Marokko – Anschuldigung wegen Abtreibung gegen Hajar Raissouni zweifelhaft.

Anwältin des Arztes wiederlegt bisherige Interpretation des Bluttests.

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Hajar Raissouni
Journalistin Hajar Raissouni verhaftet.

Neubewertung des gerichtlich angeordneten Bluttests lässt Zweifel an einer Schwangerschaft aufkommen.

Rabat – Der Fall der wegen „illegaler Abtreibung“ und einer „außerehelichen sexuellen Beziehung“ angeklagten Journalistin, Hajar Raissouni, könnte eine neue Wendung nehmen. Mit ihr wurden ihr Verlobter, ein Arzt und seine Mitarbeiterinnen angeklagt. Alle Beschuldigten wiesen die ihnen vorgeworfenen Anklagepunkte zurück. Gegen den Mediziner und seine Mitarbeiterinnen wird gesondert verhandelt. Gegen die Beschuldigten werden vermeintliche Untersuchungsergebnisse, die vom Gericht nach der Verhaftung beauftragt wurden, sowie die Verhaftungsprotokolle angeführt. Im separaten Verfahren kam es nun zu einer Neuinterpretation der Untersuchungsergebnisse des Ibn Sina Universitätskrankenhauses in Rabat. Die Hormonwerte, die bei schwangeren Frauen besonders hoch sein müssten, waren bei Hajar Raissouni besonders niedrig, so dass nun bezweifelt wird, dass am Tag der Verhaftung überhaupt eine Schwangerschaft vorgelegen hat. Ohne Schwangerschaft kann es keine Abtreibung gegeben haben und der Anklagepunkt müsste fallen gelassen werden.

Anwältin des Arztes wiederlegt bisherige Interpretation des Bluttests.

In der letzten Anhörung gegen den mit angeklagten Arzt Dr. Mohamed J. B. belegte seine Anwältin, Frau Myriam Moulay Rachid, mit wissenschaftlichen Beweisen, dass die Abtreibung nicht durchgeführt werden konnte. Der vom Gericht selbst in Auftrag gegeben Bluttest, weist einen Wert für das Hormon Beta-HCG von 13.585,9 mUl/ml aus. Das Hormon bildet sich bei Schwangerschaften stärker aus. Nach Konsultation in eine Spezialklinik für Reproduktionsmedizin und nach Unterlagen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wäre bei einer schwangeren Frau, in der achten Woche, ein Wert von 90.000 mUI/ml zu erwarten. Selbst in ungewöhnlichen Fällen waren Werte nie unter 16.000 bis 30.000 mUI/ml durch die WHO dokumentiert worden. Daraus muss, nach Ansicht der Rechtsanwältin, geschlossen werden, dass ihr Mandant keine illegale Abtreibung vorgenommen haben kann, weil die Patientin, zum Zeitpunkt der Behandlung, nicht schwanger gewesen ist. Das Gericht prüft derzeit die Argumentation. Wenn das Gericht dieser folgt, wäre auch Hajar Raissouni von mindestens einem der Anklagepunkte zu entlasten.

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