Marokko – Erneute Bewerbung um die FIFA WM 2030 angekündigt.

Kooperationsangebot aus Algerien und Unterstützung aus Qatar für 2030

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FIFA WM
Auslosung in Moskau zur FIFA WM 2018

Marokko kündigt an, sich für die FIFA – Fußball – WM 2030 als Gastgeber zu bewerben.

Rabat – Nur einen Tag nach der deutlichen Niederlage in Moskau, bei der sich die FIFA – Delegierten für die gemeinsame Bewerbung von Kanada, Mexiko und die USA als Gastgeber der WM 2026 entschieden haben, kündigte das Königreich Marokko an, sich erneut zu bewerben. Das gab der Minister für Jugend und Sport, Rachid Talbi, bekannt. In Rabat mag man wohl nicht aufgeben wollen.

Direkte Anweisung von König Mohammed VI.

König Mohammed
König Mohammed VI. von Marokko

Wie der Minister für Jugend und Sport, Rachid Talbi, bestätigte, legte sich Marokko, kaum 24h nach der Abstimmung in Moskau, erneut fest. Dabei soll seine Majestät König Mohammed VI. selbst diese Entscheidung getroffen haben. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte der Minister: „Auf Anweisung Seiner Majestät König Mohammed VI. werden wir die Organisation des FIFA World-Cups 2030 anstreben.“ Das wäre dann für Marokko bereits die sechste Bewerbung. Marokko möchte als zweites Land Afrikas und als erstens Land Nordafrikas die WM ausrichten. Bisher hatte nur Südafrika die Möglichkeit die WM auf afrikanischem Boden auszurichten.

Marokkaner über die Art der Niederlage sehr verärgert.

Die gestrige Niederlage Marokkos erregt im Königreich die Gemüter. Das Marokko einen schweren Stand gegen die finanzstarken amerikanischen Bewerber hat, war allen klar. Doch das Königreich hatte zumindest gehofft, dass neben den afrikanischen Staaten, vor allem die arabischen und muslimischen Länder für Marokko stimmen würden. Umso enttäuschter und verärgerter ist man nun, da man im Königreich feststellen musste, dass selbst vermeintlich enge Verbündete, die teilweise zusagten für Marokko zu stimmen, sich dann für die Konkurrenten entschieden. Hier trifft der Zorn der Nordafrikaner vor allem das Königreich Saudi Arabien. Aber auch die übrigen Golfstaaten, bis auf Oman und Qatar, stimmten für die Mitbewerber. Das hatte Marokko so nicht erwartet.

Fußball
Marokkanische Fußball – Fans

Besonders positiv wurde die Unterstützung der maghrebinischen Staaten wie Tunesien, Ägypten (im weitesten Sinne) und vor allem Algerien aufgenommen. Selbst Nigeria, das von den USA unter Druck gesetzt wurde, hatte sich für Marokko ausgesprochen.

Kooperationsangebot aus Algerien und Unterstützung aus Qatar für 2030

Noch am gestrigen Abend hatte König Mohammed VI. telefonischen Kontakt mit dem Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani von Qatar. Bei diesem Gespräch soll auch über eine mögliche erneute Bewerbung Marokkos, als Gastgeber der FIFA WM 2030 gesprochen worden sein. Nach Medienberichten soll der Emir von Qatar bereist seine Unterstützung fest zugesagt haben.

Qatar
Emir von Qatarh Tamim Bin Hamad Al Thani und König Mohammed VI. von Marokko

Unmittelbar nach der gestrigen Abstimmung in Moskau äußerte sich der Präsident des algerischen Fußballverbandes FAF, Kheirredine Zetchi: „Ich denke, dass in Zukunft für eine erfolgreiche Bewerbung, als Ausrichter einer Weltmeisterschaft, mehrere Länder zusammenkommen müssen, damit die Erfolgschancen steigen.“ Dabei befürwortete er eine gemeinsame Bewerbung von Algerien und Marokko.

Gegenüber dem Sportsender BEIN-Sports ging der marokkanische Botschafter in Russland, Abdelkader Lachhab, auf die Anregung aus Algerien ein. „Das ist eine sehr gute Idee (gemeinsame Bewerbung) und wir stimmen zu 100% mit dem Präsidenten der FAF überein.“

Eine Chance zu Kooperation und Frieden

Wenn der Gedanke der Kooperation um Tunesien oder gar Libyen ausgeweitet werden könnte, wäre dies eine große Chance für die Region, über ein gemeinsames Projekt, die Zusammenarbeit zu verstärken und für Entspannung zu sorgen. Gerade zwischen den Nachbarn und zugleich Rivalen Algerien und Marokko wäre eine politische Entspannung wünschenswert. Was könnte da mehr verbinden als Fußball, in Ländern, die man gerne auch als fußballverrückt bezeichnen könnte.

Marokko prüft die geplanten Infrastrukturmaßnahmen auch ohne WM umzusetzen.

In der marokkanischen Politik wird nach der Niederlage in Moskau diskutiert, ob man die Infrastrukturmaßnahmen aus der Bewerbung nun dennoch umsetzen kann. Dies ist nicht ohne weiteres möglich. Mit Hilfe des Status als WM – Gastgeberland hatte man darauf gesetzt, dass viele Projekte durch private Investoren umgesetzt werden, die sich mit der WM ein gutes Geschäft erhoffen würden. Dies betrifft vor allem die Infrastruktur in den Bereichen Transport (Busse, Taxis usw.), Telekommunikation und Hotelgewerbe. Ebenso fallen Effekte aus einem möglichen Wirtschaftswachstum für den Staatshaushalt geringer aus. Auch Kredite aus dem Ausland sind so schwerer zu beschaffen. Das könnte den Umfang und das Tempo beeinflussen.

WM im Königreich nicht unumstritten. Neue Bewerbung eine Chance für die Region.

Von Beginn an löste die Bewerbung Marokkos im eigenen Land nicht nur Begeisterung aus. Nicht wenige kritisierten das Lieblingsprojekt des Königs und waren der Meinung, das Marokko die falschen Prioritäten setzen würde. Bevor man sich als Gastgeber eines solchen Spektakels bewirbt, solle man das Geld in die Armutsbekämpfung investieren. Befürworter sahen in den geplanten Investitionen einen Anschub für die wirtschaftliche Entwicklung und damit einen wesentlichen Beitrag für die Gesamtentwicklung des Landes, welche dann auch der Armutsbekämpfung dienlich wäre.

Algerien
Weg nach Algier.

Eine mögliche gemeinsame Bewerbung mit Algerien oder gar zusätzlich mit Tunesien würde die Lasten auf breitere Schultern verteilen und gleichzeitig eine friedensstiftende Mission verfolgen. Wenn dabei der Konflikt um die Westsahara beigelegt werden könnte, wäre der Weg für eine umfassende Friedens- und Entwicklungspolitik im Maghreb frei. Die Menschen im Maghreb wären bereit und die Politik könnte eine große Chance ergreifen.

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