.

Neuer Übergangspräsident wird abgelehnt.

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Demonstrationen
Demonstrationen und Proteste in der algerischen Hauptstadt Algier

Wieder Massendemonstrationen im ganzen Land gegen das Regime.

Algier – Algeriens Städte kommen nicht zur Ruhe. Auch an diesem Wochenende demonstrieren tausende auf den Straßen der größten Städte des Landes. Wieder beginnend am gestrigen Freitag ging Algerien in die neunte aufeinander folgende Woche der Demonstrationen und Proteste. Die zentralen Forderungen haben sich kaum verändert. Sie fordern einen Machtverlust für die bisherigen Eliten, die unter dem zurückgetretenen ehemaligen Präsident Abedelaziz Bouteflika 20 Jahre geherrscht haben. Trotz des Rücktritts von Bouteflika sehen die Algerierinnen und Algerier diese Forderung nicht erfüllt. Auch an diesem Wochenende sind die Demonstrationen vor allem in der algerischen Hauptstadt Algier umfangreich.

Demonstrationen auch in weiteren Städten Algeriens

Große Demonstrationen werden auch aus anderen Städten des Landes berichtet. Darunter die Städte Oran, Konstantin und Annaba, die die größten Städte nach Algier sind. Dabei berichten nicht mehr nur Blogger und Journalisten über die Proteste, sondern auch das Staatsfernsehen teilweise live. Nach Medienberichten hat sich die Polizei, insbesondere in Algier, zurückgehalten.

In der letzten Woche hat es teilweise den Einsatz von Tränengas geben und auch einige Demonstranten sollen verhaftet, aber am nächsten Tag wieder freigelassen worden sein. Ein Jugendlicher, der in der letzten Woche unter unklaren Gegebenheiten verletzt wurde, ist gestorben.

Neuer Übergangspräsident wird abgelehnt.

Auf den Transparenten der Demonstranten stehen Parolen wie „Verschwinde endlich Bensalah“. Der Übergangspräsident Adelkader Bensalah, der das Amt nach dem Rücktritt von Abdelaziz Bouteflika am 9. April übernommen hat, wird von den Menschen abgelehnt. Er ist in ihren Augen eine Verkörperung des verhassten Regimes von Bouteflika und Vertreter der im Hintergrund weiterhin bestimmenden Eliten. Auch die anstehenden Wahlen, die der Übergangpräsident innerhalb von 90 Tagen nach seinem Amtsantritt abhalten muss und die für den 4. Juli geplant sind, werden mit Sprechchoren abgelehnt. Aus Sicht der überwiegend jungen Demonstranten können die Wahlen nicht frei und fair abgehalten werden. Es regieren in ihren Augen weiterhin zu viele aus dem System Bouteflika mit. In der vergangen Woche trat der Präsidenten des Verfassungsrates, Tayeb Belaiz, zurück. Er galt als enger Vertrauter von Bensalah und Bouteflika. Ihm gleich tun, soll es der neue amtierende Premierminister, Noureddine Bedaoui. Die Menschen fordern einen Übergangsprozess, der von Ad-hoc-Strukturen gesteuert wird.

Algerien – Übergangspräsident tritt Amt an.

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