Algerien – Dutzende Cholerafälle in Algerien bestätigt.

Ärzte Beschuldigen Gesundheitsbehörden der Untätigkeit.

Cholera
Cholerafälle in Algerien bestätigt.

Mindestens ein Toter durch Cholera, 41 Infizierte und bis zu 180 weitere Verdachtsfälle

Algier – Seit Mitte August häufen sich in der algerischen Hauptstadt und Umgebung Fälle von Magen-Darminfektionen mit schwerem Krankheitsverlauf. Nun haben die Behörden in Algerien, auf einer Pressekonferenz am gestrigen Donnerstag (23. August 2018), mitgeteilt, dass sich der Verdacht auf Cholera bestätigt hat. Inzwischen soll es 41 Krankheitsfälle und mindesten eine verstorbene Person geben. Neben den bereits 41 bestätigten Infektionen, soll es nach Medienberichten bis zu 180 weitere Verdachtsfälle geben. Die Betroffenen befinden sich auf Isolierstationen in den Krankenhäusern. Die behandelnden Ärzte warten auf Testergebnisse. Die Anzahl der Infektionen könnte sich daher noch deutlich erhöhen.

Cholerafällen
Quelle: Algerisches Fernsehen – Pressekonferenz des algerischen Gesundheitsministeriums zu Cholerafällen in Algerien

Ursache soll die Missachtung von Hygienevorschriften sein.

Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, gehe man davon aus, dass die Cholera durch verunreinigte Lebensmittel verbreitet wurde. Bei der Verarbeitung oder Zubereitung sollen Hygienevorschriften nicht beachtet worden sein. Den anfänglichen Verdacht, es könne an kontaminiertem Trinkwasser liegen, schloss das Ministerium aus. Tatsächlich wird die Cholera durch kontaminierte Lebensmitte oder Trinkwasser verbreitet. Wie aber der Erreger in den Lebensmittel- oder Wasserkreislauf gelangt ist, ist schwer zu ermitteln.

Behörden sehen sich dem Verdacht der verzögerten Reaktion und Vertuschung ausgesetzt.

Das zuständige Ministerium sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, dass man mit einer mehrtägigen verzögerten Reaktion agiert und trotz relativ früher Kenntnis der Infektionsursache, die Bevölkerung nicht informiert habe. Nach Informationen der Nachrichtenagentur RFI und unter Bezugnahme auf mit dem Fall betraute Ärzte, war das Ministerium bereits vier Tage vor der Pressekonferenz über erste Testergebnisse informiert, die belegt haben sollen, dass es sich um eine Cholerainfektion handelt.

Die zeitliche Verzögerung, mit der die Behörden die wahre Ursache für den Krankenhausaufenthalt Dutzende von Menschen zu Beginn der Woche begründet haben, löste in Algerien eine intensive Diskussion aus. Dem Gesundheitsministerium, das zunächst 88 Fälle von Lebensmittelvergiftung bestätigte, wird Fahrlässigkeit und Vertuschung vorgeworfen. Auf einer Pressekonferenz am 20. August 2018 sagten Beamte, die Fälle seien „Gastroenteritis“ gewesen, so Leïla Berrato, RFI Korrespondentin in Algerien.

Ärzte Beschuldigen Gesundheitsbehörden der Untätigkeit.

Mehrere Ärzte haben gegenüber RFI und France24 den Vorwurf erhoben, dass das Gesundheitsministerium auf frühzeitig zur Verfügung stehende Informationen nicht reagiert habe. Erste Verdachtsfälle sollen nicht nur schon vier Tage vor der Pressekonferenz bekannt gewesen sein. Teilweise sollen bereits rund eine Woche zuvor Cholerameldungen an das Ministerium versendet worden sein. Wie ein Arzt für Infektionskrankheiten auf Twitter berichtete: „Boufariks Abteilung für Infektionskrankheiten [südwestlich von Algier] erhielt vor sechs Tagen die Laborbestätigung über Cholerafälle. Der Alarm wurde ausgelöst, aber das Ministerium hat nicht reagiert, es ist sehr ernst“. Ähnliches wird über das Krankenhaus in Aïn Bessem [südöstlich von Algier] angedeutet. Die Untersuchungen nimmt das Pasteur-Institut in Algier vor.

Cholera
Arzt verweist auf Untätigkeit der Behörden hin, die deutlich früher informiert wurden, als sie zugeben.

Patienten befinden sich auf Isolierstationen

Nach Angaben der Behörden befinden sich alle Patienten auf Isolierstationen in den Krankenhäusern der Hauptstadt. Die Regierung informierte darüber, dass die Fälle „isoliert und auf wenige Familien beschränkt“ seien. Die Situation sei unter Kontrolle. Während das Ministerium versucht, den Ausbruch der Seuche herunterzuspielen, wird bereits deutliche Kritik am Zustand des Gesundheitswesens in Algerien formuliert. Der Direktor des Pasteur-Instituts erklärte, dass es die Cholera nicht nur in Algerien gebe, sondern auch in Ländern wie Tschad, Niger, Jemen und andere. Diese Aussage entwickelt sich gerade zum Aufreger in den sozialen Medien. Twitter-Posts stellen fest, dass die Behörden in Algerien das eigene Gesundheitssystem schon mit den Gegebenheiten in den genannten Ländern vergleiche. Eine Ironie und ein Alarmsignal zugleich aus Sicht der Bevölkerung.

Algerien
Kritik am algerischen Gesundheitssystem
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