Marokko – Mindestens 70 Festnahmen in Jerada.

Lokale Behörden bestätigen 56 Verhaftungen.

Festnahmen
Proteste in Jerada

Erste Prozesse für kommenden Montag in Oujda angesetzt.

Rabat – Vertreter zahlreicher politischer Richtungen und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) hielten am letzten Freitag eine Pressekonferenz zur Situation in Jerada ab. Danach wurden seit Beginn der Proteste mindestens 70 Personen verhaftet.

„Es wurden mindestens 70 Personen verhaftet, was für eine Kleinstadt wie Jerada (Nordosten Marokkos) sehr viel ist“, sagte Abdeslam Laâziz, Generalsekretär des Ittihadi National Congress (CNI, Oppositionspartei) während der Pressekonferenz in der marokkanischen Hauptstadt Rabat.

Seite Mitte Dezember protestieren die Bürger von Jerada für Reformen in ihre Region und eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Bis Mitte März waren die Proteste friedlich. Dann kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit Sicherheitskräften, die eine nicht genehmigte Demonstration auflösen wollten.

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Erklärung wirft Regierung verfehlten Umgang mit Demonstrationen und unfaire Wirtschaftspolitik vor.

In einer gemeinsamen Erklärung der Organisatoren der Pressekonferenz machte man klar, weshalb es zu solchen Situationen wie in Jerada kommt. „Der Staat reagiert mit Repressionen auf Demonstrationen für wirtschaftliche und soziale Forderungen, weil er nicht in der Lage ist, diese Forderungen zu erfüllen, und weil er eine Wirtschaftspolitik verfolgt, die Ungleichheiten verschärft.“ Die gemeinsame Erklärung wurde unterzeichnet von der Föderation der Demokratischen Linken (FDG, Opposition), der mehrere Parteien angehören, darunter die CNI, die Marokkanische Vereinigung für Menschenrechte (AMDH) und die National-Entwicklungs-Föderation (FNE).

Lokale Behörden bestätigen 56 Festnahmen.

Die Behörden in der Region Oujda und Jerada gehen von 56 Verhaftungen aus. Dabei werden unterschiedliche Gründe für die Verhaftungen genannt. Darunter „Aufstachelung zum Ungehorsam, Empörung und Anwendung von Gewalt gegen Beamte (inkl. Beleidigungen) sowie Aufstachelung zu Verbrechen und Vergehen“, so ein Beamter gegenüber der AFP. Darüber hinaus gab es weitere Verhaftungen, die nicht im Zusammenhang mit den Demonstrationen stehen sollen. Es gab drei Verhaftungen wegen „Trunkenheit am Steuer“ und eine weitere Festnahme wegen „Sachbeschädigungen an einem öffentlichen Gebäude“. Die lokalen Behörden bestreiten, dass die Verhaftungen „willkürlich“ durchgeführt wurden.

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Erste Prozesse gegen verhaftete Demonstranten für kommenden Montag angesetzt. Organisatoren fordern Freilassungen.

Ein erster Prozess ist für Montag in Oujda, der Hauptstadt der Region, geplant und die Unterzeichner der Erklärung fordern die Justiz dazu auf, die Festgenommenen freizulassen, schließlich habe die Regierung die Forderungen als legitim und berechtigt anerkannt. Um der Forderung nach Freilassungen Nachdruck zu verleihen, rufen die Teilnehmer der Pressekonferenz zu einer Demonstration in Oujda auf. Für sie ist Jerada kein Einzelfall, sondern zeigt „die politische und soziale Situation in Marokko“ auf. Zugleich wird deutlich, dass die Regierung mit „Spannungen im Zusammenhang mit sozialen Ungleichheiten und mangelnder Entwicklung, außer mit Repression, nicht umgehen kann“.

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