Algerien – Schwere Vorwürfe wegen Abschiebepraxis von Flüchtlingen

Flüchtlinge berichten von Gewaltmärschen bei glühender Hitze.

Algerien soll Flüchtlinge schutzlos in der Sahara aussetzen.

Algier – Gegen Algerien werden zunehmend Vorwürfe laut, dass man in dem nordafrikanischen Land zu unmenschlichen Praktiken gegenüber Flüchtlingen greift. Wir die Nachrichtenagentur AP in einer Reportage berichtet, habe Algerien in den letzten 14 Monaten bis zu 13.000 Flüchtlinge aus Afrika an den Grenzen zum Niger und Mali, mitten in der Sahara, schutzlos ausgesetzt. Die Flüchtlinge werden bei ihrem Versuch nach Europa zu kommen in Algerien aufgegriffen und dann, zunächst mit Bussen und anschließend mit LKWs, tief in die Sahara-Wüste gebracht. Im Niemandsland zwischen Algerien, Niger und Mali werden diese dann ohne Nahrungsmittel und Wasser ausgesetzt.

Flüchtlinge berichten von Gewaltmärschen bei glühender Hitze.

Wie die Nachrichtenagentur weiter berichtet, waren die algerischen Behörden sehr rücksichtslos bei ihrer Vorgehensweise. Unter den ausgesetzten Flüchtlingen sollen schwangere Frauen und sogar Kinder gewesen sein. Die Flüchtlinge berichten von Gewaltmärschen durch die Wüste bei glühender Hitze. Nach ihren Angaben haben viele die Strapazen nicht überstanden. Eine Frau berichtet, dass sie eine Fehlgeburt, bei ihrem Marsch durch die Wüste, erlitten hat. Andere Flüchtlinge beschreiben, dass viele Menschen in der Wüste zusammengebrochen sind und nie wiedergefunden wurden. Je nach Ort, an dem Algerien die Flüchtlinge ausgesetzt hat, dauerte es mehrere Stunden oder gar mehreren Tagen bis die Menschen die nächste Ortschaft hinter der Grenze in Niger oder Mali erreichen konnten.

Algerien bestreitet Menschenrechtsverletzungen bei der Abschiebepraxis.

Algerien sieht sich nicht zum ersten Mal Vorwürfen ausgesetzt, dass man in dem nordafrikanischen Land Flüchtlinge deportiert und an den Landesgrenzen im Niemandsland aussetzt. Im letzten Jahr gab es diplomatische Verstimmungen an der algerisch-marokkanischen Grenze. Mehrere syrische Familien mussten im Niemandsland zwischen den beiden Staaten lange ausharren, bis Marokko die Flüchtlinge aus humanitären Gründen dann doch einreisen lies.

Algerien bestreitet, dass man bei der Ausweisung von Migranten oder Flüchtlingen, gegen die Menschenrechte verstößt oder diese Menschen misshandelt. Dass Flüchtlinge wieder ausgewiesen werden, wird nicht bestritten, wobei Algerien keine Angaben über Art und Umfang der Ausweisungen macht. Aussagen der Flüchtlinge, die laut AP durch Videos belegt werden, stützen die Glaubwürdigkeit der Opfer.

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