Marokko – Deutschland fliegt eigene Bürger aus.

Deutschland organisiert „kommerzielle“ Flüge.

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Eurowings
Deutschland kündigt Flüge aus Marokko an.

Deutsche Botschaft in Rabat kündigt Flüge aus Marokko für Ende dieser Woche an.

Rabat – Für den kommenden Freitag wurden erste Flüge von Marokko nach Deutschland angekündigt, die deutsche Staatsbürger oder Bürger mit ständigem Wohnsitz in Deutschland ausfliegen sollen. Dies teilte die deutsche Botschaft in Rabat auf ihrer Website und auf ihrer Facebook-Seite am gestrigen Abend mit. Bis letzten Mittwoch waren ausreisewillige Staatsbürger und Menschen mit ständigen Wohnsitz in Deutschland dazu aufgefordert, sich in die Datenbanken des Auswärtigen Amtes einzutragen und auch Kriterien mitzuteilen, aus der sich eine besondere Dringlichkeit ergibt, um ggf. bevorzugt berücksichtigt zu werden.

Marokko prüft jeden Einzelfall.

Das nordafrikanische Königreich hatte im März, als Teil der Eindämmungsmaßnahmen gegen das Coronavirus, die Grenzen geschlossen und auch inländische Reisen untersagt. Daraufhin strandeten mehrere tausend Touristen aus aller Welt in Marokko. Per Sonderflüge hatte Deutschland Mitte und Ende März zahlreiche Staatsbürger aus Agadir, Marrakech und Casablanca ausgeflogen. Die marokkanischen Behörden verschärften die Anforderungen für die Ausreisegenehmigungen danach nochmals. Das Land behält sich vor, jeden Einzelfall zu prüfen und legt sog. humanitäre Kriterien an, wenn es um die Ausreise von Personen geht. So musste nun auch Deutschland für die registrierten und ausreisewilligen Personen Gründe angeben, warum eine Ausreise geboten sein sollte. Die deutsche Botschaft zeigte sich erfreut, über die schnelle Prüfung und Genehmigung der ersten Ausreiselisten durch die marokkanischen Behörden, womit erste Flüge am kommenden Freitag möglich werden.

Facebook
Facebook – Post – Deutsche Botschaft zur anstehenden Ausreise von Bürgern aus Marokko vom 11. Mai. 2020

Deutsche Botschaft informiert einzelne Personen.

Anders als bei der Rückholaktion im März diesen Jahres, hat die deutsche Botschaft keine konkreten Abfluginformationen öffentlich bekanntgegeben. Dadurch, dass Marokko für einzelne Personen Ausreisegenehmigungen erteilt, stehen die Passagierlisten praktisch fest. Folglich hat die Botschaft in Rabat angekündigt, dass man jeden Bürger und jede Bürgerin, die ausreisen kann, über die registrierten Kontaktinformationen ansprechen wird (voranging per Email). Marokko unterstützt Abflüge bevorzug vom Flughafen Mohammed V in Casablanca. Auch die jetzigen Flüge werden wohl von Casablanca aus starten. Frankreich konnte aber zuletzt auch Bürger aus Marrakech ausfliegen. Deutsche Touristen befinden sich derzeit vermehrt in den Regionen um Marrakech und Agadir. Zahlreiche Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft (deutsch/marokkanisch) sind vermehr in der Region Oriental (Tanger – Tetouan – Al Hoceima) und in der Region Fés – Meknés gestrandet.

Flughafen
Quelle ONDA – Flughafen Mohammed V. Casablanca

Deutschland organisiert „kommerzielle“ Flüge.

Die anstehenden Flüge gehören nicht mehr zur allgemeinen Rückholaktion des Auswärtigen Amts. Außenminister Maas kündigte bereits an, dass die Rückholaktion, bei der über 240.000 deutsche Staatsbürger aus weiten Teilen der Welt nach Deutschland ausgeflogen wurden, beendet ist. Nach eigenen Angaben war dies die größte Rückholaktion, in der Geschichte der Bundesrepublik. Grundsätzlich müssen sich Bürgerinnen und Bürger an Rückholaktionen finanziell beteiligen. Für die angekündigten Flüge scheint man die Eurowings als Partner gewonnen zu haben. Dies geht aus Kommentaren auf Facebook hervor. Die Lowcoast Airline der deutschen Lufthansa bietet sog. „kommerzielle“ Flüge an. Dabei fliegt man vor allem Düsseldorf und Köln an. Personen, die auf der Ausreiseliste stehen, bekommen eine Informationsmail mit der Aufforderung, sich um die Flugbuchung bei Eurowings zu kümmern. Dazu sind persönliche Angaben an die Fluggesellschaft zu senden und es muss, zur Zahlungsabwicklung auch Kontakt zur Hotline der Fluggesellschaft aufgenommen werden. Eine Kontaktaufnahme macht aber nur Sinn, wenn man auf der Ausreiseliste steht.

Weitere Beratungen mit marokkanischen Behörden.

Bei dieser ersten Gruppe an Ausreisewilligen soll es wohl nicht bleiben. Die Informationen der deutschen Botschaft in Rabat lassen vermuten, dass das marokkanische Außenministerium weitere Listen von Ausreisewilligen prüft. Hier wird angekündigt, dass man weitere Lösungen anstrebe. Von der aktuellen Ankündigung profitieren zunächst nur Personen, die das Land per Flugzeug verlassen können. Dabei werden Menschen in Notsituationen voranging berücksichtigt. Zahlen müssen sie für den Flug aber dennoch.

Außenministerium
Marokkanisches Außenministerium in Rabat

Leidensdruck steigt von Tag zu Tag.

Auf allen Seiten steigt der Leidensdruck bei den Betroffenen und Beteiligten. Auch Maghreb-Post erreichen immer wieder Emails von gestrandeten deutschen Bürgerinnen und Bürger und von sog. MREs, also Marokkanerinnen und Marokkaner mit ständigem Wohnsitz im Ausland (hier Deutschland, Österreich und die Schweiz). Bei vielen geht es, um aufgebrauchte Medikamente, um wirtschaftliche Zwänge und um die Überwindung der Trennung von der Familie. Betroffen sind auch viele ältere Personen, vor allem bei den sog. MREs, die mit dem Prozess via Email, Facebook und elektronischen Registrierungssystemen überfordert sind. Obwohl Marokko zumindest nach offiziellen Angaben die Coronavirus – Pandemie verhältnismäßig gut im Griff hat, ist das Vertrauen in das lokale Gesundheitssystem gering, so dass viele einfach nach Deutschland wollen, alleine aus Sorge in Marokko doch zu erkranken, auch wenn die Wahrscheinlichkeit geringer ist.

Arbeit der Deutschen Botschaft wird teils heftig kritisiert.

Aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der deutschen Botschaft arbeiten seit Wochen unter hohem Druck und erschwerten Rahembedingungen. So sind sie von den Regelungen und Einschränkungen des Gesundheitsnotstands genauso betroffen, wie alle anderen Menschen in Marokko. Trotz der bisherigen organisierten Maßnahmen ist die Kritik auf Facebook, an der Arbeit der Botschaft zahlreich und nicht selten heftig. Die Erwartungen an das Organisationstalent Deutschlands sind groß. Grundsätzlich sind alle Beteiligten in Rabat und Berlin bemüht Lösungen zu schaffen. Die Kritik resultiert aus dem Eindruck einer sehr hektischen und vorschnellen Kommunikation, die mit Unsicherheiten behaftet war. Dies erlebten viele, bei der Abwicklung der ersten Rückholaktion. Dennoch muss man allen Beteiligten zugute halten, dass man sich einsetzt und anders als Marokko, holt Deutschland seine Bürger zurück.

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