Marokko – Eisenbahnnetz soll mit 10,5 Mrd. MAD umfassend modernisiert werden.

Keine Erweiterung des Schienennetzes

Mohammed VI.
König Mohammed VI. von Zuschauern begrüßt

Bisherige Strecken werden erneuert und ausgebaut. Planungen für völlig neue Verbindungen fehlen weiterhin.

Rabat – König Mohammed VI. weihte am gestrigen Samstag mehrere Großprojekte, die zum Teil im Rahmen der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Casablanca – Tanger umgesetzt wurden, offiziell ein. Unter ihnen Afrikas größten Bahnhof in Rabat Agdal. Bereits am letzten Donnerstag weihte der König gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron den neuen Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq ein. Im Rahmen der offiziellen Eröffnungsfeier für den neuen Hauptstadtbahnhof kündigte der Monarch weitere Investitionen in das nationale Eisenbahnnetz an.

Al Boraq
Erstes Al Boraq Ticket für Präsident Macron und König Mohammed VI.

In einer Pressemeldung, die über die marokkanische – staatliche Nachrichtenagentur MAP verbreitet wurde, kündigte König Mohammed VI. weiter Modernisierungen an. Geplant ist, die Reise- und Transportbedingungen auf der Schiene zu verbessern, um Reisezeiten zu verringern und die Transport- und Reisemöglichkeiten zu erweitern.

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Ausbau der bisherigen Schienenkapazitäten

In der Erklärung wird angekündigt, dass die jetzigen Schienenkapazitäten zwischen Casablanca und Kenitra durch den Bau einer dritten Trasse erhöht werden sollen. Die jetzige Verbindung zwischen Casablanca und Marrakech soll durchgehend mindestens zweigleisig werden. Die Bahnhöfe Rabat Agdal, Tanger, Kenitra und Casa-Voyageurs sowie die neuen Bahnhöfe Oujda und Benguerir sollen ausgebaut bzw. modernisiert werden.

Gesamtinvestitionen von ca. 10,5 Milliarden MAD angekündigt.

Der Ausbau der Strecke Casablanca-Kenitra soll ein Investitionsvolumen von ca. 5,2 Mrd. marokkanische Dirham (MAD) haben. Dadurch soll der Knotenpunkt Casablanca erweitert und entlastet werden. Die neue Strecke soll die Kapazitäten um das ca. 2,5 fache erhöhen. Dadurch sollen Taktzeiten von gerade mal 3 Minuten ermöglicht werden.

marokkanische Eisenbahnbehörde ONCF
ONCF marokkanische Eisenbahnbehörde Bahnhof Rabat Ville

Der vollständige zweigleisige Ausbau der Eisenbahntrasse Casablanca – Marrakesch (ca. 174 Kilometer) wird ca. drei Mrd. MAD kosten. Dadurch erhofft man sich eine Vervielfachung der Transport- und Reisekapazitäten auf bis zu 100 Fahrten (Passagier- und Gütertransporte) pro Tag. Gleichzeitig sollen ca. 6,5 Millionen Tonnen Treibhausgase weniger an die Umwelt abgegeben werden, durch die Verlagerung des Straßenverkehrs auf die Schiene. Insgesamt sollen ca. 10,5 Mrd. MAD bzw. rund eine Mrd. Euro investiert werden.

Weiterer Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes läuft parallel.

Die neue Investitionsankündigung Marokkos bezieht sich nicht auf das Hochgeschwindigkeitsnetz. Bereits im Vorfeld hatte die marokkanische Regierung und die staatliche Eisenbahngesellschaft ONCF angekündigt auch ein neues Hochgeschwindigkeitsnetz aufzubauen. So soll es Verbindungen zwischen Casablanca über Marrakech bis nach Agadir geben. Ebenso soll eine Verbindung von Rabat über Meknés und Fés nach Oudja gebaut werden. Hier orientiert man sich vor allem an der jetzigen Streckenführung, wobei Agadir erstmalig an das zivile Schienennetz angebunden werden soll.

Marokko testet Hochgeschwindigkeitszüge
Marokko testet Hochgeschwindigkeitszüge

Keine Erweiterung des Schienennetzes

Erneut ist auch bei dieser Ankündigung auffällig, dass man die gegebene Infrastruktur modernisiert bzw. ausbaut, aber nicht in die Fläche erweitert. Marokkos Investitionen konzentrieren sich nahezu ausschließlich auf die Küstenregionen entlang des Mittelmeeres und des Atlantiks. Dort konzentrieren sich der Tourismus und die industrielle Produktion. Alle Regionen die sich mehr als ca. 200 km von der Küste entfernt befinden, profitieren kaum. So endet das Schienen und Autobahnnetz in einem Halbkreis von Meknés/Fés über Marrkech nach Agadir. Regionen im Landesinneren wie z.B. die Provinz Draa/Tafilalt (Azrou, Midelt, Khenifra, Errachidia) sowie alle ländlich geprägten Regionen geraten zunehmend ins Hintertreffen. Diese Regionen leiden seit Jahrzehnten unter dem Klimawandel und dem Verlust von Einnahmequellen. Damit forciert die Regierung in Rabat die Disparitäten zwischen den Regionen, obwohl nicht zuletzt König Mohammed VI. nicht müde darin wird, den Abbau der Disparitäten zwischen den Regionen von seiner Regierung zu fordern.

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