Marokko – Frauen dürfen Notare und Standesbeamte werden.

Marokko stärkt die Rolle der Frauen, zumindest in kleinen Schritten.

Notar
König Mohammed VI. und Premierminister Saad-Eddine El Othmani in Casablanca

Königliche Entscheidung öffnet Frauen den Beruf als Notar (Adoul).

Rabat – Der Berufstand des (Adoul) war bisher Frauen nicht zugänglich. Unter einem Adoul versteht man einen Notar und offiziellen Zeugen, der Dokumente und Verträge sowohl mit geistlichen und weltlichen Bezug beurkunden darf sowie als Beamter und als Standesbeamter bei Eheschließungen und Erbschaftsangelegenheiten fungiert. Davon unberührt ist der rein juristische Berufsstand des Notars, den Frauen bereits wählen können.

Nun hat die marokkanische Regierung und König Mohammed VI. von Marokko eine Änderung des Beamtenrechts vorgenommen. Es dürfen jetzt auch Frauen die Funktion eines Adouls wahrnehmen. Dies melden marokkanische Medien übereinstimmend.

König und Ministerrat stimmen für die Gesetzesänderung.

Wie nun bekannt wurde, hat der Ministerrat, am gestrigen Montag (22. Januar 2018) erneut unter der Leitung von König Mohammed VI. getagt und die Gesetzesänderung beraten sowie beschlossen. Nach diesem Beschluss hat der Monarch den Justizminister mit der Umsetzung und der Änderung alle nötigen Gesetze sowie Verordnungen betraut. Das Justizministerium ist auch damit beauftrag alle nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, dass Frauen zügig Zugang zum Beamtenstatus des Adouls bekommen.

Beratungen mit dem obersten Rat der Religionsgelehrten.

Im Vorfeld der gestrigen Sitzung des Ministerrats hat sich die Regierung und König Mohammed VI. mit dem obersten Rat der Religionsgelehrten (Ulemas) beraten. Der König ist Vorsitzender der Ulemas und „Anführer (Prinz) der Gläubigen“ im Königreich. Die Ulemas sieht die Gesetzesänderung im Einklang mit den Bestimmungen des islamischen Rechts (Scharia). Dies auch in Bezug auf das Zeugnisrechts (Shahada). Neben der festgestellten Konformität mit der Scharia soll die Gesetzesänderung, vor dem Hintergrund des hohen Ausbildungsniveaus und der hohen Qualifikation vieler Frauen, möglich geworden sein.

Marokko stärkt die Rolle der Frauen, zumindest in kleinen Schritten.

Mit dem Beruf des Adoul treten Frauen in eine Domäne ein, derer es noch viele gibt, nämlich in eine Männerdomäne. Die Beratung mit der Ulema ist, vor dem Hintergrund des religiös so wichtigen Zeugnisrechts, nötig gewesen.

Die Öffnung des Berufsstandes stellt eine Stärkung der Frauen in Marokko da. Es gab, seit der Thronbesteigung von König Mohammed VI., immer wieder Gesetzesänderungen, die Frauen mehr Rechte verschaffen sollten. Nicht alle Konzepte sind aufgegangen. Marokko ist, trotz der Bemühungen in der Vergangenheit, noch gesellschaftlich weit von einer völligen Gleichstellung der Geschlechter entfernt. Die Gleichberechtigung ist zwar in der Verfassung genannt, aber noch immer haben Frauen nicht die gleichen Chancen und Rechte. Die Ungleichbehandlung ist noch immer in vielen Gesetzen zu finden. Immer da wo bestimmte Rechte in der Scharia verankert sind, ist eine Änderung nur schwierig umsetzbar bzw. durchsetzbar. Doch eines ist Marokko seit längerem klar. Ohne eine positive Entwicklung für die Frauen wird sich auch das Land nicht positiv entwickeln können. Diese Gesetzesänderung kann dabei erneut nur ein Schritt von vielen sein.

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