Marokko – Gefälschte COVID-19 Impf- oder PCR-Testnachweisen führten zu 40 Verhaftungen.

Behörden melden erste Festnahmen vor allem an Häfen und Flughäfen.

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Flughafen
Quelle ONDA - Flughafen Mohammed V. Casablanca

Polizei und Zoll verschärfen Kontrollen von Gesundheitsnachweisen, um gefälschte Dokumente zu entdecken.

Rabat – Vor wenigen Tagen gab es im Sitz des Innenministeriums ein hochrangiges Treffen, an dem neben dem Innenminister selbst auch der marokkanische Außenminister, der Gesundheitsminister und der Chef der Sicherheitsdienste teilnahmen. Wichtigstes Thema war die Bekämpfung von gefälschten Impfnachweisen und PCR-Testergebnissen. Nach der Sitzung wurde angekündigt, dass die mitgeführten Dokumente, sowohl im Inland wie auch bei der Aus- und Einreise an den Grenzpunkten schärfer kontrolliert werden. Es wurde mitgeteilt, dass das Mitführen solcher gefälschten Dokumente oder die Mitwirkung an deren Erstellung als Straftat betrachtet und entsprechend verfolgt wird. Am vergangenen Freitag forderte die Generalstaatsanwaltschaft in einem Rundschreiben alle regionalen Kammern und Sicherheitsorgane dazu auf, streng gegen solche Machenschaften vorzugehen, da diese das Leben und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger sowie den Kampf gegen die Pandemie gefährden.

Behörden melden erste Festnahmen vor allem an Häfen und Flughäfen.

Die gefälschten Dokumente werden, laut den Behörden, vor allem zur „Erschleichung“ von Reisegenehmigungen eingesetzt. Entsprechend streng wird nun in Städten kontrolliert, in denen es internationale Flughäfen bzw. Häfen gibt. Insgesamt bestätigten die Behörden gegenüber marokkanischen Medien inzwischen 40 Festnahmen im Zusammenhang mit gefälschten Impf- oder Testnachweisen bzw. Reisegenehmigungen seit dem 24. August 2021.

In Casablanca wurden zwei Personen, darunter ein 16-jähriger Junge, festgenommen, weil sie mutmaßlich sowohl gefälschte PCR-Testnachweise als auch Reisegenehmigungen mitführten. In Nador wurden insgesamt 37 Reisende verhaftet. Eine Person wurde am Flughafen und die übrigen 36 Personen wurden am Hafen festgenommen. Sie sollen bei der Ausreise gefälschte Dokumente vorgelegt haben. Ein 24-jährige marokkanische Student, der in ein nicht weiter genanntes europäisches Land ausreisen wollte, wurde in Oujda verhaftet, weil er an der Fälschung eines negativen PCR-Tests beteiligt gewesen sein soll. Die ersten Ermittlungen sollen ergeben haben, dass er den PCR-Test nicht hat durchführen lassen, sondern ein negativen Testergebnis durch Bestechung erlangt habe. Gegen die übrigen Beteiligten wird weiter ermittelt.

Nador
Flughafen Nador Marokko

Beteiligten drohen schwere Anklagen

Alle Festgenommenen sollen sich derzeit in Gewahrsam befinden und sollen sich einem Gerichtsverfahren stellen müssen. Welche Anklagepunkte konkret zum Tragen kommen könnten, ist von der Justiz abhängige. Die Bandbreite beginnt bei Urkundenfälschung, versuchtem illegalen Grenzübertritt, Bestechung und kann auch fahrlässige, vorsätzliche oder gar im Infektionsfall zur vollendeten Körperverletzung (ggf. mit Todesfolge) reichen. Im ersten Moment ist der Anreiz für einige groß, sich die Laborkosten von 360 bis 600 marokkanische Dirham MAD zu sparen, auch weil man die Schwere der COVID-19 Pandemie zunehmend relativiert. Doch angesichts der möglichen Folgen für Mitmenschen, als potentieller Träger des Coronavirus und den strafrechtlichen Konsequenzen, kann nur  zum schnellen Umdenken appelliert werden.

Marokko ist auch gezwungen zu handeln, nachdem erste europäische Länder, bei Reisenden aus Marokko, eine hohe Infektionsrate, trotz Impfnachweisen oder negativen PCR-Testergebnissen nahe 11%, festgestellt haben. Dies lässt befürchten, dass zahlreiche gefälschte Dokumente im Umlauf sind, um die Reiseregelungen auch ins Ausland zu umgehen.

Marokko – Strengere Kontrolle von COVID-19 Reisedokumente angekündigt.

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