Marokko – Ministerin fordert verbesserten Status von unehelichen und verstoßenen Kindern.

Gleichstellung zwischen Mann und Frau immer noch schwierig.

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Ministerin
Ministerin fordert eigene Regierung und Parlamentarier zur Initiative auf.

Vaterschaftstests sollen zur Klärung angeordnet werden können.

Rabat – Die Ministerien, u.a. für Familie, Soziales und Gleichstellung, hat, bei der wöchentlichen Befragung der Regierung im Parlament, ein in Marokko heißes Eisen angepackt. Obwohl Ministerin Bassima Hakkaoui Mitglied der Regierung ist, sprach sie aus den Reihen der Abgeordneten und machte auf ein Problem in der Gesellschaft aufmerksam.

Gleichstellung zwischen Mann und Frau immer noch schwierig.

In Marokko genießen die Männer immer noch soziale Privilegien und Vorteile durch zahlreiche Gesetze. Dies trotz der Reform des Familienrechts im Jahr 2004 und der Verfassungsänderung aus dem Jahr 2011. So können Männer bei einer strittigen Vaterschaft nicht zu einem DNA- bzw. Vaterschaftstest gezwungen werden. Wenn die Vaterschaft eines Kindes durch den Vater angezweifelt wird, kann die Mutter die Feststellung bisher nicht erzwingen. Für Kinder die in einer Eher auf die Welt gekommen sind hat dies schon Folgen, die aber innerhalb des Rechtsrahmens der Ehe milder ausfallen. Dramatisch wird es, wenn ein Kind unehelich auf die Welt kommt. Ohne einen offiziellen Vater erschweren die Behörden das Kind überhaupt als existent anzuerkennen und zu registrieren. Da die Mutter auch keine Möglichkeit hat die Vaterschaft zwangsweise feststellen zu lassen, blieb der Erzeuger auch von Unterhaltszahlungen und Ansprüchen des Gerichts verschont. Das will die Ministerin jetzt ändern.

Ministerin fordert eigene Regierung und Parlamentarier zur Initiative auf.

Die Forderung an die Abgeordneten des marokkanischen Parlaments und an die eigene Regierung formulierte die Ministerin deutlich. „Die Regierung sollte verlassene Kinder mit allen Rechten und Pflichten versehen, die es ihnen ermöglichen, auf gleicher Augenhöhe mit anderen Kindern zu stehen, beginnend mit der Registrierung im Zivilstandsregister und nicht zuletzt durch die Klärung der Vaterschaft durch einen DNA-Test“. Sie machte auch deutlich, dass sie mit dieser Forderung keine Diskussion über Moral oder religiöser Konformität anstoßen wolle, dass sei auch nicht Aufgabe der Regierung. Sie sei auch nicht in der Lage festzustellen, ob die Religionsgelehrten eine Meinung zu diesem Thema haben. Damit greift die Ministerin ein Problem auf, dass durch die Gesellschaft meist verborgen behandelt wird.

Gesellschaft und Regierung müssen sich diesem Thema stellen.

Es ist aber eine Tatsache, dass es Kinder aus schwierigen Gegebenheiten gib, sei es, dass der Vater die Vaterschaft abstreitet oder die Familie verlässt und sich durch eine Verleugnung vor Unterhaltszahlungen drücken will. Auch ändert sich zunehmend die moralische Bewertung in Marokko. Durch die weltweiten wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten, die sich auch in Marokko wiederspiegeln, ist die Scheidungsquote gestiegen, die jungen Menschen gründen entweder immer später oder überhaupt keine Familien mehr, aber kommen sich nach westlichen gesellschaftlichen Vorbildern dennoch näher. Da kommt es auch vor, dass dies nicht ohne Folgen bleibt. Darunter dürfen aber die Schwächsten der Gesellschaft nicht leiden, die Kinder.

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