Marokko – Erste Israelis streben nach der marokkanischen Staatsbürgerschaft.

Hunderttausende grundsätzlich anspruchsberechtigte Juden in der Welt

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Israel
Flagge Israel Marokko

Nachkommen aus Marokko ausgewanderter Juden beantragen die Staatsbürgerschaft ihrer Vorfahren.

Rabat – Der Beitritt Marokkos zum Abraham-Abkommens mit den USA und Israel sowie der „Normalisierung“ der Beziehungen zwischen Rabat und Tel Aviv ist bereits zwei Jahre her und die Kontakte zwischen beiden Staaten haben sich seitdem deutlich vermehrt. Nach der Aufnahme von Direktflügen zwischen Israel und Marokko sowie der Einführung der E-Visa für israelische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ermöglichten es, gerade für Menschen jüdischen Glaubens, Marokko relativ einfach zu besuchen. Die marokkanische Gesellschaft ist grundsätzlich offen für Menschen jüdischen Glaubens. Zugleich ist aber die Ablehnung für die Politik Israels gegenüber dem Palästinensischen Volks groß.

Die Verbindung zwischen vielen Israelis und Marokko sind sehr eng. Das marokkanische Innenministerium geht von mindesten 800.000 Israelis aus, deren Wurzeln im nordafrikanischen Königreich liegen. Wie groß vor allem die emotionale Beziehung zu Marokkos ist, zeigt sich derzeit.
Immer mehr Nachkommen marokkanisch-israelischer Auswanderer beantragen augenscheinlich die Staatsangehörigkeit ihrer Vorfahren.

Rat der jüdischen Gemeinde beschreibt Wunsch von Menschen jüdischen Glaubens aus aller Welt.

Serge Berdugo, Generalsekretär des Rates der jüdischen Gemeinden in Marokko, berichtet von Anträgen auf die marokkanische Staatsbürgerschaft, wobei es sich dabei um israelische, europäische, amerikanische und kanadische Bürgerinnen und Bürger handeln würde, deren Nachkommen von marokkanischen Einwanderern abstammen, die das Königreich nach der Unabhängigkeit Israels verlassen haben, zitiert ihn das Nachrichtenportal Médias24.

Bei israelischen Auswanderern marokkanischer Herkunft der zweiten und dritten Generation sei dieses Gefühl der Zugehörigkeit zur marokkanischen Nation noch verstärkt, so Serge Berdugo. Es gebe immer mehr Leute die Schritte unternehmen, um einen „grünen Pass“ zu erhalten. Das sei ein typisch marokkanisches Phänomen: Juden aus anderen Ländern kämen gar nicht auf die Idee, ihr Herkunftsland um einen Pass zu bitten. Die Aussicht, die Staatsbürgerschaft von Ländern zu bekommen, die sich immer geweigert haben, die jüdische Gemeinschaft als Teil der ursprünglichen Bevölkerung anzuerkennen, sei sehr gering. Deshalb seien solche Anträge fast unvorstellbar, sagt er.

Hunderttausende grundsätzlich anspruchsberechtigte Juden in der Welt

Die jüngste Volkszählung in Israel hat ergeben, dass etwa 800.000 Menschen Anspruch auf die marokkanische Staatsbürgerschaft haben könnten, sagt Serge Berdugo weiter. Die Verfahren seien einfach. Den marokkanischen Konsulaten müsse lediglich ein marokkanisches Familienbuch (Stammbuch), ein aktueller Personalausweis oder ein Reisepass vorgelegt werden können, aus dem hervorgehe, dass die Eltern oder Großeltern der Antragstellerin bzw. des Antragstellers Marokkanerinnen oder Marokkaner waren. Das Verfahren sei viel schneller als die Einbürgerung in anderen Ländern, betont er. Wie viele derzeit einen solchen Antrag gestellt haben, ist nicht bekannt.

Rabbinische Gerichtsbarkeit in Marokko berechtigt einen Herkunftsnachweis auszustellen.

Abgesehen von den 800.000 Israelis, die die Kriterien erfüllen, leben etwa 200.000 marokkanische Juden in anderen Ländern und haben die dortige Staatsbürgerschaft erworben. Dabei handele es sich hauptsächlich, um Auswanderer nach Europa, Kanada und in die Vereinigten Staaten. Dies sei sicherlich eine Diaspora von einer Million Menschen, die die Staatsbürgerschaft beanspruchen können. Aber nicht alle verfügen noch über die Verwaltungsdokumente, mit denen die Herkunft aus Marokko nachgewiesen werden könne. In diesem Fall reiche es aus, ein Verfahren vor dem rabbinischen Gericht in Casablanca einzuleiten. Man bekomme dann eine Bescheinigung, die den Antragsteller als marokkanischen Juden ausweise, so Serge Berdugo abschließend. Er wies auch darauf hin, dass dieses rechtliche Verfahren nicht länger als sechs Monate dauern wird.

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