Maghreb – Migrationswunsch im Maghreb teils angestiegen.

Mindesten 20% der Menschen wollen ins Ausland.

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Flüchtlingsboot
Flüchtlingsboot auf dem Mittelmeer

Umfrage in den Maghreb – Staaten und weiteren arabischen Ländern zeigt anhaltenden Wunsch nach Auswanderung.

London – Im Auftrag des britischen TV-Senders BBC News Arab und in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Arab Barometer Research Network wurden die Menschen in den Maghreb – Staaten und weiteren arabischen Ländern zu zahlreichen Themen befragt. Insgesamt wurden in den Ländern Algerien, Ägypten, Iraq, Jordanien, Marokko, Libanon, Libyen, Palästinensische Autonomiegebiete, Sudan und Yemen mehr als 25.000 Interviews geführt. Die Befragungen fanden von Ende 2018 bis Frühjahr 2019 statt. Bereits im Jahr 2013 wurde die gleiche Befragung durchgeführt, so dass jetzt die Ergebnisse verglichen wurden. Das Thema Auswanderung spielt eine teils erhebliche Rolle in den Zukunftswünschen der Menschen.

Mindesten 20% der Menschen wollen ins Ausland.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in den meisten Ländern rund jeder 5. Befragte mit dem Gedanken beschäftigt ist, dass eigene Heimatland zu verlassen. Teils ist die Tendenz steigend. Während sich im Jahr 2013 etwas mehr als 30% der Marokkanerinnen und Marokkaner mit dem Gedanken, dass eigene Heimatland zu verlassen, beschäftigten, stieg dieser Wert in der aktuellen Studie auf nun mehr als 40%. Auch in Tunesien stieg dieser Wert an. In der ersten Befragung 2013 beschäftigten sich etwas mehr als 20% der Menschen mit dem Thema Auswanderung. Nun stieg der Wert und blieb nur knapp unter 30%. Algerien, als Nachbarland sowohl von Marokko als auch Tunesien, zeigt eine abnehmende Tendenz. Der Wert fiel von rund 40% auf aktuell rund 30%.

Migrationswunsch
Quelle Arab Barometer Research Network – Entwicklung Migrationswunsch

Zielregion ist Europa

Wenn die Menschen, die sich mit Auswanderung beschäftigen, nach ihrer Wunsch- oder Zielregion befragt werden, dann steht Europa, und dabei vor allem die Europäische Union, ganz oben auf der Liste. Mit sichtbarem Abstand folgen die USA und Kanada sowie die Golfregion. Aber auch eine einfache Auswanderung ins Nachbarland bzw. in die sog. MENA Region halten viele für attraktiv.

Mangelnde Beschäftigung treibt Migrationswunsch.

Die Zahlen fallen mit weiteren Studien und Erkenntnisse aus der Region zusammen. So beklagen Marokko und Tunesien den Abfluss von Leistungsträgern. Darunter viele Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer sowie auch Ärzte. Die Menschen nennen wirtschaftliche Gründe an erster Stelle für ihre Auswanderung oder Migrationswunsch. Die Jugendarbeitslosigkeit ist in allen Ländern, eines der größten Probleme für die Gesellschaft. Trotz teils deutlichem Wirtschaftswachstum über Jahre profitieren gerade junge Menschen nicht von den Entwicklungen im Land. Marokko hat sich dazu entschlossen, entgegen der Empfehlungen des IWFs, eine höhere Neuverschuldung in Kauf zu nehmen und auch das Tafelsilber des Staates zu veräußern, um mehr in Bildungsprojekte und das Gesundheitswesen zu investieren. Doch die Jugendarbeitslosigkeit, gerade unter den Akademikern und hoch ausgebildeten Menschen liegt teils bei 40%. Gerade solche Leute sind im Ausland beliebt. Insbesondere Frankreich aber auch Kanada greifen sich die durch Marokko ausgebildeten jungen Menschen und nutzen diese für eigene wirtschaftliche Ziele.

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