Marokko – Erinnerung an den Kampf gegen die Kolonialmächte

Monarchie und Volk fordern Rückzug der Besatzer.

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Mohammed V.
König Mohammed V. und Kronprinz Hassan II von Marokko 1956

Feierlichkeiten zum Gedenken des Kampfes um Unabhängigkeit.

Rabat – Am 20. August, gedenkt Marokko seines Kampfes gegen den Kolonialismus. Der 20. August 1953 gilt in der marokkanischen Geschichtsschreibung als Wendepunkt und als Erneuerungsdatum der Verbindung zwischen dem Volk und der Monarchie. In diesem Jahr begeht Marokko diesen Tag zum 65. Mal. Am 20. August 1953 erreichten die Forderungen des marokkanischen Volkes und des damaligen Königs Mohammed V. nach Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien einen ersten Höhepunkt. Frankreich sah sich gezwungen sein Protektorat „Französisch-Marokko“ zu schützen und verbannte die königliche Familie auf die Insel Madagaskar. Marokko bezeichnet diese Verbannung bis heute als Putsch.

Königreich weckte immer wieder Begehrlichkeiten.

Immer wieder wurde um die Herrschaft über Marokko auf der weltpolitischen Bühne gerungen. Die strategische Lage am Zugang zum Mittelmeer sowie als Tor zu Afrika und dessen Reichtümer ließen bei den Europäern aber auch bei den USA früh Begehrlichkeiten aufkommen. Marokkos Weg in die Unabhängigkeit war lang und blutig. Im Maghreb hat nur das algerische Nachbarland im Kampf um Unabhängigkeit mehr Opfer erleiden müssen.

Der Weg in die Unterdrückung

Marokko wurde in drei aufeinanderfolgenden Kriegen und in Teilen durch Spanien von 1893 bis 1921 erobert. Dabei konzentrierte sich Spanien vor allem auf den Nordosten Marokkos, dass sogenannte Rif, das damals bereist als reich an Erzen galt. Frankreich eignete sich ebenfalls weite Teile des Landes an. Frankreich erlangte die Macht über das damalige Sultanat, durch militärische Kooperation mit Spanien sowie Besetzung und politischem Terror. Der letzte Krieg 1921 fand hauptsächlich im Rif-Gebirge, gegen die dortigen Berberstämme, statt. Die Rifkabylen erhoben sich gegen Spanien unter der Führung des charismatischen Lehrers Mohammed Abd Al-Karim El Khattabi, der zeitweise so erfolgreich kämpfte und politisch agierte, dass er weltweit Aufmerksamkeit auf die Situation im Rif lenkte und sogar einen eigenen Staat im Rif ausrief.

Abdelkrim El Khattabi
Abdelkrim El Khattabi – Anführer der Rifkabylen im Kampf gegen die spanische Besatzung

Erst durch die Zusammenarbeit zwischen Frankreich, unter der Führung von General Philippe Pétain, und Spanien, unter Führung des späteren Diktators General Francisco Franco, konnte der Aufstand niedergeschlagen werden. Dabei scheute vor allem Spanien nicht vor dem Einsatz von Giftgas (Senfgas) zurück, das mit deutscher Hilfe produziert wurde. Bis heute leidet die Rif-Bevölkerung unter dem Giftgaseinsatz. Die Böden sind noch immer verseucht und die Krebsrate liegt über dem Landesdurchschnitt.

Lesen sie mehr: Video – Ein vergessener Krieg – Marokkos Kampf um Freiheit.

Unter dem Vorwand des Protektorats wurde Marokko kolonialisiert.

Marokko geriet erstmalig 1912 unter überwiegender Kontrolle Frankreichs und Spaniens, indem sich die beiden Länder als Schutzmacht positioniert. Am 30. März 1912 unterzeichnete Marokko unter Druck einen Kooperationsvertrag mit Frankreich und Spanien und gab somit die Kontrolle für die eigene Sicherheit ab. Die marokkanischen Sultane legitimierten vor allem Frankreich als Schutzmacht und Marokko wurde so zum Protektorat. Sie taten dies im Glauben, sich im Falle eines Weltkrieges nicht selbst schützen zu können. Frankreich galt als stärkste Militärmacht der Welt.

Sowohl Frankreich als auch Spanien ließen es nicht dabei bewenden ein Protektorat auszuüben, sondern nutzten nun die Gunst der Stunde, um den Maghreb weiter zu kolonialisieren. Algerien war bereits von Frankreich besetzt.

Für die nächsten 44 Jahre wurde das Land ausgebeutet. Die Arbeitskraft und die Rohstoffe wurden ausgeschöpft und die Würde sowie das Freiheitsstreben der Menschen unterdrückt.

Kampf gegen den Kolonialismus entwickelte sich weiter.

Doch der Drang nach Unabhängigkeit lies die Widerstandsbewegung nie völlig einbrechen. Erst in der Kulturstadt Fés und später auch in den Bergregionen des Rifs und des Atlas flammte der Widerstand erneut auf. Frankreich und Spanien waren jeweils durch den Zweiten Weltkrieg geschwächt und die Ereignisse in Marokko begannen die gesamte Region sowie die Besatzungsmächte selbst zu destabilisieren. Noch im Glauben daran, dass das marokkanische Volk seine Unabhängigkeit zurück gewinnen kann, in dem es auch für Frankreich kämpfte, gab es viele Marokkaner, die in Europa und dem damaligen Indochina an der Seite der Kolonialmächte kämpften. Doch es gab dafür keine Belohnung. Im Gegenteil, denn die Aufstände gegen die Besatzung wurden brutal unterdrückt. Der Kampf gegen den Kolonialismus intensivierte sich.

Monarchie und Volk fordern Rückzug der Besatzer.

König Mohammed V. von Marokko stellte sich seit 1930 an die Seite und später an die Spitze der politischen Bewegung und forderte zunehmend für sein Volk die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien. Im Jahr 1947 besuchte er die damalige internationale Stadt Tanger und überreichte an die Vertretung Frankreichs die schriftliche Forderung sich aus Marokko zurückzuziehen.

Kampf gegen den Kolonialismus
König Mohammed V. fordert 1947 in Tanger den Rückzug Frankreichs aus Marokko

Diese Forderung lies Frankreich einen politischen Putsch gegen Mohammed V. vorbereiten. Frankreich versuchte einige Sultane und Stammesführer in den Regionen dazu zu bewegen, sich gegen den König zu wenden und ihm ihre Unterstützung zu entziehen. Dies gelang auch in wenigen Fällen. Damit war der nötige Vorwand eines vermeintlichen Aufstands gegen den König gegeben. Frankreich setzte den König in seinem Palast fest und stellten ihn unter Hausarrest. Sie behaupteten den König gegen Aufständige schützen zu müssen. Doch der Druck aus der Bevölkerung auf die französischen Besatzer ließ nicht nach. Am 20. August 1953 setzte Frankreich König Mohammed V. ab und deportierte ihn zunächst auf die Mittelmeerinsel Korsika und später dann nach Madagaskar. An diese Absetzung erinnert sich heute Marokko.

Das Volk forderte dennoch die Unabhängigkeit und nun auch die Rückkehr des Königs.

Wider Erwarten hat die Absetzung und Deportation von König Mohammed V. nicht dazu geführt, dass der Widerstand der Marokkaner nachließ. Frankreich sah sich verstärkt der Forderungen nach Unabhängigkeit Marokkos und Befreiung von König Mohammed V. gegenüber. König Mohammed V. war beliebt im Volk. Während das Volk am heutigen Tag der Widerstandsbewegung gedenkt, gedenkt die Monarchie der Unterstützung durch das Volk. Die Ereignisse vom 20. August 1953 mündeten schließlich in die Unabhängigkeit des Königreiches Marokko im Jahr 1956 unter dem wiedergekehrten König Mohammed V., auf den König Hassan II. und nun König Mohammed VI. folgten. Bis heute ist der Einfluss Frankreichs in Marokko groß. Frankreich sieht in Marokko noch immer einen Teil seines politischen Einflussbereiches. Viele politische und wirtschaftlichen Strukturen in Marokko sind an das französische Modell angelehnt. Auch Marokko lehnt sich politisch und wirtschaftlich an Frankreich an.

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