Marokko – Erneute Vertagung des Prozessauftakts im Mordfall der skandinavischen Touristinnen.

Gericht vertagt sich auf den 30. Mai 2019. Druck auf die Justiz ist groß.

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Marrakech
Gesuchte Tatverdächtige in Marrakech gefasst.

Staatsanwaltschaft beantragt Vertagung, da marokkanischem Staat eine Mitschuld unterstellt wird.

Salé – Heute sollte, an der für terroristische Taten zuständigen Strafkammer von Salé, der Prozessauftakt gegen 24 mutmaßliche Täter bzw. Mittäter im Fall der ermordeten skandinavischen Touristinnen stattfinden. Das Gericht hat aber den Prozessauftakt nun zum zweiten Mal verschoben. Es folgte damit einem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das inzwischen gebildete Verteidigerteam beantragte im Vorfeld, dass der marokkanische Staat als beteiligte Partei in den Prozess eingebunden werden müsse. Das Verteidigerteam ist der Auffassung, dass die Sicherheitsorgane eine Mitschuld an den schrecklichen Taten vom 16. Dezember 2018 tragen, da sie für die Sicherheit von Touristen in Marokko verantwortlich sind. Dieser Argumentation folgend, beantragte die Staatsanwaltschaft mehr Zeit, um die Sachlage zu prüfen und ggf. den zuständigen Organen die Benennung einer juristischen Vertretung zu ermöglichen.

Gericht vertagt sich auf den 30. Mai 2019. Druck auf die Justiz ist groß.

Das Gericht folgte zwar dem Antrag der Staatsanwaltschaft und stimmte einer Vertagung zu, allerdings will es nicht all zu viel Zeit verstreichen lassen. Daher entschied es, dass der Prozessauftakt nun am 30. Mai 2019 stattfinden soll.

Der Druck auf die Justiz ist groß. Die abscheuliche Tat gegen Louisa V. J., eine 24-jährige dänische Studentin und ihrer 28 jährigen norwegische Freundin, Maren U., in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2018 in Imlil, am Fuße des Jabal Toubkal (Region Marrakech), erregte weltweit und in Marokko große Bestürzung und Betroffenheit. Marokko möchte im Aus- und Inland zeigen, dass die Sicherheitsbehörden und die Justiz Gäste schützen und Angreifer schnell ermitteln sowie aburteilen können. Zugleich soll aber auch die häufig betonte Unabhängigkeit der Justiz und Rechtsstaatlichkeit demonstriert werden. Daher wird auf große Sorgfalt bei der Prozessführung geachtet werden. Im Vorfeld des heutigen anberaumten Termins hatte Rechtsanwältin Hafida El Makssaoui, die dem Verteidigerteam angehört, gegenüber dem TV Sender 2M angedeutet, dass ihre Mandaten dazu beitragen könnten, dass der Prozess schnell ablaufen könne. Gegen einen zuvor zugesicherten Verzicht auf die Höchststrafe, könnten sie sich zu Beginn für schuldig erklären.

Opfer
Opfer des Mordes am Jabal Toubkal

Zweite Vertagung des Prozessauftakts

Dies ist die zweite Vertagung des Prozessauftakts. Bereits Anfang Mai sollte der Prozess gegen die vier mutmaßlichen Haupttäter und 20 mutmaßlichen Unterstützer bzw. Mitglieder der „Terrorgruppe“ beginnen. Damals vertagte das Gericht von sich aus den Prozessbeginn, da die anwaltliche Verteidigung nicht für jeden Angeklagten sichergestellt werden konnte.

Marokko – Prozess im Fall der ermordeten Touristinnen vertagt.

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