Marokko – 1 Jahr Gefängnis für Hajar Raissouni

Mitangeklagte Mediziner und Personal ebenfalls verurteilt.

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Raissaouni
Journalistin Hajar Raissouni

Gericht fällt Urteil in der ersten Instanz und verhängt Haft und Geldstrafen gegen alle Beschuldigten.

Rabat – Die Strafkammer von Rabat hat heute Nachmittag, am 30. September 2019, in der ersten Instanz, seine Urteile im Fall Hajar Raissouni gefällt. Die 28-jährige Journalistin wurde zu einer einjährigen Haftstrafe und einer Geldstrafe von 500 marokkanischen Dirhams (MAD) (ca. 46 Euro*) verurteilt. Sie wurde wegen „Zustimmung zu einer Abtreibung“ und „Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe“ strafrechtlich belangt. Ihr Verlobter, Al Amine R., wurde zu dem selben Strafmaß verurteilt. Er wurde wegen „Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe“ und „Komplizenschaft bei einer Abtreibung“ verurteilt.

Mitangeklagte Mediziner und Personal ebenfalls verurteilt.

Das Gericht hat drei weitere Verurteilungen ausgesprochen. Das schwerste Urteil traf Dr. Mohamed J. B., der zu zwei Jahren Haft, einer Geldstrafe von 500 MAD und einem Berufsverbot als Medizin für einen Zeitraum von zwei weiteren Jahren verurteilt wurde. Der Gynäkologe wurde wegen einer „gewerbsmäßigen Abtreibungspraxis“ verurteilt, darunter an Frau Hajar Raissouni. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhielten Geldbußen und Bewährungsstrafen von einem Jahr bzw. acht Monaten. Das Urteil kommt weniger als einen Monat nach Beginn des Prozesses am 2. September. Die Angeklagten wurden am 30. August verhaftet.

Gericht folgte der Neubewertung des Krankenhausberichts nicht.

Trotz einer auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Argumentation, vor allem der Rechtsanwältin des angeklagten und nun verurteilten Arztes, die Zweifel an der Abtreibung aufbrachte, hat das Gericht sein Urteil gefällt. Der Fall der jungen Frau hart eine breite und intensive Diskussion ausgelöst. Zahlreiche Initiativen und Gruppen forderten eine Abschaffung der Straftatbestände des „außerehelichen Geschlechtsverkehres“ und der Abtreibung. Medien, Künstler und Journalisten sprachen und sprechen weiterhin ihre Solidarität mit Hajar Raissouni aus und sehen hinter dem Prozess auch politische Motive. Es wird erwartet, dass die Verteidiger in Berufung gehen.

*Wechselkurs stand 20.09.2019

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