Marokko – Deutschland starten Rückholaktion aus Marokko

Mitnahme ggf. nicht für jeden ausreisewilligen Bürger.

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Deutschland
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Abflugorte Agadir, Casablanca und Marrakech mit Priorität für Deutsche Bürger. Für Bürger mit Aufenthaltstitel soll nach einer Lösung gesucht werden.

Rabat – Die deutsche Bundesregierung, vertreten durch das Auswärtige Amt und die Deutsche Botschaft in Rabat, hat in diesen Tagen deutsche Staatsbürger aus Marokko ausgeflogen bzw. über Ausreisemöglichkeiten informiert. Bereits am 18. März 2020 sind, nach Angaben der Deutschen Botschaft in Rabat, 2700 deutsche Staatsbürger ausgeflogen worden. Für den heutigen 19. März steht eine zweite Abholaktion an. Voraussetzung für eine Aufnahme in das Notfallregister war eine vorherige Registrierung in die sog. Krisenvorsorgeliste ELEFAND.

Botschaft
Deutsche Botschaft in Rabat

Dort registrierte Personen bekamen am frühen gestrigen Morgen einen Brief der Botschaft, in dem sie darüber informiert wurden, das für den heutigen 19. März 2020 an drei Standorten Flugzeuge bereitgestellt werden. Abflugorte sind Agadir, Casablanca und Marrakech. Dabei wurde mitgeteilt, dass man in Agadir um 16:00 Uhr, in Casablanca um 8:00 Uhr und in Marrakech um 12:00 Uhr an den jeweiligen Flughäfen zu erscheinen hat. An Ort und Stelle wird man dann abschließend registriert und auf die Flugzeuge verteilt. Abflug soll dann ca. 4-6 Stunden später sein. Ziel ist der Flughafen Frankfurt am Main.

Kurzfristige Änderung des Abflughafen Rabat.

In dem Brief vom frühen Morgen des 18. März 2020 war neben Agadir und Marrakech noch der Abflughafen der marokkanischen Hauptstadt Rabat in Salé genannt worden.

Flughafen
Flughafen Rabat – Salé Terminal 1

Der ursprüngliche Abflugort Rabat sei aus technischen oder organisatorischen Gründen entfallen und durch Casablanca ersetzt worden, hieß es dann um 15:31 Uhr Ortszeit auf der Website der Botschaft. Wer sich also bereits auf den Weg nach Rabat gemacht hat, könnte von der Änderung überrascht werden.

Mitnahme ggf. nicht für jeden ausreisewilligen Bürger.

Die deutsche Botschaft teilt auf Ihrer Website um 20:31 Uhr Ortszeit mit, dass für jeden ausreisewilligen deutschen Staatsbürger gesorgt werden wird. Doch der Begriff deutscher Staatsbürger wird dabei sehr eng gefasst. Auf der Website heißt es dazu: „Das Rückholprogramm der Bundesregierung richtet sich prioritär an deutsche Staatsangehörige und deren Familienangehörige, die sich vorübergehend in Marokko aufhalten (z.B. Urlaub, Auslandssemester). Für Personen, die einen Aufenthaltstitel für Deutschland haben, in Deutschland leben und von dort in den Urlaub gereist sind, sowie für Deutsche Staatsangehörige, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Marokko haben, bemühen wir uns im Rahmen der Kapazitäten, eine Lösung zu finden.“

Rückholaktion
Rückholaktion der deutschen Bundesregierung bezieht nicht alle Bürgerinnen und Bürger mit ein.

Diese Formulierung lässt den Schluss zu, dass man nicht alle Personen mitnehmen wird. Insbesondere Menschen, die nur einen sog. „Aufenthaltstitel“ besitzen, also z.B. Marokkanerinnen und Marokkaner, die unter Umständen seit Jahrzehnten in Deutschland Leben und ihren gesellschaftlichen Beitrag leisten, könnten zunächst zurückbleiben. In wie fern eine doppelte Staatsbürgerschaft ebenfalls zu einer mögliche Abweisung führt, ist unklar. Die oben zitierte Formulierung hat bei dem ein oder anderen von Maghreb-Post in Marokko angesprochenen Bürger Deutschlands einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.

Marokko kündigt vollständige Schließung des Luftraums an.

Offiziell hat Marokko bereits vor Tagen den Aus- und Einreiseverkehr unterbunden. Zunächst auf Druck von Frankreich und später auch Deutschlands, hat das nordafrikanische Königreich die organisierte und gebündelte Ausreise zugelassen. Anscheinend will aber Marokko den Luftraum ab dem 20. März 00:00 Uhr Ortszeit endgültig schließen. Das Land schottet sich weitestgehend im Kampf gegen den Coronavirus COVID-19 ab. So sehr man auch die Maßnahme nachvollziehen kann, wenn es darum geht keine Personen aus in Europa besonders betroffenen Regionen einreisen zu lassen, so unnötig erscheint zunächst die Vorgehensweise für die Einschränkungen bei der Ausreise. Wer von dem Ziel- oder Transitland nicht abgewiesen wird, sollte das Land verlassen können. Auch solche Rückführungsaktionen hätten gut und gerne von der marokkanischen – staatlichen Fluggesellschaft Royal Air Maroc durchgeführt werden können. Was nicht nur eine Hilfe für die ausreisewilligen gewesen wäre, sondern auch ggf. zu zusätzlichen Einahmen geführt hätte. Derzeit stehen die Flugzeuge am Boden still.

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