Marokko – Boykottaufruf Danone und Sidi Ali weiter unter Druck.

Sidi Ali ist in Erklärungsnot, wegen eines Videos aus den Niederlanden.

Boykott
Boykott-Aufruf in Sozialen Medien gegen große Markenherstelller.

Danone reduziert seine Milcheinkäufe bei den Bauern um 30%. Sidi Ali kommt in Erklärungsnot.

Casablanca – Seit Mitte April sehen sich drei Marken und ihre Produkte einem Boykottaufruf, in den sozialen Netzwerken, gegenüber. Die noch immer nicht eindeutig identifizierten Initiatoren rufen seit dem dazu auf, mit der Geldbörse gegen vermeintlich überhöhte Lebensmittel- und Energiepreise zu protestieren. Insbesondere dem französischen Lebensmittelkonzern Danone, dem Mineralwasserhersteller Oulmes, mit der Marke Sidi Ali und der Tankstellenkette Afriquia wird Missbrauch ihrer Marktführerschaft vorgeworfen. Zunächst war unklar, ob die Marokkanerinnen und Marokkaner diesem Aufruf gefolgt sind. Doch erste Reaktionen der Marken ließen vermuten, dass ihre Produkte gemieden wurden. Nun zeigt sich, dass die betroffenen Unternehmen die Auswirkungen deutlich spüren und der Druck steigt.

Sidi Ali ist in Erklärungsnot, wegen eines Videos aus den Niederlanden.

Die Firma Oulmes, die die betroffene Mineralwassermarke Sidi Ali vertreibt, hatte durch eine Informationskampagne versucht, die Endpreise zu erläutern. Durchschnittlich kostet eine Falsche 1,5l Sidi Ali zwischen sechs und sieben marokkanische Dirhams (MAD). In einer Presserklärung wurde dieser Preis durch Produktionskosten, Steuern, Abgaben und Lizenzkosten begründet. Doch das milderte den Druck auf Oulmes nicht. Nun tauchte ein Video auf, das ein MRE in den Niederlanden aufgenommen hatte. Bei seinem Einkauf in einem marokkanischen Supermarkt fand er eine Palette Sidi Ali. Dort kostete ein Sechserpack 1,99€. Das sind aktuell (stand 01.06.2018) 22 MAD. Dies entspricht einem Stückpreis von 3,68 MAD und damit knapp etwas mehr als die Hälfte des Kaufpreises in Marokko. Eine offizielle Reaktion von Oulmes gab es dazu nicht. Doch die Aufregung ist bereits groß, dass das Wasser im Ausland billiger ist als im Inland.

 

Danone Reduziert seine Produktion um 30%.

Am letzten Dienstag, dem 29. Mai 2018, informierte Danone seine Lieferanten per Brief darüber, dass man aufgrund des Boykottes die Abnahmemenge um ca. 30% reduzieren müsse. Nach Angaben von Telquel Arabi, denen das Schreiben an die Landwirte vorliegt, gilt die Reduzierung der Einkaufsmengen unmittelbar. In dem Schreiben heißt es:

„Liebe Partner, seit dem 20. April ist Centrale Danone Gegenstand einer Boykottaktion, die sich auf den Verkauf aller Produkte ausgewirkt hat. Dieser Boykottaufruf hat Auswirkungen auf die Verarbeitung der bei unseren Partnern erzeugten Milch. Als verantwortungsbewusster Wirtschaftsteilnehmer hat das Unternehmen, seit Beginn der Boykott – Kampagne, darauf geachtet, die gleichen Milchmengen einzukaufen und seine Partner innerhalb der gleichen Fristen zu bezahlen. Trotz all dieser Anstrengungen und angesichts eines überdurchschnittlichen Umsatzrückgangs bedauern wir die Entscheidung, die nationale Milchproduktion ab Dienstag, dem 29. Mai 2018, um 30% zu reduzieren.“

Danone Chef stellt sich im Fernsehen.

In einem TV-Interview in der Nachrichtensendung von 2M-TV stellte sich der Chef von Danone Marokko, Didier Lamblin. Dabei bedauerte er die Auswirkungen auf die Landwirte und erläuterte erneut die Situation aus Sicht von Danone. Wie dem Schreiben an die Landwirte bereist zu entnehmen war, versucht Danone die nicht verkaufbare Milch zu nutzen, indem weitere Produkte wie Butter oder gar Milchpulver produziert werden. Doch es sei bereits als letztes Mittel zur Vernichtung von überschüssiger Milch gekommen.

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