Marokko – Bürgermeister von Rabat will rosa Busse.

Stadtrat von Rabat misst Kampf gegen Gewalt an Frauen große Bedeutung zu.

Rabat
Bürgermeister schlägt rosa Busse für Rabat vor.

Frauen sollen vor Belästigung und Gewalt in öffentlichen Bussen besser geschützt werden.

Rabat – So kurios die Forderung nach rosa Bussen zunächst klingt, sie hat doch einen handfesten und ernsten Hintergrund. Der Bürgermeister der marokkanischen Hauptstadt hat sich klar gegen die Belästigung und Gewalt gegen Frauen in öffentlichen Bussen ausgesprochen. Um den Frauen einen besseren Schutz bieten zu können, schlug er vor gesonderte Busse anzubieten.

Rosa Busse als Schutzraum für Frauen.

Laut Rabats Bürgermeister Mohamed Sadiki würden rosa Busse „die Häufigkeit von Gewalt und Belästigung gegen Frauen reduzieren“. Anlässlich des Endes der 15. nationalen Kampagne gegen Gewalt an Frauen, am 21. Dezember, kündigte Mohamed Sadiki seine Absicht an, rosafarbene Busse, die für Frauen reserviert sind, in Umlauf zu bringen. In seiner Ankündigung schränkte er aber ein: „Ich sage nicht, dass die Inbetriebnahme eines solchen Busses in naher Zukunft erfolgen kann. Aber sobald das Problem des öffentlichen Verkehrs in Rabat gelöst ist, werden wir diese Initiative prüfen“, sagte der Bürgermeister weiter. „Diese neuen Busse würden es ermöglichen, den weiblichen Fahrgästen Schutz anzubieten, insbesondere in der Hauptverkehrszeit.“

Stadtrat von Rabat misst Kampf gegen Gewalt an Frauen große Bedeutung zu.

In diesem Zusammenhang erklärte der Bürgermeister und PJD Mitglied, dass der Stadtrat von Rabat dem Kampf gegen die Gewalt an Frauen eine „große Bedeutung beimisst“, indem er die Verbände, die sich mit diesem Thema beschäftigen, „unterstützt“. Der Bürgermeister schloss seine Rede vor dem Verband der PJD-Ingenieure, dessen Vorsitzender er ist, mit einem Vergleich zu westlichen Gesellschaften. „Obwohl wir eine muslimische Gesellschaft sind, die den Unterdrückten gerecht werden soll, sind westliche Gesellschaften in diesem Bereich besser, weil sie Gewalt gegen Frauen ablehnen und sich ihr stellen“. Der Bürgermeister betont in seiner Rede, dass „Gewalt gegen Frauen der marokkanischen Kultur fremd ist“.

Der marokkanischen Kultur ist Gewalt gegen Frauen fremd, der marokkanischen Gesellschaft allerdings nicht.

Obwohl die Gleichstellung von Mann und Frau in der marokkanischen Verfassung festgeschrieben ist und viele Gesetze die Frauen in eine stärkere Rolle für die Gesellschaft heben möchten, spiegelt die Realität ein anderes Bild wieder. Leider ist auch Gewalt gegen Frauen kein Einzelfall und in der marokkanischen Gesellschaft damit nicht fremd. Dazu zählt die tatsächliche physische Gewalt durch brutale körperliche Misshandlung. Es beginnt aber schon bei der reinen verbalen Belästigung. Da können eigene Transportmittel eine sinnvolle Unterstützung sein, aber sicherlich nicht eine Lösung, auf die der männliche Teil der Gesellschaft zufrieden schauen sollte. Frauen in einem stolzen und islamischen Land sollten solche Schutzräume nicht nötig haben.

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