Marokko – Ausnahmezustand soll Corona-Epidemie eingrenzen.

Ausgangssperre soll soziale Kontakte unterbinden und Übertragungswege für das Coronavirus COVID-19 unterbrechen.

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Militär
Marokkanisches Militär soll Ausgangssperre und öffentliche Ordnung sichern.

Ausgangssperren, Einstellung der Reisemöglichkeiten, Sicherung der öffentlichen Ordnung durch das Militär.

Rabat – Das nordafrikanische Königreich Marokko sieht sich einer immer schneller steigenden Anzahl von mit dem Coronavirus COVID-19 Infizierten gegenüber. Dabei hat das Virus die bisherigen Infektionshochburgen Casablanca – Rabat und Meknés – Fés verlassen, auch wenn noch immer 60% der COVID-19 Infektionen aus den genannten Regionen stammen. Inzwischen sind 104 Coronavirus – Infektionen bestätigt. Angesichts der immer schnelleren Verbreitung greift Marokko zu drastischen Einschränkungen für das Alltagsleben und setzt die Empfehlungen der WHO nahezu uneingeschränkt um. Die Sprache wird dabei zunehmend militärisch, da sich das Land im „Krieg“ gegen das Virus sieht. Es bleibt dem Königreich fast nichts anderes übrig. Ein massiver Ausbruch würde das sich in der Kritik befindliche Gesundheitssystem vollständig überfordern. Die daraufhin zu erwartenden Proteste könnten zu politischer Instabilität führen.

Ausgangssperre soll soziale Kontakte unterbinden und Übertragungswege unterbrechen.

Seit Freitag dem 20. März 2020 ab 18:00 Uhr Ortszeit gilt eine landesweiten Ausgangssperre. Ausnahmegenehmigung gibt es nur für Mitarbeiter ausgesuchter systemrelevanter Sektoren.

In der Erklärung vom Donnerstag wies das Innenministerium darauf hin, dass Marokkaner nur dann ihre Häuser verlassen und öffentliche Räume betreten dürfen, wenn sie eine Ausnahmegenehmigung nachweisen können.

Diese Ausnahmegenehmigung wird nur Personen ausgehändigt, die für öffentliche Verwaltungen und Einrichtungen arbeiten, oder in Unternehmen, Fabriken, landwirtschaftliche Betriebe, kommerzielle Einrichtungen des täglichen Lebens der Bürger, Apotheken, Banken- und Finanzsektoren, Tankstellen für Öl und Gas, Kliniken und medizinische Einrichtungen, Agenturen von Telekommunikationsunternehmen sowie in wichtige freien Berufen tätig sind. Eine Missachtung kann strafrechtliche Folgen haben.

Appelle der Behörden zur Verhaltensänderung im Vorfeld

Zuvor appellierten die Behörden an die Bürgerinnen und Bürger die eigene Wohnung nicht mehr zu verlassen und gesellschaftliche Kontakte auf das absolut notwendige zu reduzieren. Dazu fuhren Behördenfahrzeuge durch die Straßen der Wohnsiedlungen und mahnten per Megafon die Situation nicht zu unterschätzen und die zuvor erläuterten Umgangsregeln umzusetzen. Bereits Tage vorher schloss man Cafés, Moscheen und Behörden und es wurde versucht auch zur Telearbeit anzuregen. Besonders im Fokus stand die gebräuchliche Form der Begrüßung, die neben einer Umarmung auch das gegenseitige Küssen auf die Wangen oder bei engen und älteren Verwandte auch der Hände einschließt. Bei Besuchen und Beobachtungen des Autors vor Ort in Rabat, Salé, El Hajeb und Midelt sowie zuletzt in Casablanca waren Verhaltensänderung deutlich zu sehen. Auch wenn es in den ländlichen Regionen noch immer zu den traditionellen Handlungsweisen kommt.

Appelle
Behörden fahren durch die Straßen und fordern zur positivem Verhalten auf.

„Hamsterkäufe“ trotz der Appelle von Politik und Wirtschaft

Auf den Straßen wurde es deutlich leerer. Dafür war der Andrang in den Einkaufszentren, Supermärkten und Souks deutlich höher. Die Menschen kaufen ein, soweit ihnen wirtschaftlich möglich. Trotz ständiger Appelle des Premier- und des Wirtschaftsministers sowie der Wirtschaft selbst, dass keine Vorratseinkäufe nötig seien und das die Versorgungssicherheit gewährleistet ist, kam es zu sog. „Hamsterkäufen“ vor allem von Mehl, Speiseöl, Zucker und anderen länger haltbaren Lebensmitteln sowie von Hygieneprodukten.

Hamsterkäufe
Marokkanische Bürgerinnen und Bürger tätigen Großeinkäufe, trotz Appelle keine Hamsterkäufe vorzunehmen.

Reisen zwischen Städten nicht mehr möglich.

Marokko verbietet den Überlandverkehr ab dem gestrigen Samstagabend. Die Entscheidung fällt gerade vierundzwanzig Stunden nach Inkrafttreten des Ausnahmezustands. Zur Eindämmung der Epidemie mit dem Coronavirus in Marokko, hatte die Regierung beschlossen, alle Formen des Reiseverkehrs, insbesondere zwischen Städten und Ballungszentren zu verbieten.

Der Erklärung des Innenministeriums nach, gilt das Verbot nicht für den Transport von Waren und Grundprodukten, die die täglichen Bedürfnisse der Bürger befriedigen. Es gilt auch nicht für Reisen aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen, die durch Dokumente von Verwaltungen und Einrichtungen nachgewiesen werden, fügte das Ministerium hinzu. Damit sind alle Buslinien, Zugverbindungen und Innlandsflüge nur noch im Notbetrieb nutzbar oder völlig eingestellt. Die nationale Eisenbahngesellschaft ONCF bietet nur noch den Nahverkehr an. Die Royal Air Maroc fliegt überhaupt nicht mehr.

Militär soll Durchsetzung der Ausgangssperre und Sicherheitslage sicherstellen.

Bereits am Freitag und nur wenige Stunden nach der Verkündung des marokkanischen Innenministers Laftit im nationalen Fernsehen, dass der nationale Gesundheitsnotstand, der Ausnahmezustand und die allgemeine Ausgangssperre verhängt wird, wurden militärische Einheiten in die Städte verlegt. Insbesondere die marokkanische Hauptstadt Rabat und die Wirtschaftsmetropole Casablanca, aber auch Fés, Meknés und Marrakech wurden militärisch gesichert. Videoaufnahmen zeigen die auffällige Präsenz z.B. auf den Autobahnen. Videoaufnahmen dokumentieren auch, wie das Militär die Menschen von der Straße verweist, Ausnahmegenehmigungen überprüft und auch Verhaftungen vornimmt, wenn gegen die Ausgangssperre Verstoßen wird.

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