Marokko – Gewaltausbruch und Plünderungen auf Viehmarkt.

Erste Festnahmen von 20 Personen.

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Viehmarkt
Gewaltausbruch und Plünderungen auf einem Viehmarkt in Casablanca am Vortag des islamischen Opferfest

Unzählige Diebstähle von Schafen am Vortag des Opferfestes in Casablanca.

Casablanca – Die in den sozialen Medien kursierenden Video, sind erschreckend und zugleich beschämend am Vortag des wichtigsten islamischen Feiertags, dem Eid Al Adha (Opferfest). Unwirkliche und schockierende Szenen ereigneten sich am vergangenen Donnerstag, den 30. Juli 2020 im Hay Hassani in Casablanca. In einem Souk (Markt), auf dem nahe der äußeren Ringstraße der Stadt Schafe verkauft wurden, griff eine bisher noch unbekannte Anzahl von Personen Bauern und Händler an, indem sie Steine warfen, bevor sie unzählige Schafe stahlen.

Die Videos zeigen wie vor allem Jugendliche und jung erscheinende überwiegend Männer mit Steinen auf Viehtransporter aber auch Marktbesucher losgegangen sind. Dabei nahmen sie billigend in Kauf Menschen zu verletzten und Sachgegenstände zu beschädigen.

Plünderung ganzer Viehtransporter

Das durch die Angriffe ausgelöste Chaos wurde entweder gezielt geschaffen oder dazu genutzt vor allem Schafe zu stehlen. Teilweise wurden ganze Transporter gestoppt und geplündert. Aber nicht nur junge Männer beteiligten sich an den Plünderungen. Wie die Videos zeigen, nutzten auch ältere Männer und Frauen die vermeintliche Gunst der Stunde, um sich für das anstehende Opferfest noch ein Tier zu beschaffen.

Beschwerden von Käufern über Zustände und Preise.

Es ist noch unklar, wie es zum Gewaltausbruch gekommen ist. In einigen Video äußern sich Besucher zu den wahrgenommenen Zuständen. So beschwert sich ein Mann über die viel zu hohen Preise für ein Opfertier und den von ihm nicht selten festgestellten schlechten gesundheitlichen Zustand. Dieser Beschreibung wird von einen Zuhörer aber auch unmittelbar widersprochen. Eine Frau beklagt sich über die schlechte Organisation und über das Verhalten der Verkäufer.

Die insgesamt angespannte Lage in der Stadt Casablanca, nach der Verhängung der Corona bedingten Abriegelung, die schwierige Wirtschaftslage und der soziale Druck an diesem hohen islamischen Feiertag ebenfalls ein Tier zu opfern, könnte zu einer angespannten Stimmungslage beigetragen haben, die sich dann in Gewalt und Plünderung entladen hat.

In einzelnen Videos ist aber auch zu sehen, wie versucht wird, die Stimmung auf dem Markt durch das Rufen von Parolen anzuheizen.

Erste Festnahmen von 20 Personen.

Bei Zugriffen der Polizei des Distrikts Hay Hassani in Casablanca wurden noch am Donnerstag 20 Personen, darunter acht Minderjährige, wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an den aufgenommenen Gewalttaten, Diebstahl und Steinewerfen auf dem Viehmarkt verhaftet.

In einem Kommuniqué erklärt die Generaldirektion für Nationalen Sicherheit (DGSN), dass die für die Sicherheit des Viehmarktes verantwortlichen Einheiten unmittelbar nach der Aufzeichnung dieser Taten eingegriffen haben.

Noch keine Strafanzeigen von den Opfern eingegangen.

Die DGSN fügt hinzu, dass die Art und die Motive dieser Taten untersucht und aufgeklärt werden, und stellt fest, dass die Interventionen es ermöglicht haben, mehrere an diesen kriminellen Handlungen beteiligte Personen zu verhaften und die Ordnung auf dem Markt wiederherzustellen.

Die Verdächtigen seien einer Voruntersuchung unter der Aufsicht der zuständigen Staatsanwaltschaft zugeführt worden, um die Einzelheiten des Falles aufzuklären, hieß es in der Erklärung, und es wurde festgestellt, dass die Sicherheitsdienste bisher keine Diebstahlbeschwerden im Zusammenhang mit dem Fall erhalten haben, in dem die Ermittlungen noch andauern.

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