Marokko – FIFA WM 2026 Königreich präsentiert sich als Gastgeber.

Pressekonferenz in Casablanca stellt Bewerbungsabsicht und Kampagnenlogo vor.

FIFA WM
Logo der FIFA WM 2026 Bewerbung Marokkos

FIFA WM 2026 Marokkanischer Nationaler Fußballverband präsentiert Bewerbung.

Casablanca – Das Königreich Marokko bewirbt sich erneut als Gastgeber einer FIFA Fußballweltmeisterschaft. Dieses Mal für das Turnier im Jahr 2026. Dabei tritt Marokko gegen die gemeinsame Bewerbung von Kanada, Mexiko und den USA an. Eigentlich galt das Rennen bereits zugunsten der drei amerikanischen Länder als entschieden. Nachdem Russland in diesem Jahr (2018) und Qatar 2022 Austragungsort sein werden, galt ein Austragungsort auf dem nordamerikanischen Kontinent als gesetzt. Südamerika konnte es nicht werden, da die FIFA WM 2014 in Brasilien stattgefunden hat. Angesichts der politischen Spannungen zwischen Mexiko und den USA sowie deutlich erkennbaren Unstimmigkeiten zwischen Kanada und den USA, nach dem Amtsantritt des US-Präsidenten Donald Trump, sieht Marokko eine Chance für sich, einen lang gehegten Traum zu realisieren. In Casablanca stellte das Bewerbungsteam seine Präsentation vor.

Pressekonferenz in Casablanca stellt Bewerbungsabsicht und Kampagnenlogo vor.

Das Bewerberkomitee, unter Vorsitz von Rachid Talbi El Alami, dem marokkanischen Minister für Jugend und Sport, stellte sich in Casablanca der Weltpresse vor. Dem Minister steht der ehemalige Generalsekretär des Afrikanischen Fußballverbandes, Hicham El Amrani, als Hauptgeschäftsführer zur Seite. Als Projektverantwortlicher stellte sich Moulay Hafid vor. Die drei Vertreter präsentierten hauptsächlich das neue Kampagnenlogo für die Bewerbung vor. Alle Verantwortlichen bekräftigten, dass Marokko ein großartiger Gastgeben sein würde und dass das Land nie besser auf eine FIFA WM vorbereit wäre, wie dieses mal. Auch ist man bei den Organisatoren davon überzeugt, dass eine FIFA WM in Marokko sehr erfolgreich sein wird.

Samuel Eto’o als Botschafter Marokkos vorgestellt.

Der kamerunische Fußballstar Samuel Eto’o ist kein Unbekanntere für Fußballfans in Afrika und auf der ganzen Welt. Eto’o ist eine lebende Legende des Weltfußballs. Der ehemalige Star von Barcelona und Inter Mailand gilt als glühender Befürworter Marokkos. Er soll als Botschafter für die Bewerbung Marokko stehen und sich einsetzen.

Samuel Eto'o
Samuel Eto’o als Botschafter Marokkos FIFA WM 2026 vorgestellt.

Präsentation lies Detail zu Planungen vermissen.

Die Präsentation lies konkrete Informationen fast gänzlich vermissen. So wurden keine möglichen Austragungsorte noch konkrete Stadien und deren Infrastruktur vorgestellt. Marokko hat zwar in den letzten 20 Jahren viel in Infrastruktur investiert, darunter neue Flughäfen, Autobahnen und aktuell in eine neue Zugverbindung für Hochgeschwindigkeitszüge sowie in Casablanca und Rabat in Straßenbahnen, doch solche Strukturen müsste es dann im ganzen Land geben.

FIFA WM Bewerbung birgt Chancen.

Eine Bewerbung, als ein Gastgeberland für eines der größten Sportereignisse der Welt, birgt immer Chancen. Eine solche Großveranstaltung bedarf enormer Investitionen in Stadien, Übernachtungskapazitäten, Transport, Telekommunikation und Sicherheitsstrukturen. Diese Investitionen können positive Nachwirkungen haben. Dies zeigte sich bei der FIFA WM in Deutschland, die sogar die Konjunktur belebt haben soll sowie dabei half Deutschland als gastfreundliches Land zu präsentieren. Marokko erhofft sich, bei einer erfolgreichen Bewerbung, Investitionen aus dem Ausland, insbesondere aus den Golfstaaten. Hier könnte viel Geld ins Land kommen. Ein echter Schub für die Gesamtentwicklung, wirtschaftlich wie politisch sowie für die geo-strategische Rolle Marokkos in Afrika ist möglich.

FIFA WM Bewerbung birgt Risiken.

Doch es gibt auch ebenso große Risiken. Eine solche FIFA WM kann schnell mehrere Milliarden Euro kosten. Diese müsste Marokko aufbringen, wenn es keine privaten Investoren geben würde. So soll die letzte FIFA WM in Brasilien ein wirtschaftliches Defizit der öffentlichen Hand von mindesten 5 Milliarden Euro hinterlassen haben. Teilweise gehen die Schätzungen weit darüber hinaus. Der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung blieb aus und die Schulden belasten die öffentlichen Haushalte. Brasilien befindet sich heute in einer sozialen-, politischen und wirtschaftlichen Krise, gebeutelt von Korruptionsskandalen, die nicht selten in Verbindung mit den Bauten zur WM und der Olympiade in Rio stehen. Ähnlich erging es dem ersten afrikanischen Gastgeberland einer FIFA WM, Südafrika. Die teuren Stadien werden wenig genutzt und müssen dennoch unterhalten werden. Die Schulden belasten die Länder noch für Jahrzehnte. Dort wo viel Geld fließt droht auch Korruption. Marokko leidet noch immer unter dieser Krankheit. Ebenso drohen soziale negative Folgen. Immer dort wo Reichtum auf Armut trifft droht Drogenhandel und Prostitution.

Marokkos suche nach Partner blieb erfolglos.

Marokko hatte im letzten Jahr versucht ein ähnliches Vorgehen wie die drei Konkurrenten zu organisieren. Gegen die gemeinsame Bewerbung von Kanada, Mexiko und den USA wollte Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal antrete. Doch die beiden Nachbarstaaten lehnten ab und sehen sich, nach den Folgen der Finanzkrise, noch nicht in der Lage die nötigen Investitionen zu tätigen. Es wäre die erste Kontinent übergreifende FIFA WM gewesen und hätte ein Zeichen für eine enge Verbindung der Mittelmeerstaaten sowie Afrikas mit Europa sein können.

Marokko, Spanien und Portugal beraten über gemeinsame Bewerbung
Marokko, Spanien und Portugal beraten über gemeinsame Bewerbung

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Marokko steht noch unter Korruptionsverdacht.

Die Strategie Marokkos hinter der Bewerbung ist klar. Man glaubt gute Chancen zu haben, weil die Welt mit einem unbeliebten US-Präsidenten hadert. Gleichzeitig sind Unstimmigkeiten zwischen den amerikanischen Partnerländern deutlich. So kritisiert die USA Kanada beispielsweise für seine liberale Drogenpolitik und Mexiko protestiert gegen den geplanten Bau einer Grenzmauer durch die USA. Doch diese Strategie Marokkos birgt auch Gefahren. Im Rahmen der Korruptionsermittlungen US-Amerikanischer Staatsanwälte gegen die FIFA sind auch marokkanische Funktionäre ins Visier geraten. Dies veranlasste Hicham El Amrani im Interviews mit The Associated Press zu der Stellungnahme: „Wir haben nichts mit den vergangenen Bewerbungen Marokkos zu tun.“ Er fügte hinzu: „Lassen Sie mich nicht zu früheren Bewerbungen Stellung nehmen, auf die wir keinen Einfluss hatten. Unser Angebot ist sauber und wird konform sein, und darauf kommt es an.“

FIFA trifft am 13. Juni 2018 seine Entscheidung.

Am Vorabend des Eröffnungsspiels zur diesjährigen FIFA WM in Russland soll die Entscheidung fallen. Daher bleibt dem marokkanischen Bewerbungskomitee nicht viel Zeit, neben einem Kampagnenlogo, auch substanzielle Informationen bereitzustellen. Für Marokko ist dies der fünfte Anlauf. Bereits für die Turniere 1994, 1998, 2006 und 2010 hatte sich Marokko als Gastgeber beworben, ohne Erfolg. Für die fußballbegeisterten Nordafrikaner wäre ein positives Votum der FIFA in Moskau das zweite große Erfolgserlebnis, nach der gefeierten Qualifikation der Nationalmannschaft.

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