Marokko – Marine schießt auf Schleuserboot und tötet eine Frau.

Marokko kontrolliert Grenzen stärker und will vor Nachahmungen abschrecken.

Königlich-Marokkanische Marine geht gewaltsam gegen Schleuser und Flüchtlinge vor.

Rabat – Am letzten Dienstag (25.09.2018) haben sich vor der marokkanischen Küste tragische Szenen abgespielt. Die königlich-marokkanische Marine hat ein Schnellboot voller Flüchtlinge durch gezielte Schüsse gestoppt. Wie marokkanische Medien berichten, hat die marokkanische Küstenwache ein Schnellboot in der Nähe von M’Diq-Fnideq, unweit der Hafenstadt Tanger, entdeckt. Nach Einschätzung der Behörden war das Schnellboot illegal auf dem Weg nach Spanien. Wie die Marine weiter mitteilt wurde das Schnellboot mehrfach zum Stoppen aufgefordert. Nach dem den Aufforderungen nicht nachgekommen wurde, wurde auf das Boot gezielt geschossen.

Schnellboot war Flüchtlingsboot mit mindesten 18 Passagieren

In dem Schnellboot befanden sich, nach aktuellen Erkenntnissen ca. 18 Personen sowie der Lotse und Bootsführer. Nach Angaben von Medias24 soll es sich bei dem Bootsführer um einen spanischen Staatsangehörigen gehandelt haben. Alle anderen Passagiere sollen marokkanische Staatsangehörige gewesen sein. Aufgenommen wurden die Flüchtlinge in der Region Sebta, nahe der Ortschaft „Kantra“. Zum Zeitpunkt des Beschusses durch die marokkanische Marine sollen sich alle Passagiere auf dem Boden des Schiffes versteckt und geschützt haben. Die marokkanische Marine sagte, dass nicht sofort zu erkennen gewesen ist, dass es sich um ein Flüchtlingsboot gehandelt hat, weshalb man gezielt geschossen habe. Der gezielte Beschuss hat mindestens drei Schwerverletzte und eine junge Tote Marokkanerin gefordert. Die Schwerverletzten sind inzwischen in Krankenhäuser in der marokkanischen Hauptstadt Rabat verlegt worden. Die 22 jährige Frau starb je nach Quelle direkt, auf dem Weg ins oder im Krankenhaus von M’Diq-Fnideq.

Junge Frau in ihrem Heimatort gestern beigesetzt.

Das ist der erste offiziell bestätigte Beschuss eines Flüchtlingsboots durch die marokkanische Marine. Die junge Frau, die als „Hayat B“ identifiziert wurde, ist bereits gestern in ihrem Heimatort beigesetzt worden. Die  marokkanische Nachrichtenseite Chamal Post berichtet, dass die Frau im Viertel Jebel Dersa in Tetouan gelebt und den Campus der Universität Abdelmalek Essaadi in Martil, einer Stadt am Mittelmeer, besucht hatte.

Opfer
Quelle Chamal Post: Mögliches Foto von Hayat B. Opfer des Beschusses durch die marokkanische Marine 2018

Sie erhoffte sich ein besseres Leben in Europa und gab dafür ihre Familie und ihre Ausbildung auf. Leider verlor sie bei dem Versuch nach Spanien zu kommen ihr Leben. An der Beerdigung nahmen zahlreiche Familienmitglieder und Bürger der Stadt teil, in dem Wissen, dass es in jeder Familie junge Menschen wie Hayat gibt, die das Land verlassen möchten und somit auch jede Familie in die gleiche Situation geraten kann. Der Bootsführer hingegen blieb unverletzt und wurde festgenommen.

 

Marokko kontrolliert Grenzen stärker und will vor Nachahmungen abschrecken.

Seit Jahren geht Marokko gemeinsam mit Spanien gegen Flüchtlingsboote und Schleuserbanden vor. Offensichtlich hat sich die marokkanisch-königliche Marine dazu entschlossen, wesentlich rigoroser die illegalen Grenzübergänge zu unterbinden und Schleuser festzusetzen. Damit folgt die Marine einer neuen Strategie der marokkanischen Regierung. Zuletzt hat man angekündigt die sozialen Netzwerke und Videoportale nach Berichten und Videos zu durchsuchen, die die Flucht über das Mittelmeer zeigen. Gleichzeitig will man verstärkt kontrollieren und Fluchtversuche unterbinden.

In Rabat will man dadurch vor Nachahmungen abschrecken. Der Druck auf alle Beteiligten hat sich nach den Wahlen in Italien und der dortigen neuen Flüchtlingspolitik erhöht. Italien hat den Seeweg geschlossen, wonach die Flüchtlinge nun verstärkt die Route über Marokko nach Spanien wählen. Es ist daher zu befürchten, dass dies nicht das letzte tragische Ereignis an den Küsten des Königreichs gewesen ist.

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