Marokko – Al Boraq feierlich in den Regelbetrieb übergeben.

Wirtschaftsmetropolen Tanger und Casablanca rücken einander näher.

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Mohammed VI.
König Mohammed VI. und Präsident Emmanuel Macron geben Startschuss für Afrikas ersten Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq.

König Mohammed VI. und Präsident Emmanuel Macron geben Startschuss für marokkanischen Hochgeschwindigkeitszug.

Tanger – Marokkos König Mohammed VI. und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nahmen heute gemeinsam an den Feierlichkeiten zum Start des marokkanischen Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq in Tanger teil. Afrikas erster Hochgeschwindigkeitszug ging damit offiziell in den Regelbetrieb über. Für viele Marokkanerinnen und Marokkaner sendet damit das nordafrikanische Königreich ein deutliches Signal, als Beleg für die stetige nationale Entwicklung. Für viele Andere im Land ist es ein reines Prestigeprojekt, das zu der wahrgenommen Entwicklung in Marokko nicht passt. Beide Staatsoberhäupter haben zuvor den Bau als „Flaggschiffprojekt der bilateralen Beziehungen zwischen Frankreich und Marokko“ bezeichnet.

König und Präsident erhalten erste Tickets.

Bei den Feierlichkeiten enthüllten Präsident Macron und König Mohammed VI. symbolisch den Namen und das neue Logo des Schnellzuges. Der französische Präsident kam zu seinem Kurzaufenthalt nicht in Begleitung seiner Frau. Ebenfalls Gäste der Feierlichkeiten waren die Botschafter der übrigen Geberländer aus den Golfstaaten. Beiden Staatsoberhäuptern wurden die ersten Tickets für den marokkanischen Schnellzug überreicht.

Al Boraq
Erstes Al Boraq Ticket für Präsident Macron und König Mohammed VI.

Nach einer Begrüßung des Zugpersonals, bei der der französische Präsident nochmals sein gerade erhaltenes Ticket vorzeigte, enthüllten sie das neue offizielle Logo und betraten dann den bereitgestellten Zug, um sich auf eine Testfahrt zu begeben.

„Al Boraq“ – Symbolträchtiger Name für Marokkos Hochgeschwindigkeitszug.

In der islamischen Mythologie wird mit „Al Boraq“ ein fantastisches Fabelwesen bezeichnet, das einem geflügelten Pferd ähnelt. Besondere Bedeutung hat „Al Boraq“ für alle Muslime, da in einigen Quranversen beschrieben wird, wie der Prophet Mohamed auf diesem geflügelten Pferd von der für Muslime heiligen Stadt Mekka nach Jerusalem ritt, um dann von Jerusalem aus, auf „Al Boraq“, dem Himmel entgegen zu schweben. Als Ort der Himmelsreise wird der Felsendom in Jerusalem verehrt, was ihn für Muslime ebenfalls zu einem der heiligsten Orte macht. „Al Boraq“ ist sowohl von religiöser Bedeutung, als auch ein Symbol für die Überwindung von zuvor als unüberwindbar geltenden Hindernissen zu verstehen, der Überwindung der Strecke zwischen Himmel und Erde durch den Glauben. Al Boraq steht zudem für Schnelligkeit und für einer Leichtigkeit, die dem Fliegen nahe kommt. Seinen Namen soll der Zug von König Mohammed VI. erhalten haben.

Al Boraq
Logo marokkanischer Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq

Wirtschaftsmetropolen Tanger und Casablanca kommen einander näher.

Die Hochgeschwindigkeitsstrecke auf der Verbindung Tanger – Casablanca ist ca. 200 km lang und befindet sich vor allem auf dem Teilstück Tanger – Kenitra. Insgesamt liegen die beiden Wirtschaftsmetropolen ca. 340 km von einander entfernt. Auf diesem Teilstück erreichte der Schnellzug bei Testfahrten eine Geschwindigkeit von ca. 357 km/h. Im Regelbetrieb werden ca. 320 km/h erreicht. Damit halbiert sich die Reisezeit zwischen den beiden wichtigen Wirtschaftszentren auf 2:10 h. Bisher mussten Reisende 4:45 h pro Richtung einplanen. Wer die bisherige Reisezeit vermeiden wollte, musste das Flugzeug nutzen. Nun hat er eine umweltfreundliche Alternative.

Einige Eckpunkte des Projektes

Vertragsabschluss 2007

Im Jahr 2007 unterzeichneten König Mohammed VI. und der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy das sog. LGV-Protokoll (TGV) und damit das Abkommen zum Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke. Politische Beobachter in Europa und in Marokko sahen in der Auftragsvergabe an Frankreich eine Form der „Wiedergutmachung“. Kurz zuvor hatte sich das marokkanische Militär dazu entschlossen neue Kampfflugzeuge in den USA zu kaufen und nicht mehr in Frankreich.

Das Königreich erteilte Frankreich hinsichtlich des Rafale-Kampfflugzeuges eine Absage. Darüber soll Präsident Sarkozy derart verärgert gewesen sein, dass der König ihm das Zug-Projekt anbot. Da es eine Auftragsvergabe ohne Ausschreibung gab, war Deutschland verärgert, dass gerne den ICE angeboten hätte. Der marokkanische TGV wird von der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF und dem Technologiekonzern Alstom hergestellt. Mittlerweile hat Alstom und die Eisenbahnsparte von Siemens angekündigt zu fusionieren.

Gesamtkosten ca. 23 Mrd. marokkanische Dirham (MAD).

Nach offiziellen Angaben soll das Projekt ca. 23 Mrd. marokkanische Dirham (MAD) gekostet haben. Geschätzt werden die tatsächlichen Kosten allerdings auf 30 Mrd. MAD. Die Kosten werden größtenteils durch Kredite getragen. Ca. 51% der offiziellen Projektkosten werden durch ein Darlehen aus den Emerging Country Reserve (625 Mio. €) und einem Darlehen der französischen Entwicklungsagentur (300 Mio. €) getragen.

Schnellzug
Marokkanischer Schnellzug Al Boraq

Die restlichen Finanzmittel stammen aus Saudi-Arabien (144 Mio. Euro), Kuwait (100 Mio. Euro), Abu Dhabi (70 Mio. Euro) und vom Arab Development Fond (86 Mio. Euro). Was Marokko betrifft, so wurden 4,8 Mrd. MAD vom Staat und 1 Mrd. MAD vom Hassan II-Fond bereitgestellt. Für den Rest gab die marokkanische Eisenbahngesellschaft ONCF eine Anleihe im Wert von 5 Mrd. MAD heraus.

Baubeginn 2011

König Mohammed VI. und der französische Präsident Nicolas Sarkozy gaben gemeinsam 2011 den Startschuss für den Bau. Dabei suchte man sich nicht unbedingt den einfachsten Streckenverlauf aus. Gleichzeitig gab es früh politischen Widerstand im Königreich. Vor dem schwierigen Hintergrund des auch in Marokko aufkommenden sog. Arabischen Frühlings versuchten mehrer NGOs die Realisierung des Projektes zu stoppen, das ihrer Meinung nach nicht den tatsächlichen Bedürfnissen des Landes an die Infrastruktur entspricht.

TGV
König Mohammed VI. gibt Start für das Projekt TGV (LGV).

Bauliche Herausforderungen.

Der Streckenverlauf orientiert sich an der Autobahn. Insbesondere die Autobahn Rabat/Kenitra nach Tanger verläuft nahe der Küste. Die geologischen Gegebenheiten sind durch weichen Sandboden und größeren Sumpfgebieten geprägt. An einigen Stellen musste die Streckentrasse auf Brücken und Viadukten verlaufen. Der längste Viadukt (El Hachef) ist 3,4 km lang und befindet sich zwischen Asillah und Tanger. Das zweitwichtigste Teilstück ist der ca. 2,5 km lange und 12 m breite Viadukt Loukkos bei Larache. Diese Konstruktion steht auf einem Stahlbetonrahmen mit Pfeilern, die bis zu 67 Meter in die Tiefe reichen. Ca. 70% der Arbeiten wurden durch marokkanische Unternehmen durchgeführt. Damit will man sich auch für ähnliche Projekte in Afrika bewerben.

LGV
Quelle ONCF: Bauliche Herausforderungen Strecke LGV

Kapazitäten von Al Boraq

Ein einfacher Zug kann bis zu 523 Passagiere transportieren. Der Zug ist als Doppelstockwagen konstruiert. Wenn der Zug als Doppeltriebfahrzeug agiert, können entsprechend bis zu 1046 Passagieren in zwei Klassen reisen. Die ONCF geht von fünf bis sechs Millionen Passagiere pro Jahr aus. Wobei man sich ca. drei Jahre Zeit lässt, um die Passagierzahlen zu erreichen. Diese müssen auch erreicht werden, damit die Kosten getragen werden können. Insgesamt sind vier TGV Bahnhöfe vorgesehen. Gehalten wird in Tanger, Kenitra, Rabat und Casablanca. Die Bahnhöfe sind entsprechend umgebaut worden.

Hochgeschwindigkeitszug
Al Borag – Doppelstockwagen mit einer Kapazität von mindestens 523 und bis zu 1046 Passagieren.

Preisaufschlag ca. 30%

Die Ticketpreise für eine Fahrt mit dem marokkanischen TGV Al Boraq sollen nach jetzigen Angaben ca. 30% über den Preisen für eine Fahrt in einem normalen Zug liegen. Es gibt aber Sondertarif. Frühbucher können etwas sparen, wenn sie ca. 15 Tage im Voraus buchen. So reist man auch günstiger, wenn man Nebenzeiten bucht. Es sind ca. 15 Fahrten pro Tag vorgesehen.

Video Abfahrt in Tanger

Video Ankunft in Rabat

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