Marokko – Bei Ehrlichkeitsstudie belegt Marokko einen der hinteren Plätze.

Bedeutung der Ehrlichkeit für die Entwicklung in einem Land ist groß.

1945
Marokkaner
Marokkanerinnen und Marokkaner

Wissenschaftler testeten die Ehrlichkeit von Bürgern in zahlreichen Ländern der Welt.

Zürich – Forscher in der Schweiz und der USA wollten herausfinden, wie ehrlich Menschen sind, wenn es um die Rückgabe von Geldbörsen geht. Der Verlust einer Geldbörse gehört zu den ärgerlichsten Gegebenheiten im Alltag. Neben dem Geld verursachen die Verluste von Ausweisen oder Bankkarten einen großen bürokratischen Aufwand und meist hohe Folgekosten. Daher hofft jeder Betroffene darauf, dass ein ehrlicher Finder die Geldbörse zurückgibt. Vor diesem Hintergrund nutzten die Forscher in 40 Ländern und 355 Städten vermeintlich verlorengegangene Geldbörsen, um die Ehrlichkeit von Bürgern zu testen.

Untersuchung setzte ein gängiges Szenario (Studienaufbau) ein.

Insgesamt wurden 17.000 Geldbörsen mit Visitenkarten, in einigen Fällen ergänzt um Schlüsseln und unterschiedlich hohen Geldbeträgen, von Helfern der Forscher, an Mitarbeitern unterschiedlicher Institutionen, etwa Hotelrezeptionen, Banken, Kinokassen, Poststellen, Polizeiwachen oder Ämtern abgegeben, mit der Behauptung, man hätte diese gerade gefunden. Dann wartete man ab, wie oft die Brieftaschen zum Besitzer zurück kamen.

Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen wurden nach ihren Erwartungen befragt.

Im Vorfeld wurden unterschiedliche Forscher und Ökonomen nach ihren Einschätzungen gefragt. Alle gingen davon aus, dass die Ehrlichkeit mit der Höhe des in der Geldbörse befindlichen Geldbetrags abnimmt. Doch dem war nicht so. Es ergab sich das Gegenteil. Je höher der Geldbetrag, desto eher wurde die Börse zurückgegeben. „Die Studie zeige, dass wir ein sehr negatives Menschenbild haben“, sagt der Mitinitiator Christian Lukas Zünd von der Universität Zürich. Nach seiner Auffassung sind Menschen ehrlicher als angenommen. Grundsätzlich also eine gute Nachricht.

Grundlegende Ergebnisse der Studie

Der überraschende Effekt, dass je Höher der Geldbetrag in der Geldbörse ist, desto eher wurde sie zurückgegeben, ist nur eines der Ergebnisse. Ca. 40% der Geldbörsen die kein Geld enthielten, wurden zurückgegeben. Enthielt die Geldbörse ca. 12 Euro, dann stieg der Wert auf 51% Bei höheren Beträgen (ca. 80 Euro) stieg der Wert in Groß Britannien, Polen und den USA sogar auf 71%. Die Forscher entdeckten dieses Verhalten in fast allen 40 Ländern.

Ranking der Länder

Doch die „Ehrlichkeitsquoten“ waren von Land zu Land sehr unterschiedlich. Die Schweizer waren insgesamt am ehrlichsten. Bei hohen Geldbeträgen punkteten die Menschen in Dänemark, Neuseeland und Schweden. Am Schluss des Rankings finden wir Marokko (Platz 39) und China (Platz 40).

Ehrlichkeitsstudie
Anteil der Brieftaschen, die in der NoMoney and Money-Bedingung gemeldet wurden, nach Ländern.
Linke Seite: Anteil der in den Behandlungen NoMoney (0 USD) und Money (13,45 USD) angegebenen Geldbörsen nach Ländern. Der Geldbetrag in der Brieftasche richtet sich nach der Kaufkraft des jeweiligen Landes. Rechte Seite: Durchschnittliche Differenz zwischen Behandlungsgeld und NoMoney über Quartile basierend auf den absoluten Rücklaufquoten im NoMoney-Zustand. Fehlerbalken repräsentieren Standardfehler des Mittelwerts.

Zu Algerien und Tunesien gab es keine Daten. Deutschland lag an neunter Stelle und Österreich findet sich auf Platz 12 wieder. Insgesamt kamen mehr als 8000 Geldbörsen zurück. Die Forscher gehen davon aus, dass Menschen grundsätzlich ehrlich sein wollen. Für die Ehrlichkeit ist der eigene soziale Status nicht entscheidend. Das zeigt der oben genannte Effekt, dass die Ehrlichkeit mit steigendem Geldbetrag in der Börse steigt. Das gilt auch für Marokko und China.

Bedeutung der Ehrlichkeit für die Entwicklung in einem Land ist groß.

Aus Sicht der Forscher ist ehrliches Verhalten „ein zentrales Merkmal des wirtschaftlichen und sozialen Lebens. Ohne Ehrlichkeit werden Versprechungen gebrochen, Verträge werden nicht durchgesetzt, Steuern bleiben unbezahlt, und Regierungen werden korrupt. Solche Verletzungen der Ehrlichkeit sind für Einzelpersonen, Organisationen und ganze Gesellschaften kostspielig.“ Der Wohlstand einer Gesellschaft ist auch davon beeinflusst wie die Balance zwischen Eigeninteresse und Anteilnahme am Wohl des anderen oder der Gesellschaft austariert ist. Je mehr das Eigeninteresse dominiert und je weniger die Fähigkeit der Empathie oder gar das Interesse am Wohlergehen des anderen ausgeprägt sind, desto schwerer wird die soziale und wirtschaftliche Entwicklung eingeleitet, so die These.

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