Marokko – Familienministerin spricht von 360 ausgesetzten Babys in 2018

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Babys
Angaben zu Babys und Kindern

Die Zahl der verlassenen Babys und Kinder erreichte im Jahr 2018 1.741.

Rabat – Die Ministerin für Solidarität, Familie und Gleichberechtigung, Jamila El Moussalli, hat bedrückende Zahlen ausgesprochen. In Marokko haben die Behörden allein im Jahr 2018 360 verlassene Babys bzw. Neugeborene auf offener Straße gefunden. Die Zahl der insgesamt verlassenen Kinder erreichte nach Angaben der Ministerin 1.741. Im gleichen Zeitraum haben marokkanische Gerichte 1.422 Urteile gegen Eltern gefällt, die wegen Vernachlässigung angeklagt wurden. Diese Angaben machte Frau Ministerin El Moussalli in einer gestrigen aktuellen Stunde (6. Januar 2020), vor dem Repräsentantenhaus.

Ursachen sind Armut, und konservative Moralvorstellungen.

Immer wieder finden vor allem Polizisten und Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe ausgesetzte Babys. Der grausamste Fund sind Neugeborene, die unmittelbar nach der Geburt unter ungeklärten Umständen starben und in Müllcontainern buchstäblich entsorgt wurden. Solche Babys sind meist ungewollte Folgen von außerehelichen Beziehungen, Vergewaltigungen oder Prostitution. Alleinerziehende Mütter sind einer breiten Ablehnung in der Gesellschaft ausgesetzt, was den Druck auf die meist jungen Frauen erhöht und zu solchen Taten führt. Aber auch Armut ist ein Treiber für das Aussetzen von Kindern. Einige Familien sehen sich schlicht nicht in der Lage ihre Kinder zu ernähren. Sehr früh sind von solcher extremer Armut betroffene Kinder auf sich selbst gestellt. Mit viel Glück werden sie in privaten oder stattlichen Initiativen aufgenommen. Nicht selten landen sie aber einfach auf der Straße, schlagen sich durch, geraten an Drogen oder Klebstoff zum Schnüffeln. Meist werden sie zu Prostitution gezwungen bzw. sexuell missbraucht und ausgebeutet.

Aktivisten gehen von höheren Zahlen aus.

Als wenn die Zahlen der Ministerin nicht schon erschreckend genug sind, fallen sie geringer aus, als von Aktivisten angegeben. Die bekannte marokkanische Aktivistin Aicha Ech-chenna wird von moroccoworldnews mit weit höheren Zahlen zitiert.

Danach sprach die Aktivistin in einem Interview mit dem spanischen Nachrichtensender Mujerhoy, von 50.000 Kindern, die jedes Jahr in Marokko ausgesetzt würden, wobei durchschnittlich 24 Babys pro Tag in den Mülleimer geworfen werden. Es gibt keine offizielle Zahl von alleinerziehenden Müttern, aber vor 10 Jahren, soll es bereits mehr als eine halbe Million gegeben haben, fügte sie hinzu.

Marokko – Hchouma! Das ist eine Schande, ein Tabu!

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