Marokko – Autobahn Fés – Marrakech soll 20 Mrd. MAD kosten.

Anbindung der Regionen Fés-Meknes, Beni-Mellal Khénifra sowie Marakech-Safi miteinander.

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Straßennetzes
Straßen- und Autobahnausbau in Marokko

Regierung bereitet Ausschreibung vor und hofft auf private Investoren.

Rabat – Das Vorhaben des Baus einer Autobahn von Fés nach Marrakech ist sicherlich eines der größeren für die nächsten Jahre. Doch so sehr man in Marokko von der positiven Wirkung für die Region in der Mitte des Landes überzeugt zu sein scheint, so groß sind nicht nur die technischen Herausforderungen. Es gilt, die nötigen Finanzmittel bereitzustellen.

Das Infrastrukturministerium in Rabat setzt nach marokkanischen Medienberichten wohl auf das Thema PPP (partenariat public privé oder ÖPP öffentlich-private Partnerschaft). Marokkos Autobahnen werden von einer eigenen Autobahngesellschaft geführt, die über eine Streckenmaut nach französischem oder italienischem Vorbild wirtschaftet.

Die Société Nationale des Autoroutes du Maroc (ADM) ist der Betreiber des marokkanischen Staates, der für den Bau, den Betrieb und die Instandhaltung der Autobahnen des Landes zuständig ist. ADM hat seit seiner Gründung im Jahr 1989 ein 1.800 km langes Autobahnnetz errichtet, das nach Südafrika das zweitgrößte Autobahnnetz auf dem Kontinent ist.

Vor diesem Hintergrund will man langfristig orientierte Investoren dazu bewegen, sich an der Finanzierung der ca. 400 km langen Autobahn zu beteiligen. In Rabat scheint man aber die Gebietskörperschaften der Regionen an den Kosten beteiligen zu wollen, die durch die neue Autobahn verbunden werden sollen. Dies wären die Gebietskörperschaft der Regionen Fés-Meknes, die Region Beni-Mellal Khénifra sowie die Region Marakech-Safi.

Ausbau des Autobahnnetzes in einer strukturschwachen Region soll ca. 20 Mrd. MAD kosten.

Zwar sind die beiden großen Ballungsräume derzeit an das nationale Autobahnnetz angeschlossen, doch die Verantwortlichen vor allem auf lokaler Ebene haben schon immer davon geträumt, die beiden Städte durch einen direkten Abschnitt zu verbinden, der gleichzeitig eine weitere Region anbindet, nämlich die Region Beni-Mellal-Khenifra. Dieses Projekt wird, wie andere ähnliche Bauvorhaben auch, erhebliche Mittel erfordern. Das Ministerium für Infrastruktur teilte bereits mit, dass sich der Bau des Abschnitts zwischen Marrakesch und Béni-Mellal derzeit im Stadium der Vorstudie befindet. Eine erste Studie für den Abschnitt zwischen Béni-Mellal und Fés sei bereits abgeschlossen und das Ministerium bereite sich darauf vor, in den nächsten Monaten die Vorstudie in Auftrag zu geben. Die Studie soll spätestens 2023 in Auftrag gegeben werden. Doch die Behörden denken bereits jetzt über die Finanzierung nach. In diesem Sinne bestätigen die Verantwortlichen des Ministeriums, dass in Bezug auf das Finanzierungspaket alle Optionen geprüft werden, einschließlich des Rückgriffs auf eine Partnerschaft mit dem Privatsektor. Auf alle Beteiligten könnten Kosten von ca. 20 Mrd. MAD zukommen, so erste Schätzungen. Dies wären nach derzeitigem Kurs ca. 1,9 Mrd. EURO*. Ziel ist es, möglichst viele Städte mit der neuen Autobahn zu verbinden und damit die sozioökonomische Entwicklung der betroffenen städtischen Zentren zu beschleunigen.

Völlig unklar ist, ob auch ausländische Investoren beteiligt sein können. So investieren gerade größere Versicherungen oder andere Autobahngesellschaften in Infrastrukturprojekte, deren Renditezeiträume in die Jahrzehnte gehen können. Vor dem Jahr 2024 ist sicherlich mit dem Beginn des Baus nicht zu rechnen, vorausgesetzt die Planungen gehen zügig voran und die Finanzierung kann aufgestellt werden.

*Wechselkurs Stand 12. Juli 2022

Marokko – Autobahngesellschaft legt positive Bilanz für 2021 vor.

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