Algerien – Erinnerung an das Massaker vom 8. Mai 1945

In Sétif, Guelma und Kherrata, starben 45.000 Algerierinnen und Algerier bei Protesten.

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Massaker
Massaker der Kolonialmacht Frankreich an algerischer Bevölkerung im Mai 1945

Ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ durch die Kolonialmacht Frankreich.

Algier – Vor siebenundsiebzig Jahren, als Frankreich den Sieg der Alliierten über den Nationalsozialismus feierte, massakrierte die französische Armee Tausende von Algeriern, die in Setif, Guelma, Kherrata und anderen Städten für ein freies und unabhängiges Algerien demonstrierten. Algerien nennt dieses schreckliche Ereignis ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Algerien beginn am heutigen Sonntag den „Tag des Gedenkens“ in Erinnerung an die Opfer der blutigen Unterdrückung durch die französische Kolonialmacht. Die Opfer waren die algerischen Demonstranten, die am 8. Mai 1945 für Unabhängigkeit demonstrierten.

Die Algerierinnen und Algerien, die während des Zweiten Weltkriegs an der Seite des freien Frankreichs gegen Nazi-Deutschland kämpften, sehnten sich auch nach ihrer eigenen Freiheit. Sie sahen sich jedoch brutaler Unterdrückung und beispielloser Gewalt ausgesetzt, insbesondere in Sétif, Guelma und Kherrata, wo mehr als 45.000 Algerierinnen und Algerier ermordet wurden.

In Sétif wurde ein friedlicher Marsch brutal unterdrückt. Die Demonstration endete blutig, und das Töten begann mit dem Tod des jungen Saâl Bouzid, der von einem Polizeiinspektor erschossen wurde, weil er die algerische Flagge geschwenkt hatte.

Die Protestbewegung breitete sich dann auf Kherrata und Guelma aus, wo französische Truppen und Milizen ebenfalls mit Gewalt reagierten. Das ganze Land wurde im Mai von blutigen Repressionen getroffen. Dörfer wurden niedergebrannt und Familien wurden bei lebendigem Leib verbrannt.

Der Historiker Jean-Pierre Peyroulou erklärt: „Die Militäroperationen gingen weit über bloße Repression hinaus. Es war ein echter Krieg gegen sehr schwach bewaffnete Zivilisten, der bis zum 24. Mai andauerte“.

Nach Ansicht von Historikern müssen diese Ereignisse im Kontext der Zeit betrachtet werden. Die Unterdrückung wird nun als Massenmord angesehen. Die französische Armee und zahlreiche Kolonialmilizen, die sich aus Zivilisten europäischer Herkunft zusammensetzten, töteten Zehntausende von Menschen, die zuvor willkürlich verhaftet, gefoltert oder hingerichtet wurden.

Der Präsident der Republik, Abdelmadjid Tebboune, erinnerte an diesen „Tag des Gedenkens“, und nannte die Massaker der Kolonialarmee ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Das Staatsoberhaupt hatte dieses Datum als einen „Wendepunkt in der Geschichte des Kampfes gegen den Kolonialismus“ bezeichnet.

In diesem Zusammenhang betonte der Präsident der Republik Algerien die Notwendigkeit, „die Symbole der Revolution zu respektieren und die nationale Geschichtsschreibung und deren Vermittlung an die Jugend zu fördern, damit diese Ereignisse im nationalen Gedächtnis erhalten bleiben“.

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