Marokko baut erneuerbare Energiegewinnung aus – Neues Projekt Noor Midelt.

Standort Midelt in mitten des hohen Atlas in einer ländlichen und strukturschwachen Region.

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Noor Midelt
Ausweitung der Kapazitäten durch den Bau von Noor Midelt.

Nach Noor I-IV in der Nähe von Quarzazate schreitet die Planung für Noor Midelt voran.

Rabat – Marokko baut die Gewinnung von Energie mit Hilfe der Sonne weiter aus. Das nordafrikanische Königreich hat sich zum Ziel gesetzt, den eigenen Energiebedarf zu wesentlichen Teilen durch erneuerbare Energiegewinnung zu decken. Das Land setzt dabei seit einigen Jahren auf die Sonnenenergie und baut gerade am derzeit größten Solar- bzw. Sonnenwärmepark der Welt. Nur ca. 10 km nordöstlich der Stadt Quarzazate werden die Parks Noor I – IV aufgebaut. Die ersten Teile sind bereits fertig und in Betrieb. Bis zum Jahr 2020 soll die gesamte Anlage eine Leistung von 2000 Mega Watt (MW) pro Jahr erreichen. Jetzt kommt das erste kleiner Kraftwerk Noor Midelt.

Ausweitung der Kapazitäten durch den Bau von Noor Midelt.

Obwohl Noor I – IV in der Nähe von Quarzazate noch nicht die volle Kapazität erreicht hat, laufen bereits die Planungen und Ausscheidungsprozesse für den nächsten innovativen Energiepark. Unter dem Namen Noor Midelt (Licht Midelt) soll ein Innovativer Energiepark mit einer Leistung von 150 MW bis 190 MW pro Jahr erbaut werden. Dabei wird auf eine hybride Technologie aus Solarzellen, Spiegeln und thermischer Speicherung gesetzt. So kann sowohl unter Sonnenlicht als auch nachts Strom erzeugt werden. Die Technik hat sich in Quarzazate bewert.

Die erste Bewerbungsrunde für die Auftragserteilung an ein geeignetes Konsortium startete bereits im November letzten Jahres. Es wurde sieben Unternehmen bzw. Konsortien eingeladen sich am Ausscheidungswettbewerb zu beteiligen Nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Telquel startet nun die erste Ausscheidungsrunde. Um den Auftrag bewerben sich „ACWA Power“ aus Saudi Arabien, „EDF Energies Nouvelles“ aus Frankreich, „Innogy SE“ aus Deutschland und „JGC Corporation“ aus China. Die marokkanische Energieagentur unter der Leitung von Mustapha Bakkoury ist sich sicher, dass alle genannten Bewerber sich bis zum Schluss um den Auftrag bewerben werden, so dass das Auswahlverfahren in wenigen Monaten beendet werden kann.

Marokko verfolgt die Strategie der standortnahen, autonomen Energiegewinnung (IPP).

Marokko verfolgt eine Strategie der dezentralen und standortnahen Energiegewinnung. Das System der sog. „Independen Power Producer“ sieht vor, dass über das gesamte Land verteilt kleine bis mittelgroße Energieparks entstehen, die völlig unabhängig agieren und zuvor von unterschiedlichen Konsortien gebaut, finanziert und betrieben werden. D.h. die Energiewirtschaft wird privatisiert und die Bau- und Betreiberunternehmen erwirtschaften ihre Investition autonom vor Ort. Auffällig ist, dass trotz der Erfahrungen mit Noor I in Quarzazate kein rein marokkanisches Konsortium angeboten hat. Es ist davon auszugehen, dass die Unternehmen ihre Finanzierung über die Zeit mit Gewinn zurück haben wollen. Es gilt daher abzuwarten, was diese IPP-Strategie für Folgen für den Strompreis haben wird.

Standort Midelt in mitten des hohen Atlas in einer ländlichen und strukturschwachen Region.

Die Stadt mit ca. 60.000 Einwohnern liegt ca. 180km südöstlich der Königsstadt Meknés und 320 km von der marokkanischen Hauptstadt Rabat entfernt. In den 1960er und 1970er Jahren lebten die Menschen von der Landwirtschaft, der Holzwirtschaft und dem Bergbau. Die französischen Bergbauunternehmen verließen den Ort als erstes und der Klimawandel tat dann sein Übriges. Heute gehört die Region zu den strukturschwachen Regionen des Landes mit einer sehr schlechten Infrastruktur. Haupteinnahmequelle ist der Anbau von Äpfel, die in den Export gehen sowie traditionelle Handwerkskunst wie die Produktion der berühmten Berberteppiche. Ein solches Projekt könnte zumindest für den Bauzeitraum einen kleinen Aufschwung bringen. Allerdings wird der Bau der Anlage in der Region eine logistische Herausforderung werden. Es gibt keine funktionierende Schienenanbindung und auch die Landstraße führt durch schwierige Berglandschaften und ist nicht sehr gut ausgebaut. Midelt liegt auf über 1500 m Höhe und ist ab Oktober bis in den März hinein durch Kälte und teilweise Schnee betroffen. Auch die Passstraße ab Ifrane und Azrou sind nicht selten im Winter durch Schnee blockiert.

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