Marokko – Kommendes Wirtschaftsjahr von der „sozialen Frage“ dominiert.

Wirtschaftsprofessor sieht eine Verpflichtung der Regierung zu handeln.

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Druck auf die Regierung, die Inflation zu bekämpfen und die Kaufkraft in Marokko zu erhalten steigt.

Rabat – Der Regierung steht ein schwieriges Wirtschaftsjahr mit vielen Herausforderungen im sozialen Bereich bevor. Die Inflation schwächt die Kaufkraft und die Dürre wirkt sich auf den marokkanischen Primärsektor und damit auf einen wesentlichen Bereich der ökonomischen Entwicklung aus. Verschiedene Wirtschaftsbeobachter äußerten sich zum aktuellen politischen und gesellschaftlichen Kontext.

Mohammed Benkaddour, Mitglied des Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrates (CESE) und Gründungspräsident der Fédération nationale des associations du consommateur (FNAC) (Nationaler Verband der Verbraucherverbände), erklärte in einem Interview gegenüber der staatlichen Sendergruppe SNRTNews, dass viele Rohstoffe, deren Preise nicht reguliert sind, stark gestiegen sind, „um 50%, 200% oder sogar 300%, wie z. B. der Preis für Grieß, der stark unter den Auswirkungen der Gesundheitskrise und des Krieges in der Ukraine leidet”.

Er betonte, dass diese Preisanstiege nicht nur in Marokko zu beobachten seien, sondern dass mehrere Länder in der ganzen Welt Maßnahmen ergriffen hätten, um diesen Preisanstieg für die Kaufkraft ihrer Bürgerinnen und Bürger abzufedern, „manchmal sogar bis hin zur Erhöhung der Löhne“. Auch auf nationaler Ebene solle die Regierung mehr Maßnahmen zugunsten der Bürgerinnen und Bürger ergreifen, so der Abgeordnete. Er wies darauf hin, dass „die bisher getroffenen Entscheidungen, wie z. B. die Unterstützung für Landwirte bzw. Transportunternehmen, nicht die gewünschte Wirkung gezeigt haben“. … „Die Maßnahmen der Regierung sollten verhindern, dass die Preise steigen. In der Praxis wäre dies jedoch nicht erfolgreich genug gewesen.

Auch die Preise für Obst und Gemüse seien gestiegen. Als Ursache verweisen die Landwirte auf die Dürre.  El Fatmi El Bourkizia, Präsident der marokkanischen Vereinigung für landwirtschaftliche Entwicklung in der Region Casablanca-Settat, erklärte gegenüber SNRTnews, dass die hohen Temperaturen in Verbindung mit dem Wassermangel die Ernten erheblich beeinträchtigt hätten. Schließlich bleiben die Kraftstoffpreise trotz eines Rückgangs in der letzten Woche hoch. Dies habe die Regierung veranlasst, ihre Unterstützung für Verkehrsunternehmen zum fünften Mal zu verlängern.

Mehrheit der Familien nehmen gesunkenen Lebensstandard wahr.

Nach Angaben der Hohen Planungskommission (HCP) stieg der Verbraucherpreisindex um 0,9%, wobei der Index für Nahrungsmittel um 1,6% und der für Nicht-Nahrungsmittel um 0,5% zunahm. Der Kerninflationsindex (geglätteter Index), der Posten mit Sonderpreisen bzw. der Posten mit großen Schwankungen ausschließt, stieg im Juli 2022 um 5% gegenüber Juni 2022 und um 6,5% gegenüber Juli 2021. Infolgedessen setzte der Haushaltsindex seinen Abwärtstrend im zweiten Quartal 2022 fort und erreichte einen historischen Tiefstand.

Im Einzelnen stieg der Prozentsatz der Familien, die angaben, dass sich ihr Lebensstandard in den letzten 12 Monaten verschlechtert habe, auf 79,2%, während nur 14,6% der Meinung seien, dass ihr Lebensstandard gleichgeblieben wäre. Bei 6,2% sei eine Verbesserung eingetreten.

Mohammed Benkaddour wiederum betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer Reihe wichtiger Maßnahmen, wie die Senkung von Steuersätzen und die Überprüfung der sog. Unterstützung für qualifizierte Arbeitnehmer, deren Umfang er als „Teilmaßnahme“ bezeichnete.

Wirtschaftsprofessor sieht eine Verpflichtung der Regierung zu handeln.

Ali Boutiba, Wirtschaftsprofessor an der Mohammed-V-Universität in Rabat, ist der Meinung, dass die Regierung verpflichtet sei, Maßnahmen zu ergreifen, um die Auswirkungen der derzeitigen Preissteigerungen auf die Bürgerinnen und Bürger zu begrenzen. In einer Erklärung gegenüber SNRTnews betonte er die Notwendigkeit, die Anweisungen des Königs zu befolgen, der dazu aufruft, die Kaufkraft der Marokkanerinnen und Marokkaner zu erhalten und den Wohlfahrtsstaat aufzubauen.

In diesem Zusammenhang erklärte er, dass das Konzept des Wohlfahrtsstaates darin bestehe, soziale Gerechtigkeit zu gewährleisten, indem alle vom Preisanstieg betroffenen Gruppen unterstützt werden. Er erklärte, dass „je mehr die Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger steigt, desto mehr florieren die Wirtschaft bzw. die Unternehmen“. Weiter betonte er, dass „der nächste Schritt konkrete Maßnahmen erfordert, von denen nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Verbraucher direkt Nutzen ziehen können“.

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