Maghreb – Schwere Kämpfe im Westjordanland und in Gaza.

Israel zerstört Pressebüros von Al Jazeera und The Associated Press in Gaza

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Israel
Gewalt zwischen Israelis und Palästinenser weitet sich aus.

Menschen in Algerien, Marokko und Tunesien zeigen sich nach den israelischen Luftschlägen gegen Privathäuser und gegen Pressebüros solidarisch mit den Palästinensern und rufen zu Gewaltverzicht auf.

Rabat – In der Nacht auf den heutigen Samstag (15. Mai.2021) haben sich die Auseinandersetzungen und Gewaltakte in Israel, in Gaza und im Westjordanland deutlich intensiviert. Israelische Kampfflugzeuge haben in der Nacht zum Freitag Ziele im Zentrum des Gazastreifens angegriffen, wie das israelische Militär mitteilte. Seit vergangenen Montag ist die Zahl der zu beklagenden palästinensischen Todesopfer durch Luftangriffe im Gazastreifen, nach Angaben der palästinensischen Behörden, auf 126 gestiegen, darunter 31 Kinder. Weitere 950 Menschen wurden teils schwer verletzt. Mehr als 2.000 Raketen sollen seit vergangenem Montag, hauptsächlich von der Hamas, auf israelisches Gebiet abgefeuert worden sein, wobei der Tod von neun Menschen, darunter ein Kind und ein Soldat, zu betrauern sind. Weitere 560 Verletzt mussten in israelischen Krankenhäusern versorgt werden.

Luftsschläge auf Ziele im Gaza – Streifen ausgeweitet.

Am frühen Samstag meldete das israelische Militär, es habe ein „Operationsbüro“ der Hamas in der Nähe des Zentrums von Gaza – Stadt getroffen, weitere nächtliche Angriffe zielten auf das, was das Militär als „unterirdische Raketenabschussrampen“ bezeichnete. Die Kämpfe haben sich inzwischen auch auf das Westjordanland und auf den Süden des Libanon ausgeweitet. Von dort sollen auch Raketen auf Israel abgefeuert worden sein. Im Westjordanland sollen bereits acht Palästinenser nach Zusammenstößen mit israelischen Soldaten getötet worden sein.

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Die Angriffe der israelischen Streitkräfte betrafen auch „einen militärischen Geheimdienststandort“, wie es auf Twitter hieß, sowie „Boden-Boden-Raketenabschussrampen“ und „zwei Terroristengruppen“. Trotz internationaler Aufrufe zur Deeskalation warnte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, dass seine Armee der „terroristischen“ Hamas-Bewegung, die die palästinensische Enklave Gaza kontrolliert, “ schwere Rückschläge“ zufügen werde.

Premierminister
Quelle Twitter – Israelischer Premierminister kündigt weitere Angriffe auf Palästinenser an.

Israelischer Luftangriff auf Gaza tötet 8 Kinder und 2 Frauen

Die israelische Luftwaffe feuerte am heutigen frühen Samstagmorgen Raketen auf ein Mehrfamilienhaus in Gaza ab und tötete nach übereinstimmenden Medienberichten dabei 10 Familienmitglieder. Die Familie hatte sich am zweiten Tag des Zuckerfestes versammelt, um inmitten der andauernden Angriffe auf Gaza das Ende des Ramadans zu feiern. Noch während die Familie schlief, schlugen die Raketen in das Haus ein. Ein kleiner Junge überlebte den Beschuss. Warum das Haus zum Ziel wurde, ist noch unklar.

Israel zerstört Pressebüros von Al Jazeera und The Associated Press in Gaza

Die israelische Armee hat ein Hochhaus in Gaza-Stadt, in dem Medienbüros untergebracht sind, die aus dem belagerten Gebiet berichten, mit Raketen beschossen und zerstört.

Israelische Medien berichteten am Samstag, den 15. Mai 2021, dass die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) den Al Jalaa-Turm im Herzen von Gaza zerstört haben. Israel setzte Flugzeuge ein und feuerte Raketen auf das Hochhaus, in dem sich mehrere Medien befanden, die vor Ort aus Gaza berichteten.

Die Büros von Al Jazeera und The Associated Press wurden dabei vollständig zerstört, wie das ganze Gebäude. Um Opfer unter den Journalisten zu vermeiden, hat die israelische Luftwaffe die Journalisten im Haus gewarnt.

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Menschen im Maghreb zunehmend entsetzt und frustriert.

Der Ausbruch der Gewalt in Israel und Palästina entsetzt zunehmend die Menschen im Maghreb und in anderen teilen der Welt. Von den politischen Führern der arabischen Welt kam, nach einer Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga am vergangenen Dienstag, lediglich ein Aufruf zur Besonnenheit und zum Gewaltverzicht. Auch die Hoffnung auf die USA, unter Joe Biden, wurde heute enttäuscht. Er ließ über eine Sprecherin seiner Regierung lediglich verkünden, als Reaktion auf den Angriff auf die Journalisten, dass Israel die Sicherheit von Medienvertretern sicherstellen müsse. Von einem Aufruf zur Beendigung der Gewalt war nicht die Rede. Offenbar reicht eine Mitteilung aus Washington aus, um Einfluss auf die Geschehnisse in der Region zu nehmen.

USA
Quelle Twitter – US-Regierung ermahnt Israel Journalisten zu schützen.

Auch der UNO-Sicherheitsrat wird ohne die Unterstützung der USA nichts tun können. Der Sicherheitsrat sollte heute, auf Antrag des nicht ständigen Mitglieds Tunesien, tagen.

Inzwischen machen die Menschen ihrem Frust in den sozialen Netzwerken Luft. Sie prangern die Unverhältnismäßigkeit der Gewalt an und zeigen sich über die mangelnde Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für die Interessen der Palästinenser enttäuscht. Die EU hat die Gelegenheit genutzt, die Proteste von einigen militanten Demonstranten in Deutschland und anderen Europäischen Staaten, die israelische Flaggen verbrannten und Synagogen belagerten, um alle Palästinenser oder gar Muslime offen oder unterschwellig als antisemitisch einzustufen, um  sich praktisch kritiklos hinter Israel stellen zu können, anstatt den eigenen Einfluss zu nutzen, die Gewalt in der Region einzudämmen und alle Interessen zu berücksichtigen.

Regierungen des Maghreb ohne ausreichende Instrumente.

Alle drei Maghreb – Staaten haben bisher die Gewalt per Pressemeldungen oder Stellungnahmen während der Sitzung der Arabischen Liga angeprangert. Das kleine Tunesien wurde in die Pflicht genommen, da es derzeit einen Sitz im UNO – Sicherheitsrat innehat, die Situation vorzubringen. Auch Marokko, das erst Ende letzten Jahres damit begonnen hatte, die Beziehungen zu Israel zu „normalisieren“, hat lediglich zum Gewaltverzicht aufgerufen, aber ansonsten keine offensichtlichen diplomatischen Maßnahmen ergriffen.

Marokko – Rechtlicher Status von Jerusalem nicht veränderbar.

Auf Befehl von König Mohammed VI. entsendet das Land zumindest erste Hilfsgüter für die Palästinenser. Weitere diplomatische Schritte, wie Gespräche mit dem neuen ständigen Vertreter Israels in Rabat, hat es, zumindest öffentlich bestätigt, nicht gegeben. Protestmärsche gab es bisher auf den Straßen von Algier, Rabat oder Tunis ebenfalls nicht, da größere Versammlungen wegen der Coronavirus – Pandemie verboten sind.

Marokko – Hilfsgüter für Palästinenser

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