Gerichtsverhandlung gegen Zafzafi nach Protesten erneut vertagt.

Aktivisten hoffen auf Freilassung nach der Entlassung von Ministern durch König Mohammed VI.

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Gerichtsverhandlung
Aktivisten hoffen auf Freilassung nach der Entlassung von Ministern durch König Mohammed VI.

Prozess gegen Zafzafi und andere Häftlinge auf den 11. u. 31. November erneut vertagt.

Casablanca – Am letzten Dienstag, den 31. Oktober 2017, tagte erneut das Gericht in Casablanca, um den Prozess gegen die Hauptbeschuldigten der Hirak – Protestbewegung fortzuführen. Die Gerichtsverhandlung dauerte allerdings nicht lange. Der Richter hatte im Vorfeld Fernsehteams der Sender Al Oula und 2M zugelassen. Dagegen protestierten die Angeklagten und ihre Verteidiger heftig. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins Telquel, die einen Prozessbeobachter vor Ort haben, wehrte sich insbesondere Nasser Zafzafi gegen jede Form von Aufnahmen. Aus seiner Sicht war die Berichterstattung der beiden marokkanischen Hauptsender bisher parteiisch. Aus Sicht von Herrn Zafzafi haben die Sender die Hirak – Protestbewegung nachweislich fälschlich als Separatisten beschuldigt. Außerdem berief er sich auf seine Persönlichkeitsrechte und brachte zum Ausdruck, dass er nicht gefilmt werden möchte. Bevor überhaupt die Feststellung der Anwesenheit aller beschuldigten beendet werden konnte, entbrannte eine hitzige Diskussion zu den geplanten Filmaufnahmen.

Im weiteren Verlauf der Gerichtsverhandlung wurde Herr Zafzafi vom Richter vom Prozess ausgeschlossen und aus dem Saal verwiesen. Der Richter duldete nicht, dass die Angeklagten durch Schreien gegen die Fernsehteams protestierten. Infolge dessen vertagte der Richter die Verhandlung auf den 11. November 2017. Der Prozess gegen weitere vermeintliche Anführer der Hirak – Protestbewegung in Al Hoceima wurde ebenfalls vertagt, auf den 31. November 2017. Betroffen davon sind die Angeklagten Nabil Ahamjik und der Journalist Hamid El Mahdaoui sowie 22 weitere Aktivisten.

Aktivisten hoffen auf Freilassung nach der Entlassung von Ministern durch König Mohammed VI.

Nach der Entlassung von vier Ministern durch König Mohammed VI., die der marokkanischen Rechnungshofs für die Verzögerung beim Entwicklungsprogramm „Al Hoceima Manarat Al Moutawassit“ („Al Hoceima Leuchtturm des Mittelmeers“) verantwortlich machte, keimte bei einigen Mitgliedern der Hirak – Protestbewegung und bei den Inhaftierten Hoffnung auf eine mögliche Freilassung auf – maghreb-post berichtet.  In einem offenen Brief, der über die sozialen Medien verbreitet wurde, drückten die in Casablanca inhaftierten Anführer der Hirak – Protestbewegung ihre Verbundenheit zur Monarchie aus und sehen die Verbindung zwischen Monarchie und Protestbewegung durch die Initiative von König Mohammed VI. gestärkt – maghreb-post berichtete. Allerdings kann der König einen laufenden Prozess, laut Verfassung, nicht beeinflussen. Dem König von Marokko steht aber ausdrücklich das Recht zu, Begnadigungen auszusprechen. Aktuell hat weder die Regierung noch der Palast offiziell auf den offenen Brief von Nasser Zafzafi und seinen Mitstreitern reagiert. Die Anklage gegen die Beschuldigten wurde auch nicht verändert.

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