Marokko – Aktivisten gedenken Tod von Mouhcin Fikri

Anzahl der Teilnehmer in Paris überschaubar. Kleinere Kundgebungen z.B. in Fés.

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Hirak
Demonstration von Hirak - Aktivisten in Paris zum Gedenken an den Tod von Mouhcin Fikri

Mehrere Märsche in Marokko und im In- und Ausland

Rabat – Am gestrigen Samstag jährte sich der Tod des Fischhändlers Mouhcin Fikri zum dritten Mal. Am 26. Oktober 2016 starb Fikri während einer behördlichen Maßnahme in einer Müllpresse. Noch in der Nacht kam es auf den Straßen von Al Hoceima zu Protesten, weil seine wirtschaftliche und soziale Situation als exemplarisch für die Situation seiner ganzen Generation betrachtet wurde und weil zunächst Gerüchte im Umlauf waren, dass die Beamten im Wissen, dass sich Fikri im Gefahrenbereich befunden hatte, die Aktion nicht stoppten. Aus den Demonstrationen entwickelte sich der sog. Hirak. Die Menschen im Nordosten sahen und sehen wenige Perspektiven für ihre Zukunft und empfinden die sozialen Gegebenheiten als Belastung. Die Zentralregierung in Rabat hat die Forderungen im Laufe der Proteste als „legitim“ bewertet und in Folge der Ereignisse hat der König das bisherige Entwicklungsmodell für gescheitert erklärt, die Erarbeitung einer neuen Strategie angekündigt und die Regierung die Sozialausgaben deutlich erhöht.

Fés
Kleinere Kundgebungen zum Tod von Mouhcin Fikri, hier in Fés Marokko.

Proteste in einigen Städten im In- und Ausland.

Am gestrigen Abend kam es in einigen Städten zu Protestmärschen, um an die Ereignisse von 2016/2017 zu erinnern. In Marokko kam es zu kleineren Demonstrationen z.B. in der Kulturhauptstadt Fés. Zu der zuvor groß angekündigten Demonstration in der französischen Hauptstadt Paris versammelte sich nach Medienangaben ebenfalls nur eine überschaubare Anzahl von Aktivisten. Besonders auffällig war in Paris, dass lediglich Flaggen der Amazight und des Rifs geschwungen wurden. Auch Banner waren zu sehen, auf denen an die Rif-Republik erinnert wurde, die während des Kampfes gegen die spanische Besatzung ausgerufen wurde. Kritiker der Aktion sehen darin den eigentlich zurückgestellten Vorwurf des Separatismus bestätigt. Sowohl die Sprechchöre als auch die Präsenz der katalanischen Flagge, zeugen von einer vorhandenen Sympathie gegenüber der Separatismusbewegung im Nordosten Spaniens. Insgesamt blieben aber alle Proteste und Demonstrationen im In- und Ausland friedlich.

Beginn der Hiraks

In Folge der ersten Proteste Ende 2016 kam es zu einer größeren Bewegung (Hirak), die sich gegen die wahrgenommene Korruption, die als mangelhafte bewertete Infrastruktur und mutmaßlichen staatlichen Repressalien auflehnte. Insbesondere in den Rif – Gebieten kamen auch Forderungen auf, nach mehr Rechten für die Bürger, Abschaffung des Militärsonderstatuses der Region, größere kulturelle Eigenständigkeiten sowie mehr politischen Freiräumen für den Nordosten des Königreiches. Dies führte zunächst zum Vorwurf des Separatismus, der später von der Regierung zurückgenommen wurde. Über viele Wochen und Monate kam es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen meist jungen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Demonstrationen in Al Hoceima durch massiven Polizeieinsatz aufgelöst.

Im weiteren Verlauf wurden zahlreiche Aktivisten, meist unter dem Vorwurf der Teilnahme an oder zum Aufruf zu Gewalttaten, verhaften und verurteilt. Die bekanntesten Stimmen des sog. Hirak, darunter Nasser Zefzafi, wurden Verurteilt und erhielten bis zu 20 Jahre Haft. Einige der verurteilten Demonstranten wurden aber auch von König Mohammed VI. begnadigt und freigelassen.

Der Fall Mouhcin Fikri

Der als Fischhändler in der Küstenstadt Al Hoceima arbeitende Mouhcin Fikri fiel, gemeinsam mit weiteren Fischhändlern, bei einer Kontrolle der örtlichen Behörden auf, weil er mutmaßlich mit Fischarten handelte, die zu dem Zeitpunkt unter Schutz und einem Fangverbot standen. Die Behörden, und vor Ort handelnden Beamten, beschlagnahmten den Fischbestand von Fikri und seinen Kollegen und schritten zur sofortigen Vernichtung.

Zeugenaussagen Proteste in Al Hoceima
Fischhändlers Mouhcin Fikri Tod im Mülltransporter

Sie riefen einen Mülltransporter mit Presse, warfen die Fischbestände hinein und begannen mit der Zerstörung. Nach bisherigen Erkenntnissen sprang Mouhcin Fikri, währender die Müllpresse des Transporters angeworfen wurde, in den Laderaum, um entweder seinen Fisch zu retten oder um die Aktion zu behindern.

Trotz angeblichen Warnhinweisen der beistehenden Passanten konnte die Presse nicht mehr rechtzeitig gestoppt werden und Fikri wurde tödlich verletzt. Bei der anschließenden juristischen Bewertung wurde mindesten ein Beamter wegen Fahrlässigkeit mit Todesfolge verurteilt. Ein Vorsatz konnte nicht belegt werden.

 

 

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