Algerien – Gedenken an Massaker vom 8. Mai 1945.

Algerischer Präsident nennt Massaker ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

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Massaker
Gedenkstein an den Hilfsarbeiter Saâl Bouzid - Massaker an 45.000 Algerier durch Frankreich beginnend am 8. Mai 1945

Kolonialmacht Frankreich tötet bis zu 45.000 Algerier, um Streben nach Unabhängigkeit zu unterdrücken.

Algier – Während die Welt heute dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, durch die bedingungslose Kapitulation von Nazi-Deutschland, gedenkt, erinnern sich die Menschen in Algerien, an diesem 8. Mai 2020 an ein Massaker, durch die Kolonialmacht Frankreich, in dem nordafrikanischen Land. Am 8. Mai 1945 starb der Algerier, Hilfsarbeiter Saâl Bouzid, als erstes an diesem Tag, durch den Schuss aus einer mutmaßlichen französischen Polizeiwaffe. Zuvor demonstrierten von Rabat bis nach Hanoi die Völker in den durch Frankreich noch immer besetzten Kolonien, die sich aber an dem Kampf gegen Nazi-Deutschland und Japan beteiligt haben. Sie beklagten, dass sie trotz ihres Blutzolles auf den Schlachtfeldern nicht von dem Sieg der Alliierten und Frankreichs im zweiten Weltkrieg profitieren würden. Sie erinnerten die Kolonialmächte an ihr Versprechen, dass man bei entsprechendem Einsatz den Status der Kolonien überdenken würde.

Auftakt zum Massaker an 45.000 Menschen.

Der Hilfsarbeiter und seine Mitstreiter wagten es, die Unabhängigkeit für Algerien zu fordern. Die damalige Kolonialmacht Frankreich begann die Demonstrationen mit Gewalt zu bekämpfen, um jede Bestrebung nach Freiheit und Unabhängigkeit möglichst im Keim zu unterdrücken. Bei dem Massaker an der algerischen Bevölkerung, beginnend am 8. Mai 1945, sollen die französischen Besatzungstruppen bis zu 45.000 Menschen getötet haben. Heute erinnert in der Stadt Sétif ein Gedenkstein an Saâl Bouzid.

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Massaker der Kolonialmacht Frankreich an algerischer Bevölkerung im Mai 1945

Algerischer Präsident verkündet „Nationalen Tag der Erinnerung“.

Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune richtete eine Botschaft an die Algerierinnen und Algerier, anlässlich des Gedenkens an das Massaker. „Bei dieser Gelegenheit traf ich die Entscheidung, am 8. Mai eines jeden Jahres den Nationalen Tag der Erinnerung einzurichten, genau wie ich Anweisungen für den Start eines auf Geschichte spezialisierten nationalen Fernsehsenders gab. Dies soll eine Unterstützung für das Bildungssystem beim Unterrichten dieses Fachs darstellen, da wir die Erinnerung für alle Generationen am Leben erhalten wollen“, erklärte der algerische Präsident Tebboune, in einer an die Nation gerichteten Botschaft anlässlich des 75. Jahrestages der Massaker vom 8. Mai 1945.

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Präsident der Volksrepublik Algerien – Abdelmadjid Tebboune

Algerischer Präsident nennt Massaker ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Unter Bezugnahme auf die Ereignisse vom 8. Mai 1945 erklärte Präsident Tebboune weiter, dass dieses Massaker „endgültig das wahre Gesicht der französischen Kolonisation enthüllt haben“, da er der Ansicht ist, dass „die blutige und grausame Unterdrückung durch die erbärmliche Kolonisation ein Brandmal der Schande bleiben wird, das an der Stirn des Kolonialherren klebt, der 132 Jahre lang mehrfach versucht habe, durch unbeschreibliche Verbrechen gegen unser Volk, dieses auszulöschen“. (…) „In der Tat“ sagte er weiter, „dies seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen zivilisatorische Werte gewesen, weil sie auf ethnischen Säuberungen beruhten, die darauf abzielten, die einheimische Bevölkerung durch ausländische Völker zu ersetzen“, und wies darauf hin, dass diese Verbrechen „darauf abzielten, den Algerier zu entwurzeln, seinen Reichtum zu plündern und jede Grundlage seiner Persönlichkeit auszulöschen“.

Frankreich und das schwierige Verhältnis zur Geschichte als Kolonialmacht.

Die sog. Grand Nation Frankreich tut sich noch immer schwer, mit dem Erbe als Kolonialmacht. Nicht zuletzt, weil Frankreich noch immer vereinzelt Kolonialmacht ist und noch immer, zum Schutz von wirtschaftlichen oder militärischen Interessen, großen Einfluss auf die ehemaligen Kolonialgebiete nimmt. Lange Zeit tat sich Frankreich mit den Gräueltaten in seinen Kolonien schwer. Man weigerte sich, die Taten von Soldaten und Polizisten sowie von Großgrundbesitzern offen anzusprechen. In den maghrebinischen Staaten Algerien, Marokko und Tunesien herrschte Frankreich unterschiedlich lange. Zugleich gab es, in allen drei Staaten teils unaussprechliche Gewalt gegen die einheimische Bevölkerung. Doch Algeriens Leid war deutlich länger und forderte mehr Opfer.

Präsident Macron versucht ein Umdenken anzustoßen.

Seit seinem Amtsantritt versucht Präsident Macron eine Diskussion über das Kapitel französischer Kolonialzeit in der Geschichte des Landes anzustoßen.

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Quelle Facebook: Französischer Präsident Emmanuel Macron

Präsident Macron kündigte im vergangenen Jahr an, die Archive zu öffnen und somit Dokumente für die Forschung bereitzustellen. Dabei stößt der französische Präsident gegen innenpolitischen Widerstand und auf weitergehende Forderungen aus Algerien. Zugleich kann Frankreich es nicht lassen, weiterhin Einfluss auf die Politik in den ehemaligen Kolonien zu nehmen.

 

Das verordnete Schweigen – Was geschah 1961 mit algerischen Demonstranten.

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